Weltbekannt wurde Kristen Stewart mit ihrer Rolle der Bella Swan in der fünf Filme umfassenden „Twilight“-Reihe. Doch schon längst hat sich die 35-Jährige von dem Franchise distanziert – und ihren Ruf als Teenie-Star abgestreift. Abgesehen von vereinzelten (und missglückten) Blockbuster-Ausflügen ist Stewart vor allem im internationalen Arthouse- und Autoren-Kino aktiv. In den vergangenen zehn Jahren hat die Schauspielerin so mit Regie-Größen wie Olivier Assayas („Personal Shopper“), David Cronenberg („Crimes Of The Future“) oder Kelly Reichardt („Certain Women“) zusammengearbeitet. Für ihre Darstellung der Prinzessin Diana in „Spencer“ erhielt sie im Jahr 2022 ihre erste Oscar-Nominierung.
Stewarts Ambitionen reichen aber mittlerweile über das Schauspielfach hinaus: Nachdem sie bereits für einige Kurzfilme und Musikvideos hinter die Kamera gewechselt war, stellte die „Love Lies Bleeding“-Darstellerin erst in diesem Jahr ihr Langfilm-Regiedebüt vor – „The Chronology Of Water“, eine Adaption der gleichnamigen Autobiografie von Lidia Yuknavitch.
FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen konnte das am 5. März 2026 auch in den deutschen Kinos startende Werk bereits vorab bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes sehen, wo es in der Sektion „Un Certain Regard“ auch seine Weltpremiere feierte. Mit 4 von 5 möglichen Sternen zeigt er sich ziemlich begeistert – und nennt „The Chronology Of Water“ in seiner Rezension „eine kongeniale Verfilmung […] – roh, wütend, ehrlich, poetisch, fragmentarisch, überfordernd und zerbrechlich.“ Stewart setzt also auch als Regisseurin kompromisslos ihren Weg fort …
… und erhielt dafür kürzlich beim Festival des amerikanischen Films in der französischen Küstenstadt Deauville den „Revelation Prize“, mit dem vielversprechende und besonders originelle neue Stimmen im US-Kino ausgezeichnet werden. Anlässlich der Preisverleihung hat Stewart darüber gesprochen, welche Filme sie auf ihrem Weg zur Regisseurin geprägt und beeinflusst haben – neben Krzysztof Kieślowskis „Die zwei Leben der Veronika“ sowie Michael Hanekes „Die Klavierspielerin“ hob sie dabei besonders „Ein Mädchen“ hervor, das Regiedebüt der französischen Regisseurin Catherine Breillat („Im letzten Sommer“).
Breillat hat ihren Film im Jahr 1976 gedreht – doch erst 1999, also 23 Jahre später, wurde er uraufgeführt. Grund dafür war eine nicht nur für damalige Verhältnisse äußerst freizügige Darstellung von Sexualität. Wie auch in späteren Regiearbeiten (darunter dem skandalumwitterten „Romance“) setzt sich Breillat in dem auf einem eigenen Roman basierenden Coming-of-Age-Drama offen und intensiv mit weiblicher Sexualität auseinander, mit Scham und Begehren, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung. Genau diese Kombination aus schonungsloser Ehrlichkeit und formaler Radikalität war für Stewart wegweisend, als sie „The Chronology Of Water“ in Angriff nahm.
In einem Interview bezeichnete der „Adventureland“-Star den Film als „eine innere Erfahrung“ (via Far Out Magazine). Sie sei es nicht gewohnt, Coming-of-Age-Geschichten zu sehen, die Scham auf eine geradezu feierliche Weise thematisieren. Damit meint sie vermutlich, dass Breillat das sexuelle Erwachen ihrer von Charlotte Alexandra verkörperten Protagonistin und sämtliche damit verbundene Erfahrungen als integralen Bestandteil eines Selbstfindungsprozesses schildert – ohne zu beurteilen oder zu moralisieren. Damit war die „Bilitis“-Drehbuchautorin ihrer Zeit weit voraus.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist Stewart auf ihre „Twilight“-Rolle deutlich weniger positiv zu sprechen. Weshalb sie eigentlich schon nach Teil 1 die Nase voll hatte, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Verdammt noch mal, halt die Fresse!": Kristen Stewart wollte schon nach Teil 1 nichts mehr von "Twilight" wissen