Jeder fängt mal klein an – das gilt natürlich auch für Filmschaffende. Es ist die Ausnahme, dass Regisseure mit ihrem Erstlingswerk gleich einen durchschlagenden (finanziellen) Erfolg verzeichnen oder einen Klassiker für die Ewigkeit schaffen. Dennoch: So manch ein Frühwerk später höchst erfolgreicher Regisseure genießt heute unter Filmfans absoluten Kultstatus! Dazu zählt der Einstand der späteren „Matrix“-Macher Lily und Lana Wachowksi mit ihrem abgefahrenen Erotik-Thriller „Bound – Gefesselt“. Ebenso gelangen David Lynch mit dem verstörenden „Eraserhead“ und Guy Ritchie mit „Bube Dame König GrAs“ beachtliche Debüts, genau wie natürlich Orson Welles, dessen „Citizen Kane“ auf vielen Listen mit den besten Filmen aller Zeiten lange ganz oben stand.
Die Filme ließen die Tonalität, die Kernthemen und den Stil der Regisseure bereits klar erkennen. So verhält es sich ebenso bei Robert Rodriguez und dessen Debüt. Der Filmemacher und enge Freund von Kult-Regisseur Quentin Tarantino wurde 1995 durch den Actionfilm „Desperado“ bekannt, der zweite Teil seiner „Mariachi“-Trilogie (auch bekannt als „Mexiko"-Trilogie).
„El Mariachi“ (1992) jedoch, der unmittelbare Vorgänger und Rodriguez' Erstling, kennen heute vermutlich nur echte Film-Nerds. Wer an humorvollen, anspielungsreichen Actionfilmen mit Low-Budget-Touch interessiert ist, sollte die Sichtung aber unbedingt nachholen – denn der Streifen gehört unbedingt in jene Liste der erwähnenswertesten, besten Erstlingswerke der 1990er-Jahre!
7000 Dollar für einen Kultfilm
Gedreht auf einer (geliehenen) 16-mm-Filmkamera, versprüht der für nur 7.000 Dollar realisierte Film von der ersten Sekunde an einen charmanten, sympathischen DIY- und B-Movie-Charme. Einen Teil des überschaubaren Budgets steuerte Rodriguez übrigens selbst bei. Als Medikamenten-Tester verdiente er 3.000 Dollar und steckte das Geld umgehend in die Produktion von „El Mariachi“, der, wie die gesamte Trilogie, eine Verbeugung vor den klassischen Italo-Western und den durchstilisierten, harten Actionfilmen eines John Woo („Bullet In The Head“, „The Killer“) ist.
Die Story ist simpel und reduziert: Ein junger Gitarrist (Carlos Gallardo) gerät aufgrund einer Verwechslung in den blutigen Konflikt zweier Gangster und ihrer Handlanger. Dabei ist der Mariachi, den Gitarrenkoffer stets mit dabei, eigentlich nur auf Wanderschaft und auf der Suche nach einem Job als Musiker. Unfreiwillig mutiert er jedoch selber zum Killer, um aus dieser Verwechslungs-Nummer irgendwie rauszukommen.
Völlig abgefahrenes Zitatekino
Rodriguez kreierte einen Comic-haften, völlig abgefahrenen und bewusst überzeichneten Chaos-Trip voller schräger Typen, gekonnt platzierter Zeitlupensequenzen und ungewöhnlicher Kameraperspektiven. Die Anspielungen auf die Arbeiten John Woos sind überdies deutlich: Wilde Schießereien, zwielichtige Gangster (stilecht mit Sonnenbrille und Fluppe im Mundwinkel) und rasante Verfolgungsjagden.
Rodriguez gelang mit „El Mariachi“ irrwitziges, großartiges übersteigertes Zitatekino – und dies blieb nicht unbemerkt. Die Qualität des Films sprach sich schnell herum, nicht zuletzt aufgrund guter Kritiken, unter anderem von Kritikerpapst Roger Ebert. 1993 gewann der damals erst 25-jährige Rodriguez beim Sundance Film Festival den Publikumspreis. Von da an ging es für den gebürtigen Texaner auf der Regie-Karriereleiter steil bergauf.
Mit höherem Budget und einer auf Hochtouren laufenden Marketing-Maschinerie konnte er in den Folgejahren die Fortsetzungen seiner Reihe drehen. Drei Jahre nach „El Mariachi“ entstand so der bleihaltige, effektvolle „Desperado“, 2003 schließlich der mit Starbesetzung realisierte letzte Teil „Irgendwann in Mexiko“, der von der Kritik jedoch zwiegespalten aufgenommen wurde. Ein künstlerischer Höhepunkt in Rodriguez' Karriere ist der kultisch verehrte Vampir-Thriller „From Dusk Till Dawn“ (1996), den er gemeinsam mit Buddy Quentin Tarantino entwickelte.
Filmfans feiern seit jeher jede Neuveröffentlichung von Quentin Tarantino, doch nicht jedes Werk des „Pulp Fiction“-Machers sorgt für gleich viel Begeisterung. Und daran hat auch der so populäre Ausnahmeregisseur zu knabbern. Vor allem der Misserfolg eines Films nagt bis heute an Tarantino:
Quentin Tarantino gesteht: Sein vielleicht größter Flop hat den "Pulp Fiction"-Macher komplett gebrochen*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.