Die Chancen stehen gar nicht mal schlecht, dass die 2010er-Jahre später einmal auch als das Jahrzehnt der miserablen Superhelden- und Sci-Fi-Remakes in die Filmgeschichte eingehen werden. So gab es in jenen Genres damals überraschend viele schlechte Neuverfilmungen und Reboots, von denen einige bis heute – zurecht – völlig in Vergessenheit geraten sind. Vom radikal gescheiterten „Fantastic Four“-Neustart über die blassen „Terminator“-Ableger „Genisys“ und „Dark Fate“ bis hin zum Box-Office-Flop „RoboCop“.
Als eines der umstrittensten Remakes jener Tage gilt Len Wisemans Version des Sci-Fi-Klassikers „Total Recall“. Paul Verhoeven inszenierte das Original 1990, das zu einem der besten Filme in der Karriere von Arnold Schwarzenegger wurde.
Die modernisierte Neuinterpretation von 2012 über einen gelangweilten Fabrikarbeiter, der sich Erinnerungen an ein Leben als Geheimagent einpflanzen lassen möchte, erlitt jedoch Schiffbruch an den Kassen und enttäuschte die Kritiker. Und womöglich hätte der Film fast auch noch die Laufbahn einer erfolgreichen Jung-Schauspielerin ins Stocken gebracht – deren Karriere stattdessen mit einem der gewaltigsten Popcorn-Blockbuster der Filmgeschichte in völlig andere Sphären abhob.
Weltruhm als Tötungsmaschine Black Widow
So sollte Scarlett Johansson in „Total Recall“ ursprünglich die Rolle der Melina spielen, die Frau aus den Träumen von Hauptcharakter Douglas Quaid / Hauser (Colin Farrell). 2010, als Johansson die Rolle angeboten wurde, war die damals 26-Jährige längst in Hollywood etabliert.
Ihre Karriere begann sie mit Nebenrollen in den mittleren 1990er-Jahren, 1998 folgte der weltweite Durchbruch an der Seite von Robert Redford im Neo-Western-Drama „Der Pferdeflüsterer“. In der darauffolgenden Dekade bewies die zweifach Oscar-nominierte Darstellerin („Marriage Story“, „Jojo Rabbit“) ihr Talent sowohl in anspruchsvollen Dramen und Kritikerlieblingen („Match Point“) als auch in Mainstream-Produktionen für die Massen („Die Insel“, „Iron Man 2“). „Iron Man 2“ (2010) war auch jener Film, in dem Johansson zum ersten Mal als Superheldin Natasha Romanoff / Black Widow auftrat. Ihre Darbietung der Nahkampf-erprobten Ex-KGB-Spionin und Waffenexpertin überzeugte vollends – und Johansson stieß schließlich zur größten Superhelden-Truppe aller Zeiten, den „Avengers“.
Die Dreharbeiten zu „Marvel's The Avengers“ (2012), der mit einem Einspielergebnis von 1,5 Milliarden Dollar bis heute zu den größten Kassenerfolgen aller Zeiten zählt, begannen im April 2011. Zu dumm für die „Total Recall“-Macher: Da der Drehstart für das Sci-Fi-Remake für Mai 2011 angesetzt war, konnte Johansson aufgrund ihrer „Avengers“-Verpflichtungen nicht zusagen. Die Rolle der Melina ging schließlich an Jessica Biel („Elizabethtown“), die für ihre Leistung gar für den Negativpreis Goldene Himbeere nominiert wurde.
Fluch oder Segen? Ganz klar Segen!
Im Nachgang erwies sich die „Total Recall“-Absage für Johansson als Segen. Statt in einer weiteren unnötigen, qualitativ maximal mittelprächtigen Neuverfilmung eines Klassikers mitzuwirken, der noch dazu an den Kassen floppte (der Film spielte nicht einmal 200 Millionen Dollar ein), ging es für die Schauspielerin in der Traumfabrik weiter ungebremst auf der Karriereleiter nach oben. Denn durch die Mitwirkung in Marvels Superhelden-Crossover stieg Johansson zu den weltweit bekanntesten, kassenträchtigsten Stars auf – und zu einer der bestbezahlten Frauen in Hollywoods A-Liga.
Wenn ihr dagegen wissen wollt, welche Rollen Johansson bis heute bereut (und warum), dann lest auch den nachfolgenden Artikel:
"Ich hatte das Gefühl, dass meine Karriere vorbei war": Scarlett Johansson bereut es, bestimmte Rollen gespielt zu haben