"Kein Platz für Puderzucker": Für diese Szene in "One Battle After Another" hat Paul Thomas Anderson eine seiner wichtigsten Regeln gebrochen
Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.

Denkwürdige Moment gibt es in „One Battle After Another“ reihenweise. Für eine Sequenz hat Paul Thomas Anderson aber eine seiner wichtigsten Regeln in der visuellen Gestaltung gebrochen – und ist so richtig altmodisch geworden!

Mit „One Battle After Another“ hat Meisterregisseur Paul Thomas Anderson („There Will Be Blood“) womöglich den besten Film des Jahres vorgelegt. Die internationale Kritik überschlägt sich jedenfalls förmlich vor Begeisterung (auch in der FILMSTARTS-Kritik gab es die Höchstwertung), und schon jetzt gilt das tragikomische Action-Abenteuer mit Leonardo DiCaprio und Sean Penn als einer der größten Oscar-Favoriten des kommenden Jahres.

Damit könnte es endlich auch dazu kommen, dass Paul Thomas Anderson seinen ersten Academy Award entgegennimmt – möglicherweise gleich doppelt, sowohl für die Regie als auch für sein Drehbuch. Kürzlich war Anderson im New Yorker Kino Regal Union Square zu Gast und sprach dort ausführlich über die visuelle Gestaltung von „One Battle After Another“. Dabei verriet er auch, dass er eine seiner eigenen zentralen Regeln einmal ganz bewusst brechen musste.

One Battle After Another
One Battle After Another
Starttermin 25. September 2025 | 2 Std. 42 Min.
Von Paul Thomas Anderson
Mit Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Chase Infiniti
User-Wertung
3,8
Filmstarts
5,0
Vorführungen (217)

Manchmal ist Puderzucker nicht verkehrt

Wer den Film gesehen hat, wird schnell bestätigen, dass „One Battle After Another“ eine ungeheure Bildgewalt entfaltet. Diese erwächst jedoch nicht aus überbordender Inszenierung, sondern aus dem konsequent reduzierten Ansatz, die Geschichte so einfach, direkt und schnörkellos wie möglich zu erzählen: „Da ist kein Platz für Dekorationen oder Puderzucker, es muss sehr sparsam sein“, erklärte Anderson nach dem Screening im Regal Union Square. Doch für eine ganz bestimmte Szene machte er eine Ausnahme. Vorsicht, es folgen Spoiler!

Die Konfrontation zwischen Willa (Chase Infinit) und Colonel Lockjaw (Sean Penn) in der Kapelle der Sisters Of The Brave Beaver markiert nicht nur den emotionalen Wendepunkt des Films – schließlich wird hier offenbart, dass nicht Bob (Leonardo DiCaprio), sondern Lockjaw selbst Willas Vater ist. Anderson nutzte den Schauplatz zudem, um eine bewusst große, fast altmodische Szene zu inszenieren:

„Man landet an dem Treffpunkt der Brave Beaver und denkt sich: 'Okay, hier gibt es einige visuelle Möglichkeiten, denen können wir nicht ausweichen, lasst sie uns nutzen. Die Dinge offenbaren sich im Drehbuch und dann entsteht ein packender, dramatischer Moment, wenn sie sich endlich mit Lockjaw auseinandersetzt, und man denkt sich: ‚Oh, vielleicht ist es Zeit für eine dieser großen, altmodischen Filmszenen', ihr wisst schon, die Treppe hochgehen und dann nach unten schauen, um die Konfrontation zwischen dem Helden und dem Bösewicht zu sehen.“

Während zuvor der schlichte, zurückgenommene Ansatz die Intensität der Emotionen getragen hatte, erlaubte sich Anderson in dieser Szene auch visuell eine gesteigerte Dramatik: „Man nutzt diese Momente, wenn sie kommen, aber man versucht, sich nicht auf sie zu verlassen.“

Falls ihr wissen wollt, welche Filme als Inspiration für die spektakulären Auto-Action-Sequenzen in „One Battle After Another“ dienten, solltet ihr unbedingt den nachfolgenden Artikel lesen:

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