Seltsamerweise ist es in Hollywood keine Seltenheit, dass ausgerechnet Comedy-Schauspieler bisweilen für die angespannteste Stimmung an Filmsets sorgen. Bill Murray wird beispielsweise von vielen seiner Kollegen nachgesagt, er sei ein äußerst unangenehmer Drehpartner (man frage nur seinen „3 Engel für Charlie“-Co-Star Lucy Liu!). Von Trunkenheit am Set bis hin zu Gewaltausbrüchen gegen Castmitglieder – über den „Ghostbusters“-Star kursieren so einige Horrorstorys. Als ebenso problematisch gelten aber auch Comedy-Legenden wie Mike Myers („Austin Powers“) oder Chevy Chase („Community“).
Jim Carrey ist eigentlich nicht für ein derart schlechtes Verhalten am Set bekannt. Eine Ausnahme bildeten allerdings die Dreharbeiten zu „Der Grinch“, während derer Carrey mit den Nerven komplett am Ende war. Seinen Frust ließ er besonders am Maskenbildner Kazuhiro Tsuji aus, der nach der Zusammenarbeit mit Carrey sogar einen Therapeuten aufsuchen musste.
Jim Carrey machte seinem Maskenbildner das Leben zur Hölle
Kazuhiro Tsuji gilt aus gutem Grund als einer der besten Make-Up-Künstler Hollywoods: So stattete er „Men In Black“ mit herrlich schleimigen Aliens aus, erweckte in „Hellboy“ märchenhafte Kreaturen zum Leben und verwandelte Dwayne Johnson für „The Smashing Machine“ in den realen Ringkämpfer Mark Kerr. Seine Arbeit in „Die dunkelste Stunde“ und „Bombshell - Das Ende des Schweigens“ brachte ihm sogar schon zweimal den Oscar ein.
Auch Jim Carreys Verkörperung als Grinch wäre ohne Tsujis großartige Maskenkunst nicht möglich gewesen, wenngleich dieser wohl gerne auf die Zusammenarbeit mit dem Comedy-Star verzichtet hätte. Carrey, der tagtäglich mehrere Stunden in Latex und Fell eingehüllt werden musste, war nach einer Weile richtig elend zumute. Er drohte sogar damit, die Dreharbeiten zu schmeißen und seine 20 Millionen Dollar-Gage zurückzuzahlen. Derweil bekamen auch die Crewmitglieder seine schlechten Laune zu spüren.
„Sobald wir am Set waren, war [Carrey] wirklich gemein zu uns allen, und zu Beginn der Produktion wurden wir nie fertig.“, erzählte Tsuji im Interview mit Vulture. „Nach zwei Wochen hatten wir gerade mal das Material von drei Drehtagen zusammen, weil er immer wieder verschwand. Und sobald er wieder auftauchte, war [das Kostüm] schon komplett zerrissen. Wir konnten nichts drehen.“
Tsuji erinnerte sich auch an einen besonders schlimmen Tag am Set. Während er gerade am Make-Up von Carrey saß, stand dieser plötzlich einfach auf und sagte: „Diese Farbe ist anders als die, die du gestern verwendet hast“. Es war tatsächlich die selbe Farbe, die Tsuji am Tag zuvor verwendet hatte, aber weil Carrey nun mal der Star war, musste der Maskenbildner klein beigeben und seinen „Fehler“ ausbessern. „Jeder Tag war so“, erklärte er.
Tsuji begab sich wegen Jim Carrey in Therapie
Nachdem die Dreharbeiten zu „Der Grinch“ beendet waren, war für Tsuji das Maß voll. Immer wieder unter solchen Bedingungen zu arbeiten und „nicht zu wissen, ob der Schauspieler vielleicht im nächsten Moment ausflippt oder seine Meinung ändert“, waren für den von Natur aus introvertierten Maskenkünstler eine zu starke Belastung, weshalb er nach den Auseinandersetzungen mit Carrey einen Therapeuten aufsuchte.
Heute möchte sich Tsuji nicht mehr derartigen Belastungen aussetzen, und hat sich deshalb größtenteils aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Vereinzelt nimmt er zwar noch Filmprojekte an, doch widmet er sich meist der Arbeit an seinen Skulpturen – denn die sind weniger unvorhersehbar als egomanische Hollywoodstars.
Übrigens: Auch Harrison Ford hat sich in seiner Karriere nicht nur Freunde gemacht. Welche Schauspiel-Legende ihn sogar regelrecht verachtet, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
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