Statt Jim Carrey spielte dieser MCU-Star die Hauptrolle als eine der größten Hollywood-Ikonen überhaupt – und erhielt für seine Wahnsinns-Performance direkt eine Oscar-Nominierung
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Jim Carrey zählte viele Jahre zu den populärsten Komikern, ehe er ab 1998 auch erste Erfolge in ernsteren Rollen feierte. Fast wäre ihm das schon sechs Jahre zuvor in einem Biopic gelungen – doch die Rolle schnappte sich ein späterer Marvel-Star ...

Wenn Schauspieler mit Komödien berühmt werden oder vorher sogar erste Erfolge als Stand-up-Comedians gefeiert haben, so haftet ihnen das Image des Spaßmachers und „lustigen Grimassenschneiders“ mitunter noch viele Jahre an. So erging es zum Beispiel Hollywood-Stars wie Robin Williams, Steve Carell oder Adam Sandler. Sie alle konnten sich erst in ihrer zweiten Karrierehälfte als ernstzunehmende (Charakter-)Darsteller etablieren.

Lange Zeit auf die Rolle des Blödel-Humoristen und Slapstick-Komödianten war auch Jim Carrey festgelegt. Dank Neunzigerjahre-Kultkomödien wie „Ace Ventura“ oder „Dumm und Dümmer“ spielte sich Carrey zwar in die A-Liga der bestbezahlten Schauspieler der USA – seine erste dramatisch anspruchsvolle Rolle mit Tiefgang erhielt er aber erst mit Mitte 30 in Peter Weirs intelligenter Tragikomödie „Die Truman Show“ (1998).

Sein Erfolg als Charaktermime wäre allerdings fast deutlich früher erfolgt, denn der junge Carrey wurde laut Vulture bereits Anfang der 1990er Jahre für die Hauptrolle in dem von der Kritik gefeierten Biopic „Chaplin“ in Betracht gezogen. Stattdessen ging der begehrte Part an einen anderen aufstrebenden Jung-Schauspieler – der für seine Leistung sogar eine Oscar-Nominierung erhielt.

Chaplin
Chaplin
Starttermin 28. Oktober 1993 | 2 Std. 23 Min.
Von Richard Attenborough
Mit Robert Downey Jr., Geraldine Chaplin, Dan Aykroyd
User-Wertung
3,5

Durchbruch als Tramp

Der von Sir Richard Attenborough inszenierte Film behandelt Leben und Werk des legendären amerikanischen Schauspielers, Filmemachers und Komikers Charlie Chaplin (seine populärste Rolle: der Vagabund „Tramp“ mit Melone, Stock und Schnauzbart). Mit einem Budget von mehr als 30 Millionen Dollar inszenierte Attenborough ein brillant ausgestattetes, detailverliebtes biografisches Drama mit einem bis in die Nebenrollen namhaft besetzten Cast aus gestandenen Schauspielprofis. Mit dabei etwa: Diane Lane, Dan Aykroyd, Kevin Kline und Anthony Hopkins.

Die Hauptrolle der Titelfigur ging mit dem späteren „Iron Man“-Superstar Robert Downey Jr. jedoch an einen zur damaligen Zeit noch weitgehend unbekannten Darsteller. Der zu Drehbeginn gerade einmal 26 Jahre alte Mime hatte zuvor vor allem in Komödien wie „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ oder „Johnny Be Good“ nicht gerade von sich Reden gemacht. Mit Attenboroughs Filmbiografie jedoch gelang Downey Jr. der große Durchbruch – der aber beinahe noch gescheitert wäre. Denn das Studio Universal Pictures drängte massiv darauf, einen großen Namen wie Robin Williams, Dustin Hoffman, Billy Crystal oder sogar Megastar Tom Cruise zu setzen.

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Carrey vs. Downey Jr.

Zu den Personen, die während des Casting-Prozesses als Hauptdarsteller in Betracht gezogen wurden, zählte auch Jim Carrey. Er war in den mittleren 80er-Jahren durch die Sitcom „The Duck Factory“ sowie später mit der Sketch-Comedy-Show „In Living Color“ landesweit berühmt geworden – und galt als einer der aufstrebenden Comedians der USA. Dennoch fiel die Wahl von Attenborough am Ende weder auf Carrey noch auf einen der oben genannten Stars, sondern eben auf den noch unerfahrenen, aber hochtalentierten Nachwuchsschauspieler Downey Jr.

Wieso Carrey die Rolle nicht bekam? Darüber lässt sich nur spekulieren. Immerhin gehörte er nicht zu den vom Studio in den Ring geworfenen Star-Schauspielern. Vielmehr ist vorstellbar, dass Attenborough keinen reinen Komiker für sein teures Projekt verpflichten wollte, das Risiko wäre wohl zu hoch gewesen. Apropos hoch: Oder lag es womöglich an Carreys Körpergröße? Der Schauspieler misst immerhin 1,88 m und zählt damit zu den überdurchschnittlich großen Schauspielern in Hollywood. Zum Vergleich: Chaplin war gerade einmal 1,65 m – da liegt ein Downey Jr. mit seinen 1,73 m deutlich näher dran.

Jede Menge Preise

So oder so setzte sich der Oscar-prämierte Regisseur (für „Ghandi“) am Ende gegen die Vorgaben des Studios durch. Das in ihn gesteckte Vertrauen zahlte der Mittzwanziger Attenborough zurück: Dank seiner mitreißenden, glaubwürdigen Performance erhielt Downey Jr. (fast) alle wichtigen Darstellerpreise. Auf die Oscar-Nominierung als „Bester Nebendarsteller“ folgten u. a. ein BAFTA Award und der London Critics Circle Film Award als Schauspieler des Jahres.

Jim Carrey ist unterdessen eigentlich für sein gutes Benehmen am Set und seine höflichen Umgangsformen bekannt. Eine Ausnahme bildeten allerdings die Dreharbeiten zum Weihnachts-Hit „Der Grinch“, bei denen Carrey mit den Nerven offenbar komplett am Ende war – ganz zum Leidwesen seines Maskenbildners:

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