Ab den mittleren 1970er-Jahren bis weit in die 1980er hinein erlebte ein (Sub-)Genre eine Blütezeit, das viele heute gar nicht mehr auf dem Schirm haben: der Söldnerfilm. Die dazu zählenden Produktionen sind vom Kriegs-, Abenteuer- und Exploitationfilm inspiriert und erzählen meist von moralisch verrohten, gebrochenen Männern, die blutige Aufträge annehmen und auf eigenes Risiko arbeiten. Im „Feindesland“, auffällig häufig in einem afrikanischen oder asiatischen Staat, müssen sie brutale Diktatoren stürzen, Geiseln retten oder gefangen genommene Politiker befreien.
Mit letztgenanntem Auftrag wird auch eine Gruppe kriegserfahrener Haudegen in „Die Wildgänse kommen“ betraut. Der 1978 veröffentlichte Klassiker ist DER Prototyp eines Söldnerfilms – und entwickelte sich in jenem Jahr zu einem der größten Kino-Kassenhits hierzulande. Wieso der Film zu solch einem Straßenfeger wurde, erfahrt ihr hier.
Platz 6 der meistgesehenen Filme
„50 stahlharte Söldner, sie fliegen wie die Vögel, sie kämpfen wie Schakale – Töten ist ihr Geschäft“. Das klingt nach dem Slogan für einen zweitklassigen B-Movie und billig produzierten Direct-to-Video-Streifen. Tatsächlich bewarben die Macher mit diesem unfreiwillig komischen Werbespruch „Die Wildgänse kommen“ des britisch-amerikanischen Regisseurs Andrew V. McLaglen. Mit Erfolg: 3,9 Millionen Zuschauer wollten den Film in Deutschland sehen. Das bedeutete Platz sechs in der Rangliste der meistgesehenen Produktionen des Jahres – knapp hinter dem Disco-Knüller „Nur Samstag Nacht“ mit John Travolta. Doch was machte den gewaltigen Erfolg aus?
Da war zunächst einmal die erlesene Riege damaliger Hollywoodstars, die McLaglen, ein ausgewiesener Experte für Western und Kriegsfilme, vor der Kamera versammelte. Sie alle waren populäre, gestandene Schauspieler – genau das machte für viele Zuschauer den Reiz aus. Jenen reiferen und leicht ergrauten, Kriegs- und Actionfilm-erprobten Alt-Stars (Richard Burton, Richard Harris, der damalige James-Bond-Darsteller Roger Moore u.a.) bei ihrer spannenden, „unmöglichen“ Mission zuzusehen, war ein Grund für die durchschlagende Akzeptanz beim Publikum. Hinzu kommen McLaglens knochentrockene, straffe Erzählweise und die ebenso geradlinige wie bleihaltige Inszenierung.
Action-Liebhaber bekommen Nahkämpfe, Gefechte und Schießereien sowie eine waghalsige Mission geboten, zu der gefährliche Fallschirmsprünge genauso dazu gehören wie mehrere rasante Verfolgungsjagden und ein explosives, blutgetränktes Finale. „Die Wildgänse kommen“ ist simpel und fesselnd – und das schätzen Fans des Films bis heute an der kurzweiligen Söldner-Action. Die 1985 nachgelieferte Fortsetzung „Wildgänse II“ blieb allerdings sowohl künstlerisch als auch kommerziell weit hinter seinem Vorgänger zurück.
Kompromisslos und vielfach in Vergessenheit geraten. Diese Beschreibung trifft ebenso auf ein 1993 veröffentlichtes Werk zu, in dessen Mittelpunkt ein junger Gitarrist steht, der unfreiwillig zur (musizierenden) Killermaschine mutiert. Hier erfahrt ihr, um welchen Film des späteren „Sin City“- und „Spy Kids“-Machers es geht:
Diesen bleihaltigen Actionfilm eines Kult-Regisseurs kennt heute fast niemand mehr – völlig zu Unrecht!