"Er entspricht nicht meiner Vorstellung": 007-Erfinder konnte mit einem der beliebtesten James-Bond-Darsteller rein gar nichts anfangen!
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

Die Wahl eines neuen James-Bond-Darstellers löst bei Fans stets hitzige Diskussionen aus. Bei einem ganz bestimmten Schauspieler waren sich jedoch fast alle einig, dass er perfekt für die Rolle war – alle, außer der 007-Schöpfer selbst!

Seit Daniel Craigs glorreiche Laufbahn als James Bond mit „Keine Zeit zu sterben“ ihr Ende gefunden hat, sucht man bemüht nach einem würdigen Nachfolger. Das löst natürlich auch bei den Fans Diskussionen darüber aus, welcher Schauspieler aktuell wohl am besten auf die Rolle des MI6-Agenten zugeschnitten sei – wobei deutlich wird, welch unterschiedliche Vorstellungen die Leute bisweilen von der Figur haben.

Wenig Uneinigkeit herrscht allerdings über die Frage, wer der bis dato beste 007-Darsteller war: Für die meisten hat es bisher nämlich keiner besser gemacht als Sean Connery. Einer der wenigen, die mit dessen Besetzung aber überhaupt nicht zufrieden waren, war ausgerechnet der Erfinder von James Bond. Sean Connery passte nämlich überhaupt nicht zur Romanfigur, die Bond-Autor Ian Fleming ursprünglich erdacht hatte.

Sean Connery war dem Bond-Schöpfer zu charismatisch

Ian Flemings Inspirationen für James Bond waren zahlreich. Ein großes Vorbild für den Charakter war zum Beispiel er selbst, denn auch er war während des Zwieten Weltkriegs als britischer Spion tätig. Der Autor hatte also bereits einen tiefen Einblick in die Spionagearbeit und wusste auch, dass diese nicht immer so spannend war, wie sie in all den Geschichten dargestellt wird. Die Figur des Bond entwarf Fleming daher sogar als „extrem langweiligen, uninteressanten Mann“, wie er The New Yorker verriet.

Selbst der Name des Geheimagenten sollte daher ganz bewusst öde ausfallen – und so hat Fleming seine Figur kurzerhand nach einem renommierten Vogelwissenschaftler benannt: „Eines meiner Lieblingsbücher aus meiner Jugend war „Birds Of The West Indies“ von James Bond, einem bekannten Ornithologen. Als ich nach einem Namen für meinen Protagonisten suchte, dachte ich: „Mein Gott, was für ein langweiliger Name!“, und übernahm ihn.“

Fleming konzipierte Bond also nicht als strahlenden Actionhelden, sondern als kalte und kalkulierte Tötungsmaschine – eben die Merkmale, die ein Spion auch im wahren Leben an den Tag legen muss. Der nur so vor Charisma triefende Sean Connery wurde diesem Bild allerdings wenig gerecht, weshalb Fleming laut HuffPost gesagt haben soll: „[Connery] entspricht nicht meiner Vorstellung von James Bond. Ich suche ‚Kommandant Bond‘ und keinen überdimensionalen Stuntman.“

Fleming änderte seine Meinung noch – und passte Bond sogar Connery an!

Als mit „James Bond 007 jagt Dr. No“ der allererste Bond-Kinofilm veröffentlicht wurde und ein Millionenpublikum mit Sean Connery vertraut machte, konnte sich auch Fleming nicht mehr dessen Sogkraft entziehen. Der Autor war letzten Endes sogar so begeistert von Connerys Verkörperung als Bond, dass er Charakteristiken des Schauspielers in seine Romanfigur mit einfließen ließ. Beispielsweise dichtete er im Nachhinein hinzu, dass Bond schottischer Herkunft ist, weil er so angetan von Connerys ikonischem Akzent war.

James Bond 007 jagt Dr. No
James Bond 007 jagt Dr. No
Starttermin 25. Januar 1963 | 1 Std. 51 Min.
Von Terence Young
Mit Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
3,9
Filmstarts
3,5
Im Stream

Dass James Bond trotz seiner Kernelemente eine durchaus formbare Figur ist, gestand sich also selbst ihr Schöpfer ein. Daher hat sich die Reihe gemäß ihres Zeitgeistes auch stetig neu erfunden, schlug mit Roger Moore beispielsweise eine eher komödiantische Richtung ein, bevor sie sich mit Craig wieder dem düster-realistischen Ton aus Flemings Romanen annahm.

Auch deshalb hat wohl jeder Zuschauer seine ganz eigene Vorstellung davon, wie James Bond auf der Leinwand portraitiert werden sollte. Dabei schadet es aber nicht, den Filmemachern noch genügend Raum zu gewähren, um der Figur spannende neue Facetten zu geben - ohne diese Herangehensweise hätten wir nämlich niemals den bis heute beliebtesten 007-Darsteller bekommen!

Übrigens: Ex-007 Pierce Brosnan verkündete höchstpersönlich, welchen Star er für den perfekten zukünftigen Bond hält – und seine Wahl könnte sogar tatsächlich zutreffen:

Ex-007 Pierce Brosnan nennt den perfekten Schauspieler für den nächsten James Bond: "Ich ziehe meinen Hut vor ihm"
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