Der Tod des visionären Filmemachers David Lynch im Januar 2025 im Alter von 78 Jahren hinterließ eine große Lücke in der Kinowelt. Der Schöpfer von Werken wie „Blue Velvet“, „Mulholland Drive“ und der Kultserie „Twin Peaks“ hatte trotz seiner gesundheitlichen Probleme (er litt an einer unheilbaren Lungenkrankheit) in den letzten Jahren offenbar nie ganz mit der Idee abgeschlossen, ein letztes Filmprojekt zu realisieren.
Insider munkelten bereits, er habe heimlich an einem Drehbuch namens „Unrecorded Night“ gearbeitet. Nun enthüllt seine Tochter, die Regisseurin Jennifer Lynch, dass ihr Vater sie kurz vor seinem Tod mit einem sehr persönlichen Wunsch überraschte.
Ein Drehbuch als emotionales Erbe
Im Gespräch mit dem MUBI-Podcast erzählte Jennifer Lynch, dass ihr Vater sie „erst [kurz vor seinem Tod] gebeten hatte, bei einem Drehbuch Regie zu führen“, bei dem es sich dann um dieses geheime Projekt handeln dürfte. Sie sei „überwältigt und gerührt“ gewesen, dass er ihr dieses Skript anvertraute und dachte, sie könne „etwas Schönes daraus machen“. Ihre Überraschung über seinen Wunsch habe wiederum ihn „schockiert“.
David Lynch, der mit seiner einzigartigen und oft irritierenden Art der Kinoerzählung Filmgeschichte schrieb und viermal für den Oscar nominiert war, drehte zwischen 1977 und 2006 zehn Spielfilme. Mit Werken wie „Eraserhead“, „Wild At Heart“ und „Dune“ prägte er das surrealistische Kino nachhaltig. Dieses ihm nun so wichtige, noch unbenannte Drehbuch könnte sein letztes Vermächtnis an die Filmwelt sein.
Potemkine Films
Jennifer Lynchs filmische Herausforderung
Jennifer Lynch selbst ist eine erfahrene Regisseurin und Autorin. Ihr Regiedebüt „Boxing Helena“ im Jahr 1993 war zwar kontrovers und polarisierend, doch es folgten weitere Arbeiten. Nach einer längeren Pause kehrte sie mit Filmen wie „Unter Kontrolle“ (2008) und dem düsteren „Chained“ (2012) zurück.
In den letzten Jahren hat sie sich zudem einen Namen im Fernsehbereich gemacht, indem sie Episoden für populäre Serien wie „The Walking Dead“, „American Horror Story“ und „9-1-1“ inszenierte. Außerdem ist sie die Autorin von „Das geheime Tagebuch der Laura Palmer“, einer Art Begleitwerk zu „Twin Peaks“.
Ob Jennifer Lynch dieses ihr anvertraute Drehbuch tatsächlich übernimmt, bleibt abzuwarten. Die emotionale Last ist immens: Es wäre nicht nur die Verfilmung des letzten Werkes ihres verstorbenen Vaters, sondern auch eine Auseinandersetzung mit dem gewaltigen Erbe David Lynchs. Für Jennifer wäre es wohl eine einzigartige, aber auch enorm schwierige Aufgabe, ihrem Vater gerecht zu werden und gleichzeitig ihrer eigenen künstlerischen Vision treu zu bleiben.
Wer sich das ein oder andere filmische Meisterwerk von David Lynch auf dem heimischen Bildschirm anschauen möchte: Bei MUBI sind einige seiner Filme im Stream verfügbar, unter anderem auch „Mulholland Drive“. Den Trailer dazu haben wir hier für euch: