Wer die von Winston Groom verfasste Romanvorlage zu „Forrest Gump“ aus dem Jahr 1986 gelesen hat, weiß: Der 90er-Jahre-Klassiker mit Tom Hanks in der Titelrolle deckt nur einen Teil der verrückten Lebensgeschichte ab. Die Verfilmung orientiert sich lediglich an den ersten elf Kapiteln des Buches – und springt dann direkt zum Ende. Im Buch erlebt Forrest sogar noch weit mehr: Er wird Astronaut, Wrestling-Kämpfer, Schachspieler. Für die Leinwand war das offenbar eine Übertreibung zu viel. Dennoch wurde der Film über den Pralinen-Liebhaber, Shrimp-Fischer und Läufer mit einem IQ von 75, durch dessen Augen wir drei Jahrzehnte der US-amerikanischen Geschichte erleben, zum weltweiten Phänomen.
Übrigens: Hätte sich Regisseur Robert Zemeckis an seine ursprünglichen Besetzungspläne gehalten, dann hätte „Forrest Gump“ völlig anders ausgesehen! Eigentlich sollte nämlich gar nicht Tom Hanks den Titelhelden spielen, sondern John Travolta. Auch Gary Sinise, der als Lieutenant Dan eine kaum minder unvergessliche Performance ablieferte, war nicht die erste Wahl: Vor ihm wurden Joe Pesci oder Kevin Bacon in Betracht gezogen.
Sowohl für Hanks als auch für Sinise war der Film ein echter Glückstreffer: Ersterer erhielt nur ein Jahr nach seinem ersten Oscar-Gewinn seine zweite Goldtrophäe als Bester Hauptdarsteller, während sich Sinise so sehr mit seinem Charakter identifizierte, dass er später sogar eine Band namens The Lieutenant Dan Band gründete. Die Gruppe tourt bis heute durch Militärbasen auf der ganzen Welt und kann inzwischen über 400 Konzerte vorweisen.
Selbsterfüllende Prophezeiung oder geheimer Wink?
Sinise hat in Interviews mehrmals erzählt, dass ihn viele Menschen auf der Straße gar nicht bei seinem richtigen Namen kennen. „Viele nennen mich einfach Lieutenant Dan“, so der heute 70-Jährige (via Sensacine.com). Kein Wunder: Seine Figur spricht einige der denkwürdigsten Sätze im ganzen Film. Etwa, wenn Dan zu Forrest sagt: „Wenn du eines Tages Kapitän eines Shrimp-Bootes wirst, dann bin ich Astronaut.“ Oder wenn Dan seinem Freund bei ihrem späteren Wiedersehen stolz seine neuen Beine zeigt und erklärt: „Titanlegierung. Das ist das, was sie für Raketen benutzen.“
Im Nachhinein wirken gerade diese beiden Zeilen wie eine geheime Anspielung – denn kurze Zeit später wurde Sinise (wie Forrest im Buch) tatsächlich zum Astronauten, zumindest im Kino. Seine nächste Rolle spielte der „CSI: NY“-Star nämlich, erneut an der Seite von Hanks, in Ron Howards Weltraumdrama „Apollo 13“, das auf der wahren Geschichte der gleichnamigen NASA-Mission aus dem Jahr 1970 basierte. Vor diesem Hintergrund mutet die Filmaussage von Lieutenant Dan mindestens wie eine selberfüllende Prophezeiung an.
Regisseur Howard soll von Sinise übrigens so begeistert gewesen sein, dass er ihm die Wahl ließ, für jede Rolle vorzusprechen, die ihn interessierte – was gut illustriert, welch hohen Stand der „Mission To Mars“-Darsteller damals vor allem als Nebendarsteller hatte. Für den Thriller „Kopfgeld – Einer wird bezahlen“ taten sich die beiden nur ein Jahr später erneut zusammen.
Wusstet ihr eigentlich, dass Tom Hanks in „Forrest Gump“ gleich zwei (!) Rollen spielt? Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.
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