Es gibt Filme, die drehen einem den Magen um, hallen noch lange nach und graben sich einem unter die Haut – und das, ohne auch nur einen einzigen Tropfen Blut zu vergießen. Horror muss nicht immer mit Monstern, Serienkillern oder Blutbädern einhergehen – oft genug verbirgt er sich in unserem Alltag, schlummert in Strukturen und zeigt sich hinter geschlossenen Türen.
So auch in „The Assistant”, über den FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian in seiner Kritik schrieb, es sei ein Film, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt – und es gleichzeitig zum Kochen bringt. Mit Fug und Recht kann Kitty Greens Spielfilmdebüt als wohl einer der intensivsten Filme der letzten Jahre bezeichnet werden – und dabei kommt er ganz ohne Spektakel aus. Aktuell habt ihr mehrere Möglichkeiten, „The Assistant” zu streamen: Ihr findet ihn auf ARDPlus oder im ARDPlus-Channel von Amazon Prime Video – beide könnt ihr mit einem Prime-Viveo-Abo sieben Tage lang kostenfrei testen, danach kostet das Abo jeweils 4,99 Euro im Monat.
Alternativ könnt ihr euch, wenn ihr einen Ausweis bei einer teilnehmenden Bibliothek habt, mit euren Zugangsdaten bei filmfriend einloggen und „The Assistant” dort kostenlos anschauen.
Warum "The Assistant" so unter die Haut geht
„The Assistant” lohnt sich, weil einem hier mit wenig Mitteln, auf subtile Weise, so viel auf den Tisch geknallt wird – und das mit einem leisen, aber dumpfen Knall. Formal betrachtet recht ähnlich wie bei Glazers „The Zone of Interest”, erschließen wir uns das Geschehen aus dem Off, setzen es innerlich zusammen, nur um dabei mit Gänsehaut und Kloß im Hals zu erschauern. Der Kontext ist hier natürlich ein anderer: Der Film entstand klar im Schatten von #MeToo und den Enthüllungen rund um Harvey Weinstein. Doch statt den Täter zu zeigen, seziert Green dessen System: die unsichtbaren Abläufe, die Komplizenschaften, das Schweigen.
Wir erleben einen Tag der Assistentin Jane (Julia Garner, bekannt aus „Ozark” oder „Weapons”), die seit ein paar Wochen im Büro einer New Yorker Filmproduktion arbeitet. Üblicherweise ist sie die erste, die kommt – und die letzte, die geht. Und dazwischen all die wichtigen Aufgaben, die man so auf dem Weg zur Producerin so abzuarbeiten hat: Unterlagen drucken und kopieren. Sandwiches holen und angepampt werden, wenn der Belag nicht stimmt. Krümel und verlorene Ohrringe am Sofa des Chefs auffegen. Anrufe seiner erzürnten Ehefrau entgegennehmen.
Gezeigt wird fast nicht und damit alles
Der große Kunstgriff Kitty Greens und ihres Kameramanns Michael Latham besteht eben darin, fast nichts zu zeigen – und damit alles zu sagen. Die Machtstrukturen, in denen die zwischen Ausbeutung und Aufstieg eingeklemmte Jane sich versucht zu bewegen, werden spürbar über subtile Zeichen: Eine geschlossene Tür. Eine weitere entschuldigende E-Mail, die Jane formulieren muss. Ein junges Mädchen, das ohne Erfahrung als Assistentin eingestellt und in einem Luxus-Hotel einquartiert wird.
Dabei bewegen wir uns stets auf Janes Ebene: Die Kamera ist nah an ihr dran, schwebt über ihr, wir sehen und hören nur, was sie sieht und hört – und ihr Unwohlsein wird zu unserem. Die dunklen Farben, die klaren, starren Bildkompositionen, der graue Büroalltag, durchtränkt von Psychospielchen und sexuellen Übergriffen irgendwo im Off – angehaftet an das kleinste Rädchen in der Maschinerie, das beim Versuch, seine Beobachtungen bei der HR-Abteilung zu schildern, selbst aufs Übelste zermalmt wird – machen alles in allem „The Assistant” zu einer der wohl unwohlsten Filmerfahrungen, die man machen kann – und lohnt sich genau deswegen.
Einen der besten Horrorfilme diesen Jahres mit Julia Garner fürs Heimkino findet ihr übrigens hier:
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