"Harry Potter"-Star Alan Rickman hätte fast die Hauptrolle in einem absoluten 90er-Jahre-Hit gespielt – es wäre ein völlig anderer Film geworden!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Jim Carrey ist untrennbar mit „Ace Ventura“ verbunden – doch das war lange keineswegs sicher. Das Studio suchte verzweifelt nach Alternativen, dachte sogar über eine radikale Neuausrichtung nach - mit einem britischen Kultdarsteller als Star.

Bevor Jim Carrey zum Weltstar aufstieg, führte sein Weg über Comedyclubs, Fernsehauftritte und kleinere Nebenrollen (unter anderem an der Seite von einer echten Hollywood-Legende), in denen er sein Talent für Körpersprache und Timing schärfte. Er spielte mit, probierte aus, fiel auf – aber der ganz große Durchbruch ließ lange auf sich warten. Erst 1994 änderte sich alles schlagartig. Mit „Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv“ landete Carrey einen jener Glückstreffer, die Karrieren nicht nur definieren, sondern sie regelrecht zementieren.

Der Film erzählt von einem exzentrischen Privatdetektiv, der sich auf das Auffinden vermisster Haustiere spezialisiert hat – eine bewusst absurde Figur, die jede Form realistischer Bodenhaftung verweigert. Das Publikum nahm diesen anarchischen Humor dankbar an: Bei einem Budget von rund 15 Millionen US-Dollar spielte „Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv“ weltweit 107 Millionen ein und gehörte damit zu den großen Überraschungserfolgen des Kinojahres 1994. Jim Carrey war plötzlich überall. Und rückblickend wirkt es fast so, als hätte es gar keine Alternative zu ihm geben können.

Mit diesen Stars hätte "Ace Ventura" ganz anders werden können

Genau das macht die Entstehungsgeschichte des Films so interessant. Denn tatsächlich war Carrey keineswegs die erste Wahl des Studios (via FarOutMagazine). Im Gegenteil: Die Produzent*innen suchten lange nach einer passenden Besetzung und dachten dabei zunächst deutlich konventioneller.

Einer der ersten Namen auf der Wunschliste war Rick Moranis, bekannt als liebenswerter Sidekick aus „Ghostbusters“ (1984). Moranis lehnte jedoch ab, da er sich zu diesem Zeitpunkt bereits zunehmend aus dem Schauspielgeschäft zurückzog. Seit Mitte der Neunziger-Jahre war er dann auch kaum mehr zu sehen. Bald steht aber eine Rückkehr des Komikers an:

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Auch Rob Schneider („Rent-a-Man“) und Judd Nelson („The Breakfast Club“) wurden als mögliche Kandidaten gehandelt, entschieden sich letztlich aber ebenfalls gegen das Projekt. Zwischenzeitlich wurde sogar über einen Richtungswechsel nachgedacht: Die Hauptfigur sollte in „Alice Ventura“ umbenannt und mit Whoopi Goldberg („Sister Act“) besetzt werden.

Ein Gedankenspiel, das zeigt, wie offen – oder ratlos – die Suchenach der idealen Besetzung zeitweise verlief. All diese Namen lassen sich theoretisch mit der Rolle verbinden, auch wenn es heute schwerfällt, sich „Ace Ventura“ ohne Jim Carrey vorzustellen. Am überraschendsten ist jedoch ein weiterer Name, der intern ernsthaft diskutiert wurde: Alan Rickman!

Nicht unterschätzen: Alan Rickman konnte auch komisch sein!

Der britische Schauspieler war bekannt für seine kontrollierte Präsenz, seine sonore Stimme und Figuren von autoritärer Strenge. Ob als Terrorist Hans Gruber in „Stirb Langsam“ oder später als Professor Severus Snape in den „Harry Potter“-Filmen – Rickman verkörperte meist Dominanz, Kälte oder subtile Ironie. Ein krasser Gegensatz zum hemmungslosen Chaos eines Ace Ventura.

Ganz aus der Luft gegriffen war die Idee allerdings nicht. Spätestens mit seiner genüsslich überzeichneten Darstellung des Sheriff von Nottingham in „Robin Hood – König der Diebe“ hatte Rickman bewiesen, dass er auch komödiantische Akzente setzen konnte. Dennoch wäre „Ace Ventura“ eine völlig andere Größenordnung gewesen: ein Film, der von physischer Übertreibung, Grimassen und fast cartoonhafter Energie lebt. Eigenschaften, die man kaum mit Rickmans Spielstil verbindet.

Alan Rickman als Ace Ventura? Das war wohl eine Überlegung! Warner Bros.
Alan Rickman als Ace Ventura? Das war wohl eine Überlegung!

Wer Rickman lieber von seiner humorvollen Seite erleben möchte, findet dafür jedoch reichlich Möglichkeiten. In „Dogma“ und „Galaxy Quest“ agiert er wunderbar selbstironisch. Hinzu kommen der charmante Geheimtipp „Bottle Shock“ mit Chris Pine sowie der Weihnachtsklassiker „Tatsächlich… Liebe“, in dem Rickman eine der emotional komplexesten Figuren des Ensembles spielte. Keiner dieser Filme ist so anarchisch wie „Ace Ventura“, doch sie verdeutlichen, wie vielseitig der 2016 verstorbene Mime tatsächlich war.

Am Ende führte der ungewöhnliche Weg der Besetzungssuche schließlich doch zu Jim Carrey – und damit zur perfekten Verkörperung einer Figur, die ohne ihn kaum denkbar wäre. Gerade der Kontrast zu all den Alternativen macht deutlich, wie prägend diese Entscheidung war. Manchmal braucht es eben mehrere Umwege, um genau dort zu landen, wo Filmgeschichte geschrieben wird. Auch die „Ghostbusters“ können davon ein Lied singen. Im folgenden FILMSTARTS-Artikel erfahrt ihr, mit welchem absurden Streit sich die Macher*innen damals herumschlagen mussten.

"Ghostbusters": Von diesem bizarren Studio-Streit rund um die populären Geisterjäger wusstet ihr garantiert noch nichts

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