Am Sonntag, den 30. November 2025 war es so weit: Quentin Tarantino veröffentlichte ein „Kill Bill“-Kapitel, auf welches ich schon seit über 22 Jahren warte: „Yuki's Revenge“, also „Yukis Rache“, war Teil des von mir verschlungenen Originaldrehbuchs zum epischen Action-Zweiteiler, aber der einzige größere Bestandteil des originalen Skripts, der nicht im Film landete. Wie Tarantino jetzt verriet, sei die Action einfach zu abgefahren gewesen, um sie damals umzusetzen.
Über zwei Jahrzehnte später hatte er nun aber die Gelegenheit – dank des Videospiels „Fortnite“. Mit der dem Videospiel zugrunde liegenden Unreal Engine animierte er jetzt die damalige Szene. Nach einer Kino-Premiere in Los Angeles konnte das Publikum am gestrigen Sonntag ab 20.00 Uhr deutscher Zeit den Film exklusiv in „Fortnite“ anschauen.
Erst mal "Fortnite" installiert ...
Ich hatte bislang keiner Berührungspunkte mit dem Survival-Shooter. Eigentlich kenne ich das Spiel nur dem Namen nach. Also musste ich es erst einmal installieren, einen Avatar erstellen und dann war ich die empfohlene halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn in der Welt des Spiels.
Dort überraschte mich erst einmal das Setting. Ein riesiges Kino erwartete mich. Davor war der rote Teppich wie bei einer typischen Filmpremiere. Es gab Möglichkeiten, um für Fotos zu posen sowie sich mit kleinen Mini-Games die Zeit zu vertreiben. Im Kino konnte man sich unter anderem Popcorn machen und dann natürlich begierig vor den großen Türen warten, die um 20.00 Uhr dann öffneten. Hinein ging es in den riesigen Saal, wo auf der Leinwand dann direkt der Film startete...
Darum geht es in "Yukis Rache"
Wie im originalen Drehbuch schließt „Yukis Rache“ direkt an das Kapitel „Showdown im Haus der Blauen Blätter“ an, also nachdem die Braut (hier erneut gesprochen von Uma Thurman) O-Ren Ishii besiegt hat. Bekanntlich tötete sie dabei auch Schulmädchen-Killerin Gogo Yubari. Deren Schwester Yuki (gesprochen von Newcomerin Miyu Ishidate Roberts) ist auf Rache aus.
Bill (jetzt gesprochen von Tarantino persönlich) verrät ihr, wo sie die Braut finden wird: bei ihrem nächsten Opfer Vernita Green in Pasadena, Kalifornien. Also macht sich Yuki auf den Weg und bald entbrennt in der US-Vorstadt ein epischer Kampf...
Super Action & das alte "Kill Bill"-Gefühl
Das Kapitel „Yukis Rache“ begeistert im Drehbuch vor allem mit zwei Dingen: der Interaktion der beiden Hauptfiguren sowie der wirklich abgefahrenen Action. Beides hat Quentin Tarantino zu einhundert Prozent in seinen Kurzfilm mitgenommen. Der Schlagabtausch zwischen den Kontrahentinnen entwickelt auch dank Uma Thurmans Rückkehr sofort wieder das alte „Kill Bill“-Gefühl. Es fühlt sich wie ein Teil des Zweiteilers an.
Auch das Vorgeplänkel in Form eines Sightseeing-Trips, den Yuki erst einmal durch Hollywood (oder hier nun Battlewood) macht, hat den bekannten Humor und ergänzt sich wunderbar mit dem per Split-Screen gleichzeitig zu sehenden Abenteuer der Braut. Die Action profitiert mit ihren explosiven Anteilen stark von der Animation und man versteht, warum Tarantino Probleme hatte, das damals als Live-Action-Passage einzubauen.
Epic Games
Dass es jetzt im Spiel „Fortnite“ angesiedelt ist, schadet der Stimmung überhaupt nicht – auch wenn nicht alle Animationen erstklassig ist. Die Verbindung zum Videospiel sieht man vor allem bei den (auch im originalen Drehbuch) stummen Nebenfiguren. Diese tragen allesamt beliebte Kostüme aus dem Spiel, was mich beim ersten Einsatz kurz die Stirn runzeln ließ, dann aber doch zunehmend passte. Im Gros der Szenen verleiht das gerade hier genutzte Outfit dem Ganzen noch mal eine zusätzliche Humor-Ebene. Da gibt es dann zum Beispiel eine riesige Banane, die bewaffnet mit einer Shotgun einschreiten will, dann aber wieder enttäuscht von dannen zieht, als die Braut sie zurück in ihr Haus schickt.
Im originalen Drehbuch ist die Szene deutlich weniger witzig. Da wird zwar auch erwähnt, dass jemand aus seiner Tür herausschaut und von der Braut angebrüllt wird, wieder hineinzugehen, doch das war es. Wie Tarantino die Szene vor über 22 Jahren visualisiert hätte, wissen wir nicht. Wie er es jetzt inszeniert hat, ist gelungen.
Tarantino als Sprecher hätte es nicht gebraucht
Allerdings hat Tarantino auch Änderungen gegenüber seinem originalen Drehbuch vorgenommen. Nur Hardcore-Fans wie mich dürfte es aber ein ganz klein wenig enttäuschen, dass die Szene früher endet. Im Skript kontaktiert die Braut im Anschluss an den Kampf mit Yuki noch eine Krankenschwester, um sich dann verarzten zu lassen. Auch wenn die klare Ansagen machende Nurse Owens zum echten Fanliebling wurde, obwohl sie nie zu sehen war, ist es verständlich, dass Tarantino jetzt auf diesen Teil verzichtet hat. Es wären noch mal mehrere Minuten gewesen, die nur von Dialog gelebt hätten. Es hätte die vorherige Action-Sause massiv entschleunigt und als zweite Hälfte des Kurzfilms nicht so funktioniert, wie mitten in einem Langfilm.
Gestört hat mich dagegen der Anfang. Tarantino leitet die Szene mit einem Prolog ein, in welchem Bill Yuki auf die Spur der Braut schickt und ihr zudem eine Droge gibt, die übermenschliche Kräfte verleiht. Diese Szene gibt es samt der Droge (nur dort als Pulver statt wie hier als Flüssigkeit) in ähnlicher Form auch im originalen Drehbuch. Sie ist da nur Teil des vorherigen Kapitels.
Epic Games
Hier gibt sie jetzt als Einstieg einem mit den Originalfilmen nicht mehr ganz vertrauten Publikum noch einmal Kontext. Was ist bisher passiert, was wird passieren? So hat es aber etwas von einer reinen Erklärbär-Passage mit eher lahmem Dialog und wenigen visuellen Ideen. Dass Tarantino selbst für den 2009 verstorbenen David Carradine Bill spricht, ist auch keine gute Idee gewesen. Womöglich wollte er den Weggefährten damit ehren, aber der Performance fehlt absolut jedes Charisma. Tarantinos Stimme passt null und ist sogar ein Störfaktor. Dass der Regisseur den Part selbst spricht, verstärkt sogar die Wirkung als reine Exposition.
Wie kann ich "Yukis Rache" jetzt noch schauen?
Für alle, die nicht gemeinsam mit mir gestern um Punkt 20.00 Uhr zur Premiere im „Fortnite“-Kino Platz genommen haben, gibt es eine gute Nachricht. Ihr könnte „Yukis Rache“ weiter exklusiv in „Fortnite“ schauen. Dazu müsst ihr das übrigens kostenlose Videospiel nur installieren und euch einen Account anlegen (und dabei alle Optionen für kostenpflichtige Extras ignorieren).
Danach findet ihr direkt im Hauptmenü den Punkt „Entdecken“, oder in der englischen Fassung des Spiels „Discover“. Dort seht ihr dann aktuell auch direkt „Yukis Rache“ bzw. „Yuki‛s Revenge“. Es ist übrigens egal, in welcher Sprachfassung des Spiels ihr unterwegs seid, der Film wird immer im Original mit den Stimmen von Thurman, Tarantino und Roberts gezeigt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus englischen und japanischen Passagen. Solltet ihr in der deutschen Version des Spiels sein, gibt es aber deutsche Untertitel.
Zum Abschluss haben wir noch den Teaser-Trailer zum Film für euch:
P.S.: Auch wenn „Yukis Rache“ von Quentin Tarantino persönlich inszeniert wird, gilt er nicht als sein 10. und dann letzter Film. Dafür zählt er nur Kinofilme – und den „Kill Bill“-Zweiteiler zählt er sogar als nur einen Film. Der kommt in Kürze auch endlich als Gesamt-Werk in die Kinos – zumindest in den USA und Großbritannien. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:
Quentin Tarantino veröffentlicht endlich das 4-Stunden-Epos, auf das wir seit Jahren warten – jetzt gibt's den Trailer