Selbst viele seiner Fans kennen Christopher Nolans ersten Spielfilm gar nicht. Das hat allerdings einen schnell erklärten Grund: Den Neo-Noir-Kriminalthriller „Following“ bekam man jahrelang deutlich schwerer zu Gesicht als etwa Nolans internationalen Durchbruch „Memento“ – geschweige denn seine großen, späteren Hollywood-Hits. Weder war „Following“ hierzulande im Streaming abrufbar, noch gab es ihn auf Blu-ray.
Selbst die beiden DVD-Auflagen, die bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, waren nicht leicht zu finden: Neu quasi gar nicht, gebraucht bloß zu recht happigen Preisen für eine Scheibe in Standardauflösung und mit wenigen Extras. 2024 kehrte der Film endlich zurück. Da erscheint endlich wieder als VoD und zudem erstmals auf Blu-ray im Mediabook*!
Und jetzt gibt es den Film auch mal in einem Streaming-Abo: Ab sofort könnt ihr „Following“ bei Amazon Prime Video ohne weitere Zusatzkosten streamen:
"Following": Nolans kleiner, atmosphärischer Anfang
Der eigenbrötlerische Autor Bill (Jeremy Theobald) beobachtet gern die Menschen auf den Straßen Londons. Stets wartet er darauf, dass sie ihm Inspiration geben – aber so richtig zündet es erst, als er dem Einbrecher Cobb (Alex Haw) begegnet. Der geht auf Bill zu, und alsbald wird aus seiner voyeuristischen Ader eine Obsession mit Cobb, der kriminellen Unterwelt, und einer Frau (Lucy Russell), in deren Wohnung der erfolglose Schriftsteller mit dem Gauner einbricht...
Bereits der Name Cobb lässt erahnen: Nolan kehrte im Laufe seiner Karriere gedanklich zu „Following“ zurück. So verwendete er den Figurennamen in „Inception“ wieder, auch wenn dort aus einem von Alex Haw gespielten Kleinverbrecher ein von Leonardo DiCaprio verkörperter Betrüger wird, der sich in den Verstand anderer Leute begibt. Außerdem lässt sich bereits in „Following“ erahnen, dass Nolan eine Sympathie für Batman hat – immerhin ist das Logo des dunklen Ritter in einer Szene zu sehen.
Dieses Frühwerk zeigt schon viel des späteren Nolan
Die deutlichste Verbindung zwischen diesem Low-Budget-Thriller-Juwel und den berühmteren Werken Nolans: „Following“ wird nicht chronologisch erzählt, sondern als zwischen Zeitebenen springendes Puzzle – wie etwa Nolans Oscar-Anwärter „Oppenheimer“, „Memento“, „Prestige – Die Meister der Magie“ oder im gewissen Sinne der Kriegsfilm „Dunkirk“, der drei unterschiedlich schnell ablaufende Handlungsfäden umfasst.
Während spätere Nolan-Filme auch konkret das Wahrnehmen von Zeit thematisieren, dient die verworrene Erzählweise in „Following“ jedoch einem anderen Zweck: Nolan überspitzt damit den Genre-Standard, dass man im Film noir erst spät erahnt, welche Figuren einen Moralkompass besitzen, und wer ein verlogenes, boshaftes Naturell hat.
Ästhetisch weicht „Following“ sogar extrem von dem ab, wofür IMAX-Fan Nolan heutzutage steht: Als unabhängig finanziertes Low-Budget-Debüt setzt dieser Krimi selbstredend nicht auf gigantische Bilder mit komplex gesetzten Lichteinfällen und Schatten. Stattdessen ist es ein kleiner, rauer Schwarz-Weiß-Thriller, der auf 16mm gedreht wurde und auf alltägliche Lichtquellen setzt. In der FILMSTARTS-Kritik gibt's dafür trotzdem hervorragende 4,5 von 5 möglichen Sternen. Denn auch ein Nolan fängt halt mit kleinen Mitteln an – der Spannung in „Following“ tut das aber keinen Abbruch!
Mehr zu Christopher Nolans nächsten Film gibt es im folgenden Artikel:
Mit neuem Trailer enthüllt: Superstar in "Die Odyssee" dabei – er hat bereits mit Christopher Nolan zusammengearbeitet!Dies ist eine überarbeitete Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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