Quentin Tarantino enthüllt "die besten Filme des 21. Jahrhunderts" – das sind die Plätze 11-20!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Bei einem Podcast-Auftritt hat Quentin Tarantino seine 20 liebsten Filme des aktuellen Jahrhunderts enthüllt – oder zumindest eine Hälfte davon. Erfahrt hier, um welche Titel es geht – und warum er bei "Die Passion Christi" Tränen gelacht hat.

Sony Pictures

Quentin Tarantino ist natürlich der Kult-Regisseur hinter „Pulp Fiction“, „Kill Bill“ oder „Once Upon A Time... In Hollywood“ – doch fast genauso bekannt wie für seine Regiearbeiten ist der 62-Jährige dafür, seiner Leidenschaft für das Kino ungebremst und mit geradezu überschäumendem Enthusiasmus freien Lauf zu lassen. Ob in Interviews, in Podcasts oder Büchern: Tarantino lässt kaum eine Gelegenheit aus, um über seine Favoriten aus der Kinogeschichte zu schwärmen oder Filme zu empfehlen, die ihn ganz aktuell begeistert haben.

Bei einem Auftritt im Podcast von Bret Easton Ellis war es mal wieder so weit: Als es im Gespräch mit dem „American Psycho“-Autor um die bisher besten Filme des aktuellen Jahrhunderts ging, griff Tarantino kurzerhand zu einem Stift und improvisierte eine Liste. Einzige Regel: Pro Regisseur ist nur ein Film erlaubt.

Bisher hat der „Django Unchained“-Schöpfer allerdings nur die hintere Hälfte seines Rankings verraten – die Top 10 soll in den nächsten Tagen folgen. So viel sei vorausgeschickt: In seiner Aufzählung befindet sich neben den üblichen Verdächtigen auch die eine oder andere Überraschung – insgesamt liest sich die Liste jedenfalls genau so eklektisch, wie man es von dem seit jeher vielseitig begeisterten Regisseur erwarten würde. Doch nun wollen wir euch nicht länger auf die Folter spannen – das sind die Plätze 11-20 von Quentin Tarantinos „besten Filmen des 21. Jahrhunderts“:

20. "West Side Story" (2021, Steven Spielberg)

Vor vier Jahren erfüllte sich Steven Spielberg den lang gehegten Traum, ein Musical zu inszenieren – mit einer Neuauflage des bereits 1961 zum Leinwand-Klassiker gewordenen Bühnen-Musicals von Stephen Sondheim und Leonard Bernstein. Seine Version von „West Side Story“ floppte an den Kinokassen, aber wer den Film gesehen hat, erlebte den Altmeister so energiegeladen wie schon lange nicht mehr. Das sieht auch Tarantino so:

„Hier zeigt Steven, dass er es noch draufhat“, so der zweifache Oscar-Gewinner. „Ich glaube nicht, dass [Martin] Scorsese in diesem Jahrhundert einen so aufregenden Film gemacht hat. Spielberg wurde dadurch regelrecht revitalisiert […] Ich konnte nicht glauben, dass mir der Hauptdarsteller [Ansel Elgort] gefiel, denn ansonsten mochte ich ihn in nichts.“ Der Autor dieser Zeilen liebt den Film ebenfalls sehr, muss allerdings zugeben, dass er Elgort für die große Schwachstelle hält...

19. "Cabin Fever" (2002, Eli Roth)

Quentin Tarantino und Eli Roth sind schon lange gute Kumpels – so hat Tarantino den berüchtigten „Hostel“ mitproduziert, während Roth einen kurzen Film-im-Film zu „Inglourious Basterds“ beisteuerte und auch die Rolle des Sgt. Donny Donowitz alias „Der Bärenjude“ übernahm. So überrascht es wenig, dass sich mit dem Virus-Schocker „Cabin Fever“ auch ein Film von Eli Roth in dieser Liste befindet. Tarantino erklärt seine Begeisterung mit folgenden Worten:

„Der Film hat etwas so Charmantes. Elis Humor, sein Gespür für Gore – das funktioniert einfach richtig gut. Viele vergessen, wie angespannt die erste Hälfte ist, weil die letzten 20 Minuten so unglaublich lustig sind. […] Vielleicht ist ‚Hostel‘ sein bester Film, aber ‚Cabin Fever‘ ist mein Favorit.“

18. "Die Kunst zu gewinnen – Moneyball" (2011, Bennett Miller)

„Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ ist ein Baseball-Film, der fast ausschließlich außerhalb des Spielfeldes stattfindet – im Vordergrund stehen die Strategie, die Zahlenanalyse und die Entscheidungen hinter den Kulissen. In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es dafür stolze 4,5 von 5 Sternen, und auch Tarantino hat das dialoglastige Konzept überzeugt – vor allem wegen des ihm gut bekannten Hauptdarstellers:

Brad Pitts Leistung gehört zu meinen liebsten Star-Performances der letzten 20 Jahre – ein Filmstar, der dir zeigt, warum er ein Filmstar ist, und der den ganzen Film auf seinen Schultern trägt.“

17. "Chocolate – ...süß und tödlich" (2008, Prachya Pinkaew)

Tarantino leitet seine Ausführungen zu „Chocolate“ mit den Worten ein, nun komme er zu einem „Film, von dem ihr wahrgenommen nie gehört habt.“ Das mag sein – doch entdeckt man dann, dass es sich bei dem von „Ong-Bak“-Macher Prachya Pinkaew inszenierten Film um ein thailändisches Martial-Arts-Spektakel handelt, ergibt direkt alles einen Sinn: „Menschen werden auf die spektakulärste Weise verprügelt“, erklärt Tarantino. „Sie haben dieses 12-jährige Mädchen vier Jahre trainiert, damit sie die Hauptrolle spielen kann. […] [Der Film enthält] einige der besten Kung-Fu-Kämpfe, die ich je im Kino gesehen habe.“

Chocolate - ...süß und tödlich
Chocolate - ...süß und tödlich
Starttermin 6. November 2008 | 1 Std. 50 Min.
Von Prachya Pinkaew
Mit Jeeja Yanin, Hiroshi Abe, Taphon Phopwandee
User-Wertung
3,6
Filmstarts
2,5

16. "The Devil's Reject's" (2005, Rob Zombie)

Mit „The Devil's Rejects“ drehte Rob Zombie eine (sehr) lose Fortsetzung zu „Haus der 1000 Leichen“ – und Tarantino sieht in dem blutigen Backwoods-Film eine Übertragung der Ästhetik des 70er-Jahre-Regie-Outlaws Sam Peckinpah („The Wild Bunch“) auf das Horror-Genre. „Dieses raue Peckinpah-Cowboy-Manson-Ding [von Zombie] – diese Stimme gab es vorher nicht, auch nicht in ‚Haus der 1000 Leichen‘, und hier hat er sie ausgearbeitet. […] Peckinpah war vor diesem Film im Horror nicht präsent. Zombie hat ihn mit kranken Hinterwäldlern verschmolzen – und daraus ist inzwischen ein echtes Ding geworden. […] Vorher existierte das nicht.“

15. "Die Passion Christi" (2004, Mel Gibson)

„Die Passion Christi“ war mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 612 Millionen US-Dollar einer DER Überraschungserfolge des Jahres 2004 – und aufgrund seiner extremen Gewaltdarstellung, diverser religiöser Kontroversen und der Antisemitismus-Vorwürfe gegen Regisseur Mel Gibson auch ein handfester Skandalfilm. Tarantino allerdings hatte seinen Spaß mit dem katholischen Folter-Parcours.

„Ich habe im Film viel gelacht“, erzählt der „Death Proof“-Macher. „Nicht, weil wir pervers sein wollten und darüber lachen, wie Jesus zugerichtet wird – extreme Gewalt ist für mich einfach lustig. Und wenn man weit über jedes Maß hinausgeht, wird es nur noch komischer. Wir haben nur gestöhnt und gelacht darüber, wie völlig abgefahren das war. […] Mel hat einen unglaublichen Job als Regisseur gemacht. Er hat mich komplett in diese Zeit hineinversetzt. Ich habe mit Mel Gibson darüber gesprochen und er sah mich an, als wäre ich völlig irre.“

14. "School Of Rock" (2003, Richard Linklater)

Nach blutigen Kloppereien, entstellenden Viren, mordenden Hillbillys und durch Körperteile getriebenen Nägeln zur Abwechslung mal was Entspanntes: Erst in diesem Jahr zeigte sich Tarantino extrem angetan von „Nouvelle Vague“, dem im kommenden März auch hierzulande startenden jüngsten Film von Richard Linklater (mehr dazu hier) – und auch eine Kult-Komödie des „Before Sunrise“-Regisseurs zählt zu seinen Favoriten. So bezeichnet er den endgültigen Durchbruchsfilm von Jack Black als „richtig spaßiges Kinoerlebnis“ und eine „wirklich runde, fröhliche Angelegenheit.“

13. "Jackass – Der Film" (2003, Jeff Tremaine)

Nun tut es direkt wieder weh – und wie! Tarantino hat nie einen Hehl daraus gemacht, welchen Einfluss die masochistische MTV-Show von Johnny Knoxville & Co. auf ihn ausgeübt hat. Und so hat es auch der erste „Jackass“-Kinofilm in seine Liste geschafft. „Das war der Film, bei dem ich in den letzten 20 Jahren am meisten gelacht habe“, so der ehemalige Videothekar. „Ich erinnere mich nicht, seit Richard Pryor je wieder von Anfang bis Ende so gelacht zu haben. […] Als ich ‚Kill Bill‘ drehte, fand ich den Film so verdammt lustig, dass ich ihn der ganzen Crew zeigen musste. Also besorgten wir eine Kopie, sahen ihn gemeinsam – und sind einfach gestorben vor Lachen.“

12. "Big Bad Wolves" (2013, Aharon Keshales & Navot Papushado)

Ein mutmaßlicher Kindermörder wird von einem Polizisten und dem Vater eines Opfers entführt und gefoltert: Das ist die simple Prämisse des israelischen Horrorthrillers „Big Bad Wolves“, den Tarantino bereits 2013 zum „Film des Jahres“ erklärte. Damals bezeichnete er ihn als „Märchen für Erwachsene“, gegenüber Bret Easton Ellis zog er einen anderen Vergleich: „Das Drehbuch ist fantastisch, und die Handlung ähnelt ‚Prisoners‘ […], aber sie gehen viel kompromissloser damit um […] – so würde ein amerikanischer Film das nie machen.“

11. "Battle Royale" (2000, Kinji Fukasaku)

Zu guter Letzt ein alter Bekannter, über den sich Tarantino schon bei vielen Gelegenheiten ausgelassen hat – wir haben bereits darüber berichtet. Und auch diesmal konnte es sich der zweifache Kinobesitzer nicht verkneifen, einen gewissen Young-Adult-Bestseller und dessen weltweit erfolgreiche Verfilmung zum „Battle Royale“-Plagiat zu erklären:

„Ich verstehe nicht, wie der japanische Autor [von ‚Battle Royale‘] nicht gegen [‚Die Tribute von Panem‘-Autorin] Suzanne Collins klagen konnte – auf alles, was sie besitzt. Die haben das verdammte Buch einfach nur geklaut. Dumme Literaturkritiker gehen natürlich nicht in einen japanischen Film namens ‚Battle Royale‘, also haben sie das Thema nie angesprochen – stattdessen lobten sie ihr Buch als das originellste, was sie je gelesen hätten. Als die Filmkritiker den Film sahen, meinten sie nur: ‚Was zum Teufel, das ist ‚Battle Royale‘ – nur in jugendfrei!‘“

Das lassen wir an dieser Stelle einfach mal so stehen – auch wenn wir durchaus in Zweifel ziehen möchten, dass „Die Tribute von Panem“ damals tatsächlich von irgendeinem Literaturkritiker zum originellsten Buch aller Zeiten ernannt wurde. Bis Tarantino die ersten zehn Plätze seines Rankings enthüllt, haben wir hier jedenfalls weiteren Lesestoff für euch:

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