Streaming-Tipp: Michael Douglas und Liam Neeson in einem Zweiter-Weltkriegs-Thriller, den heute kaum noch jemand kennt - leider!
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Eine Amerikanerin mit deutsch-jüdischen Wurzeln lässt sich als Spionin bei den Nazis einschleusen. Dies ist die Prämisse eines der besten, aber viel zu unbekannten Spionage-Thriller der frühen 90er – mit etlichen Stars vor und hinter der Kamera!

Für David Seltzer gehörte zu Beginn der 90er-Jahre eine ordentliche Portion Mut dazu, sich an einen waschechten Spionage-Thriller heranzutrauen. Der damals 50-jährige US-Filmemacher und bekannte Drehbuchautor (er schrieb das Skript zum Horror-Klassiker „Das Omen“) wagte sich damit an ein Genre, das zu jener Zeit alles andere als modern und beliebt galt. Vielmehr haftete dieser filmischen Gattung seit Jahren schon ein Image des Antiquierten und Verstaubten an. Die große Zeit der Spionagefilme waren die 50- und 60er-Jahre („Der Spion, der aus der Kälte kam“, „Topas“, „Charade“ u.a.) – und diese Ära war lange vorbei.

Seltzer ließ sich von einer weiteren Tatsache nicht verunsichern: Agenten-Krimis und an klassischen Detektivstorys geschulte Thriller der Vorjahre erwiesen sich, trotz prominenter Beteiligter, an den Kinokassen zumeist als echte Rohrkrepierer. Dazu zählten Flops wie Roman Polanskis „Frantic“ oder „Little Nikita“ mit Oscar-Preisträger Sidney Poitier und River Phoenix, beide von 1988. Im selben Jahr erschien auch Susan Isaacs Roman „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ über eine einfache amerikanische Büroangestellte, die im Zweiten Weltkrieg in Berlin untertaucht und die Deutschen ausspioniert. Das produzierende Studio 20th Century Fox sicherte sich die Rechte und sah in Seltzer genau den richtigen Mann für die filmische Adaption.

Nach seiner Veröffentlichung 1992 ging die Kritik hart mit dem Film ins Gericht, dem ebenso an den Kassen kein Erfolg beschieden war (Einspielergebnis global: 21 Millionen Dollar). Doch der an Originalschauplätzen in Berlin und Potsdam gedrehte „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ ist wesentlich besser als sein Ruf und lohnt unbedingt eine Wiederentdeckung – der starken Darsteller und des packenden, realistischen Settings sei Dank!

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Undercover im Dritten Reich

New York 1940: Während in Europa der Zweite Weltkrieg tobt, arbeitet Linda Voss (Melanie Griffith), die jüdisch-deutscher Abstammung ist, für den Anwalt Ed Leland (Michael Douglas). Zufällig findet sie heraus, dass Leland für den US-Geheimdienst tätig ist. Als die USA Nazi-Deutschland den Krieg erklären, meldet sich Linda freiwillig für einen riskanten Undercover-Einsatz im Feindesland.

Sie spricht Deutsch und kennt die deutsche Kultur – die idealen Voraussetzungen für eine solche Spionageaktivität. Als Haushaltshilfe und Kindermädchen heuert sie bei NS-Größen in Berlin und Potsdam an, darunter der Wehrmachtsoffizier Franz Otto Dietrich (Liam Neeson). Ihr Auftrag lautet, Beweise für die Pläne einer V1-Flugkörperfabrik in Peenemünde zu sammeln.

Authentizität und Wahrhaftigkeit

Zugegeben: „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ ist nicht befreit von Kitsch und einigen rührseligen Momenten. Denn zur Spionage-Story kommt noch eine Liebesgeschichte um Voss und Leland obendrauf. Diese wirkt nicht immer glaubhaft und in vielen Fällen behauptet Seltzer, der auch das Drehbuch schrieb, Emotionen nur, anstatt sie für den Betrachter spürbar zu machen.

Doch das bleibt die einzige nennenswerte Schwäche diese spannenden, mit kühler Präzision inszenierten Thrillers alter Schule. Ein Film Übrigen, der ganz wunderbar aussieht und toll fotografiert ist. Seltzer und sein Team aus Set- und Produktionsdesignern legten großen Wert auf Authentizität und Wahrhaftigkeit und das sieht man „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ in jeder Einstellung an. Der Film versetzt auf allen Ebenen glaubhaft ins gleichgeschaltete Großdeutsche Reich der 40er-Jahre: vom Szenenbild über die Requisiten bis zur umfassenden Ausstattung, wozu die Wandeko, Haushaltsutensilien und die Kleidung ebenso gehören wie die historischen Fahrzeuge sowie die Innen- und Außen-Beleuchtung.

Wie ein Licht in dunkler Nacht
Wie ein Licht in dunkler Nacht
Starttermin 5. März 1992 | 2 Std. 08 Min.
Von David Seltzer
Mit Thomas Kretschmann, Michael Douglas, Melanie Griffith
User-Wertung
3,2

Komplex und hintergründig

Es gerät oft in Vergessenheit, aber ist unbedingt eine Erwähnung wert: „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ versammelte vor wie hinter der Kamera ein namhaftes, erfahrenes Team. Absolute Könner ihres Fachs. Cutter Craig McKay war schon am Filmschnitt der Horror-Meilensteine „Der Exorzist“ und „Das Schweigen der Lämmer“ beteiligt und als Kameramann verpflichtete Seltzer Action-Spezialist Jan de Bont („Stirb Langsam“, „Jagd auf Roter Oktober“). Die prominente Riege setze sich bei den Darstellern fort, die ihre Rollen allesamt souverän ausfüllten. Dabei ist es noch nicht einmal die klar im Mittelpunkt stehende und (gefühlt) in jeder Szene präsente Melanie Griffith, die schauspielerisch den bleibendsten Eindruck hinterlässt. Es sind ihre männlichen Kollegen.

Michael Douglas erinnert mit den streng zurückgegelten Haaren und dem durchdringenden Blick optisch zunächst an seine ikonische Kultfigur Gordon Gekko aus dem Thriller-Klassiker „Wall Street“. Doch Ed Lelands Charakter ist vielschichtiger als Gekkos offenkundige, von Gier angetriebene Art.

Wall Street
Wall Street
Starttermin 18. Februar 1988 | 2 Std. 02 Min.
Von Oliver Stone
Mit Michael Douglas, Martin Sheen, Charlie Sheen
Pressekritiken
4,2
User-Wertung
4,1
Filmstarts
5,0

Was echt und was gespielt ist, weiß man bei dem eiskalten, ebenso charismatischen wie opportunistischen Advokaten Leland nie. Neben Douglas agiert Neeson als undurchschaubare NS-Größe – die sich im Kern allerdings ihre Integrität und Moral bewahrt. Trotz seiner Karriere im nationalsozialistischen Deutschland bleibt Dietrich, ebenfalls gelernter Anwalt, ein ehrbarer Mensch, der seine jüdischen Verwandten schützt. Die Komplexität seiner Figur steht stellvertretend für die ausgeklügelte Doppelmoral vieler Menschen zur damaligen Zeit (man ist Teil des Systems, agiert aber dennoch als Helfer) und gleichsam für die Tiefgründigkeit des gesamten Films, die sich womöglich erst bei der zweiten Sichtung deutlich offenbart. Denn alle hier dargestellten Figuren handeln riskant und unvorhersehbar. Sie sind zwischen Macht, (Mit-)Menschlichkeit, Zivilcourage und Widerstand hin- und hergerissen.

2018 spielte der nach wie vor sehr umtriebige und zuletzt als „Nackte Kanone“ auftrumpfende Neeson in einem Western der Coen-Brüder („Fargo“). Obwohl sich dieser vielfach bewusst von der Wirklichkeit entfernt, findet ein Historiker anerkennende Worte für den hochkarätig besetzten, episodenhaft angelegten Film:

"Zum Schreien komisch": Historiker nimmt Netflix-Western mit Liam Neeson unter die Lupe – und kommt zu überraschendem Ergebnis!

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