Alles wurde getan, um es zu verbergen – doch für zwei Sekunden ist Arwen in "Der Herr der Ringe" kämpfend in Helms Klamm zu sehen
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

In den Büchern von J.R.R. Tolkien spielt Elbenprinzessin Arwen bei der Schlacht von Helms Klamm keine Rolle. Dementsprechend ist sie auch auf der Leinwand nicht zu sehen – oder etwa doch?

Peter Jacksons legendäre „Herr der Ringe“-Trilogie gilt als akribisch geplantes Mammutprojekt. Und doch ist es bei einer Produktion dieser Größe kaum möglich, wirklich jedes noch so kleine Detail im Auge zu haben. Selbst so mancher „Fehler“ trug allerdings letztendlich nur zum mythischen Ruf der wohl besten Fantasy-Trilogie aller Zeiten bei – sei es ein Versprecher von Gandalf-Darsteller Ian McKellen oder die Tatsache, dass Arwen (Liv Tyler) für einen extrem kurzen Moment während der Schlacht von Helms Klamm in „Die zwei Türme“ zu sehen ist, obwohl sie dort offiziell gar nicht anwesend sein sollte...

Der Herr der Ringe - Die zwei Türme
Der Herr der Ringe - Die zwei Türme
Starttermin 18. Dezember 2002 | 2 Std. 59 Min.
Von Peter Jackson
Mit Elijah Wood, Sean Astin, Viggo Mortensen
Pressekritiken
4,4
User-Wertung
4,7
Filmstarts
5,0

Während der Entwicklung des zweiten Films plante Peter Jackson, Arwens Rolle deutlich auszubauen. Anders als in der finalen Fassung sollte die Elbenprinzessin nicht in Bruchtal verbleiben, sondern aktiv in das Kriegsgeschehen eingreifen. In frühen Drehbuchversionen war vorgesehen, dass sie gemeinsam mit Haldir (Craig Parker) die Elbentruppen aus Lothlórien anführt und Aragorn (Viggo Mortensen) in Helms Klamm unterstützt.

Liv Tyler bereitete sich intensiv auf diese Ausrichtung der Figur vor und absolvierte umfangreiches Training in Schwertkampf und Kampfchoreografien. Ziel war es, Arwen stärker als handlungsfähige Figur zu etablieren und ihre Beziehung zu Aragorn auch auf der Ebene des gemeinsamen Kampfes zu vertiefen.

Nach den Dreharbeiten, also während der Postproduktion, entschied sich das Team aber für einen grundlegenden Richtungswechsel. Ausschlaggebend dafür waren mehrere Faktoren: Zum einen wollte man näher an J.R.R. Tolkiens Romanvorlage bleiben, in der Arwen nicht am Kampfgeschehen beteiligt ist. Zum anderen hätte ihre Anwesenheit die erzählerische Balance stören und Éowyns (Miranda Otto) Rolle schwächen können, die im Mittelteil der Saga als eine Art emotionaler Ersatz für die abwesende Arwen dient.

Arwen wurde entfernt – aber nicht gründlich genug

Hinzu kamen ganz pragmatische Gründe. Die Schlacht von Helms Klamm war bereits eine der längsten und komplexesten Sequenzen des Films – und Jackson legte letztendlich fest, dass Arwens Beteiligung für den dramatischen Kern der Szene nicht zwingend erforderlich sei. Die meisten ihrer bereits gedrehten Aufnahmen wurden daraufhin entfernt.

Trotz des enormen technischen Aufwands sollte es aber nicht gelingen, Arwen vollständig aus dem Bildmaterial zu tilgen. In der finalen Fassung existieren mehrere kurze Momente, in denen aufmerksame Zuschauer*innen ihre Anwesenheit erahnen können. Besonders auffällig ist eine Szene während des Rückzugs der Verteidiger in die Festung: Neben Aragorn, Legolas (Orlando Bloom) und Gimli (John Rhys-Davies) ist für den Bruchteil einer Sekunde ein vierter Schatten auf einer Brücke zu erkennen – der von Arwen!

Auch innerhalb der Menschenmenge, die sich hinter die Tore von Helms Klamm zurückzieht, ist eine Figur mit rotem Umhang zu sehen – ein Kleidungsmerkmal, das eindeutig mit Arwen verbunden ist. Am deutlichsten wird der ursprüngliche Plan jedoch im Finale der Schlacht: Durch digitale Farbänderungen wurde offenbar versucht, Arwen optisch an Legolas anzugleichen. Doch Bewegungsabläufe und Waffenführung verraten, dass es sich nicht um den Waldelben handelt.

Für kaum mehr als zwei Sekunden ist Arwen schließlich tatsächlich auf ihrem Pferd zu erkennen, wie sie einen Ork angreift – ein Überbleibsel der ursprünglichen Fassung, das es unbemerkt in den fertigen Film geschafft hat.

Die An- oder Abwesenheiten bestimmter Figuren bei entscheidenden Schlachten haben übrigens immer wieder für Diskussionsstoff gesorgt – so haben sich viele „Herr der Ringe“-Fans gefragt, warum Gandalf beim großen Kampf gegen Sauron eigentlich gefehlt hat. Die Antwort darauf erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Viele "Herr der Ringe"-Fans wissen nicht, warum Gandalf bei der großen Schlacht gegen Sauron gefehlt hat – dabei gibt es eine einleuchtende Erklärung!

Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits bei unseren Kolleg*innen von JeuxVideo erschienen.

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