"Aus einem Traum wurde ein richtiges Desaster": Der einzige Film der "Stranger Things"-Macher hätte den Netflix-Hit fast verhindert!
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

Die Duffer-Brüder stiegen mit ihrem Netflix-Hit „Stranger Things“ blitzschnell zu Regie-Superstars auf. Davor fielen sie mit ihrem ersten Film aber erst einmal richtig auf die Nase – und standen kurz vorm frühen Karriereende.

Neben Serien-Hits wie „Wednesday“ und „Squid Game“ hat vor allem „Stranger Things“ dazu beigetragen, dass der Streaming-Gigant Netflix mittlerweile zu einem der einflussreichsten Studios Hollywoods aufgestiegen ist. Die als ‚Duffer-Brüder‘ bekannten Schöpfer von „Stranger Things“ hatten derartige Erfolge aber nicht immer zu feiern. Nur ein Jahr vor dem Start ihrer beliebten Sci-Fi-Mystery-Serie veröffentlichte das Regie-Duo nämlich ihren Debütfilm „Hidden - Die Angst holt dich ein“ – und im Gegensatz zu „Stranger Things“ war dieser nicht nur ein finanzieller Flop, sondern auch hinter den Kulissen ein Desaster.

Dabei hat der Film neben einer spannenden Prämisse auch einen beachtlichen Cast zu bieten: Alexander Skarsgård („The Northman“) und Andrea Riseborough („Mandy“) spielen hier ein Paar, das sich gemeinsam mit ihrer Tochter in einem Bunker unter der Erde versteckt, nachdem ein rätselhafter Vorfall die Welt in apokalyptische Zustände versetzt hat. Lange Zeit ungestört, wird die Familie jetzt von einem furchterregenden Wesen heimgesucht, das über der Erdoberfläche auf sie lauert...

Hidden - Die Angst holt dich ein
Hidden - Die Angst holt dich ein
Starttermin 5. November 2015 | 1 Std. 23 Min.
Von Matt Duffer, Ross Duffer
Mit Alexander Skarsgård, Andrea Riseborough, Emily Alyn Lind
User-Wertung
3,2

Bei einem Projekt, das so vielversprechend klingt, stellt man sich natürlich die Frage, wie es so kläglich scheitern konnte. In einem Interview mit The LAist erzählten die Duffer-Brüder von der nervenaufreibenden Produktion von „Hidden“ – die aber erst einmal viel zu gut anfing, um wahr zu sein.

Die Produktion von "Hidden" begann wie ein Märchen ...

Was man über die Duffer-Brüder unbedingt wissen sollte: Auch wenn die beiden nun schon seit knapp zehn Jahren im Seriengeschäft tätig sind, hat ihr Herz eigentlich immer für Filme geschlagen. Bereits als Grundschüler drehten sie in den Sommerferien immer Videos auf ihrem Camcorder, die an die Lieblingsfilme und -spiele ihrer Kindheit angelehnt waren – womit sie eigentlich schon damals genau das vorwegnahmen, was auch „Stranger Things“ später auszeichnete.

An der Filmschule drehten die unzertrennlichen Zwillinge weiterhin Kurzfilme zusammen, und verfassten während dieser Zeit auch das Drehbuch zu „Hidden“. Nur kurze Zeit nach dem Abschluss ihres Studiums rissen sich dann auch schon die großen Hollywood Studios um eben jenes Drehbuch, wobei sich schließlich Warner Bros. die Rechte daran sichern konnte – bis hier hin also der wahr gewordene Traum eines jeden aufstrebenden Filmemachers.

Doch dieser schnelle Karriereschub war auch ein bisschen überfordernd für die damals noch jungen Regisseure: „Es fühlte sich an, als wären wir von der Arbeitslosigkeit direkt [in die Serie] „Entourage“ gerutscht.“, erinnerte sich Ross Duffer. Und wer „Entourage“ gesehen hat - eine Serie, die vom rasanten Aufstieg in Hollywood handelt – der weiß, dass dies auch immer mit einem tiefen Fall verbunden sein kann.

... und verwandelte sich schnell in einen Alptraum!

Nach dem anfänglichen Höhenflug taten sich die unerfahrenen Filmemacher äußerst schwer in der großen Hollywood-Maschinerie. Matt Duffer kann sich insbesondere noch daran erinnern, wie viel Stress die beiden während der Produktion ausgesetzt waren: „Studiochefs schrien uns an, es war verrückt. Wir waren 26, und fragten uns nur: ‚Was?‘“.

Als „Hidden“ dann auch noch mit einem vernichtend geringen Einspielergebnis von 300.000 Dollar an der Kinokasse scheiterte, waren die Duffer-Brüder verständlicherweise am Boden zerstört, und fragten sich, ob sie überhaupt jemals wieder im Filmgeschäft Fuß fassen würden. „Wir wussten nicht, was zur Hölle wir sonst mit unserem Leben anfangen sollten. [Filme machen] war das einzige, das wir wirklich beherrschten“, so Ross. „Aus einem Traum wurde letztlich ein richtiges Desaster“.

Im Nachhinein erkannten die Zwillinge aber auch das Positive an dieser schlechten Erfahrung. Denn erst dadurch haben die beiden erwägt, ihre Geschichten vom Kino ins Fernsehen zu verfrachten: „Rückblickend haben wir diesen Tiefpunkt zu unserem Vorteil genutzt. Ich glaube nicht, dass „Stranger Things“ sonst möglich gewesen wäre […]. Vielleicht haben wir einfach an der falschen Stelle gesucht, um die Geschichten zu erzählen, die wir tatsächlich erzählen wollen“.

Zu schämen brauchen sich die Duffer-Brüder aber ohnehin nicht für ihr Regie-Debüt, das trotz Misserfolg ziemlich gute Kritiken erhalten hat und vor allem für die gleichermaßen sparsame als auch effektive Inszenierung des Monsters gelobt wird. Als Geheimtipp ist „Hidden“ damit allemal zu empfehlen:

Daher ist es umso erfreulicher zu hören, dass die Duffer-Brüder ihrer Liebe zum Kino niemals abgeschworen haben – und nach dem Ende von „Stranger Things“ endlich wieder dahin zurückkehren werden. Für das Studio Paramount wird sich das Regie-Duo in Zukunft nämlich wieder auf die Produktion von Filmen konzentrieren, und nach all der Erfahrung, welche die beiden im vergangen Jahrzehnt gesammelt haben, sollte diesmal auch nichts dabei schiefgehen.

Übrigens: Obwohl „Stranger Things“ von seinen übernatürlichen Elementen lebt, greifen die Duffer-Brüder mit ihrer Serie auch Geschichten aus dem wahren Leben auf. Welche unheimlichen und realen (!) Regierungsexperimente gar nicht so weit entfernt von denen in Hawkins sind, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Basiert "Stranger Things" auf einer wahren Geschichte? Das sind die realen Inspirationen für den Netflix-Hit

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