"Es war so traumatisch": Marvel-Regisseur teilt gegen seinen "X-Men"-Ableger aus
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Vier Jahre nach dem Start seiner Marvel-Adaption „X-Men: The New Mutants“ macht „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“-Regisseur Josh Boone klar, dass er mit dem Horror-Comicfilm unzufrieden ist und auch nicht in dieses Metier zurückkehren will.

Er markiert einen Wendepunkt im Superheldenkino: Der Mutanten-Horror „X-Men: The New Mutants“ aus dem Jahr 2020 ist der letzte „X-Men“-Film, der vollständig abseits vom Marvel Cinematic Universe angesiedelt ist! Vier Jahre danach schlug der Milliarden-Dollar-Blockbuster „Deadpool & Wolverine“ mit viel Selbstironie und überdeutlichem Meta-Humor eine Brücke zwischen dem einst unter dem Label 20th Century Fox gestarteten Mutanten-Franchise und dem von „Avengers“-Mastermind Kevin Feige überwachten MCU.

Nun, ein Jahr nach „Deadpool & Wolverine“, spricht der „New Mutants“-Regisseur mit neuer Deutlichkeit über seine Erfahrung am Steuer des wenig beachteten Comic-Grusels: Laut Filmemacher Josh Boone waren die Arbeiten an „New Mutants“ derart von Problemen übersät, dass sie einem traumatischen Ereignis ähneln.

X-Men: The New Mutants
X-Men: The New Mutants
Starttermin 26. August 2020 | 1 Std. 33 Min.
Von Josh Boone
Mit Maisie Williams, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton
User-Wertung
2,5
Filmstarts
3,0
Auf Disney+ streamen

"New Mutants" war von unterschiedlichen Visionen geprägt

Nachdem Boone mit der auf dem gleichnamigen Bestseller basierenden Jugendtragödie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ einen stattlichen Erfolg feierte, stellte er sofort die Weichen, um ins Superheldenfach zu wechseln: Ursprünglich schlug er dem „X-Men“-Produzenten Simon Kinberg gemeinsam mit Drehbuchautor Knate Lee eine Trilogie auf Basis der „New Mutants“-Comics vor.

Im Sommer 2017 fiel die erste Klappe für den Auftakt zur potentiellen Trilogie – der Kinostart war zu diesem Zeitpunkt für April 2018 anberaumt. In der Zwischenzeit nahm Boone bereits von seiner anfänglichen Vision Abstand, weil ihm von Studioseite aus signalisiert wurde, er würde auf zu harsche Horror-Akzente setzen. Als allerdings der erste, horrorzentrische Trailer zum Film auf positive Fanresonanz stieß, wurde Boone in Aussicht gestellt, im Zuge von Nachdrehs den eigentlich intendierten Tonfall wieder herstellen zu dürfen.

Diese Reshoots wurden zuerst für September 2018 anberaumt, dann jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt – und dann kam es zur Übernahme der Fox-Studios durch Disney, womit sämtliche Planungen bezüglich „New Mutants“ erneut durcheinander gewirbelt wurden. Schlussendlich verzichtete man auf Nachdrehs und brachte den Mutanten-Horror nach weiteren Verschiebungen 2020 heraus, als die Kinos unter strengen Pandemie-Sicherheitsregelungen wieder öffnen durften.

„Es war so traumatisch“, fasst Boone seine „New Mutants“-Erfahrung nun in einem Interview mit The Direct zusammen. Weiter ringt er mit Worten: „Das Studio wurde während des Drehs verkauft, dann hat uns die Pandemie erwischt, als der Film erscheinen sollte. [...] Ich hatte eine wundervolle Zeit. Ich liebe den Cast so sehr, aber den Film zu machen war... Es hat mich so viele Jahre gekostet und war, schlussendlich, so unbefriedigend!“

Boone schließt eine Marvel-Rückkehr aus

Auf die Frage, ob Boone sich eine Rückkehr in die Welt der Marvel-Mutanten vorstellen könnte, gab der Regisseur konsequenterweise eine klare Antwort: „Wir konnten nicht den Film machen, den wir machen wollten. Wir haben bloß die Hälfte dessen gemacht! Und dann wurde die Veröffentlichung auch noch durch die Pandemie enorm beeinträchtigt“, so Boone. Er kommt zum Schluss: „Um ehrlich zu sein: Ich würde es lieber nicht noch einmal machen!“

Zwar hat „New Mutants“ Boone von der „X-Men“-Thematik abgebracht, nicht aber vom Filmemachen generell: Nach dem Superhelden-Horror mit Maisie Williams, Anya Taylor-Joy und Charlie Heaton kehrte der Regisseur zum Metier tragisch-romantischer Geschichten über junge Menschen zurück. Denn sein neuster Film ist das Romantikdrama „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ mit „Ghostbusters: Legacy“-Star Mckenna Grace als Jugendliche, die erstmals ernsthaft verliebt ist, jedoch auch einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten muss.

„All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ läuft ab sofort in vielen deutschen Kinos, und hier könnt ihr euch auf die Bestseller-Verfilmung einstimmen:

Nach "Nur ein einziges Mal" kommt "All das Ungesagte zwischen uns": Deutscher Trailer zur Bestseller-Verfilmung
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