Netflix muss künftig Millionen in deutsche Filme stecken – trotz Bedenken wegen Donald Trump kommt jetzt wirklich ein Gesetz!
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Vom „Beginn einer neuen Zeitrechnung“, der „in die Geschichtsbücher eingehen könnte“ ist die Rede. Doch was steckt wirklich hinter der Investitionspflicht für Streamingdienste wie Netflix, die jetzt die deutsche Bundesregierung auf den Weg bringt.

Netflix

Lange wurde in der Bundesregierung darüber gestritten, wie man die großen amerikanischen Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ dazu bringen kann, mehr von dem Geld, das sie in Deutschland verdienen, auch wieder hier in lokale Filme und Serien - wie zum Beispiel die heute gestartete Agenten-Serie „Unfamiliar“ - zu stecken. Der parteilose Kulturstaatsminister Wolfram Weiner soll sich lange eine freiwillige Selbstverpflichtung gewünscht haben – laut dem Spiegel wohl auch, weil er die Befürchtung hatte, dass der leicht reizbare US-Präsident Donald Trump auf eine Verpflichtung mit Gegenmaßnahmen antworten könnte. SPD-Finanzminister Lars Klingbeil bestand dagegen auf einer Verpflichtung – und hat sich damit jetzt durchgesetzt.

Wie die Bundesregierung heute mitteilte, habe man sich auf eine Investitionsverpflichtung geeinigt. Diese muss jetzt noch vom Bundestag verabschiedet werden. Das soll bis Ostern passieren. Gemeinsam mit der Verabschiedung wird zudem die Bundesregierung ihrerseits noch einmal bislang zurückgehaltene 120 Millionen Euro für die Filmförderung freigeben und damit den jährlichen Betrag auf 250 Millionen Euro erhöhen.

Die Investitionsverpflichtung für Netflix und Co. erklärt!

Doch was steckt hinter dieser Investitionsverpflichtung? Wichtig ist: Die Investitionsverpflichtung gilt nicht nur für Streamingdienste wie Netflix, Disney+ und Co., sondern auch für die klassischen TV-Sender wie ARD, ZDF, RTL, ProSieben etc. Das Ziel der Regel ist es, Aufträge für die deutsche Filmwirtschaft sicherzustellen.

Um wie viel Geld geht es? 8 Prozent des im Vorjahr in Deutschland erzielten Umsatzes sollen die Anbieter ab sofort dann im Folgejahr wieder reinvestieren (was deutlich unter den lange von der SPD geforderten 25 Prozent liegt). Wichtig: Es geht um den in Deutschland erzielten Umsatz. Netflix vermeldete zuletzt für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Dollar – aber weltweit. Einzelzahlen für Deutschland weist das Unternehmen nicht. Es gibt Schätzungen, die sich auf aktuell unter zwei Milliarden Euro für das gesamte Jahr belaufen. Rechnen wir ab hier als Beispiel und der Einfachheit mit zwei Milliarden Euro. Das wären dann folglich 160 Millionen Euro, die Netflix in Titel wie „Dark“ und Co. investieren müsste. Daneben gibt es noch eine zweite Quote von 12 Prozent. Sollte ein Anbieter diese erreichen, kann er von den gesetzlichen Vorgaben, was wofür auszugeben ist, abweichen. Dazu gleich mehr

Was ist überhaupt eine Investition? Diese 8 bzw. 12 Prozent werden nicht als Steuer gezahlt, sondern Netflix und Co. sollen sie in Projekte stecken. Das geht auf verschiedene Weisen – über klassische Eigen- und Auftragsproduktionen, aber auch durch den Kauf von Lizenzen für bereits gedrehte deutsche Filme und Serien.

Netflix
"Exterritorial" war ein riesiger Netflix-Hit - auch weltweit. Mehr deutsche Titel soll das Gesetz auf den Weg bringen.

Eine Regel für Europa! Ganz wichtig ist zudem noch: Auch wenn es als Hilfe für den Standort Deutschland angekündigt ist, kann das Gesetz aus europarechtlichen Gründen den Diensten wie Netflix keine Investitionen direkt in Deutschland vorschreiben, sondern nur generell in Europa. Dem will man mit Anreizen begegnen. So sollen Investitionen, die direkt in Deutschland getätigt werden, mit dem Faktor 1,5 angerechnet werden. Damit reichen in unserem Rechenbeispiel dann aber schon etwas mehr als 100 Millionen Euro um die Anforderung zu erfüllen. Übrigens: Ähnliche Gesetze gibt es auch bereits in mehreren europäischen Ländern.

Wirklich deutsche Filme und Serien? Netflix und Co. müssen grundsätzlich auch nicht unbedingt deutschsprachige Inhalte damit produzieren. Allerdings gibt es sogenannte Subquoten. Bei einer Investition in Höhe von 8 Prozent müssen mindestens 80 Prozent der Summe dann auch für die Investitionen in original deutschsprachige Werke aufgewendet werden. Der Oscar-Erfolg „Im Westen nichts Neues“ wurde zum Beispiel überwiegend in der Tschechischen Republik gedreht, zahlt aber natürlich voll auf die Subquote ein. Im Zusammenhang mit diesen kommt auch die Alternative mit den 12 Prozent zum Tragen. Diese befreit nämlich von einigen Subquoten.

Keine Strafe? Für etwas Stirnrunzeln bei der Regelung sorgt noch die Frage, was passiert, wenn sich ein Anbieter einfach nicht daran hält. Was passiert, wenn Netflix in unserem Beispiel am Ende nur 50 Millionen Euro ausgibt? Das Gesetz sieht dann keine automatische Sanktionen wie zum Beispiel eine Strafzahlung vor. In diesem Fall sollen vielmehr Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Filmförderungsanstalt FFA tätig werden und eine Lösung finden – was immer das genau bedeutet.

Der deutsche Film ist begeistert!

Trotz letzterer Zahnlosigkeit und der anfänglichen Hoffnung nach deutlichen höheren Quoten wird die Investitionsverpflichtung in der deutschen Filmbranche insgesamt sehr euphorisch gefeiert. Der größte deutsche Verband von unabhängigen Produzent*innen in Deutschland PROG Producers of Germany sagt so: „Als nichts weniger als der Beginn einer neuen Zeitrechnung der deutschen Filmbranche könnte der heutige Tag in die Geschichtsbücher eingehen.“ Dort dürfte man auch einen Aspekt des Gesetzes feiern, den wir noch nicht erwähnt haben. Dieses sieht auch vor, dass die Rechte an den jeweiligen Titeln nach wenigen Jahren wieder an die Produzent*innen zurückfallen.

Denn sicher ist: Sollte das Gesetz so verabschiedet werden und auch etwaige Klagen privater Medien überstehen, wäre gemeinsam mit der anfangs erwähnten Filmförderung von 120 Millionen Dollar ein dicker Batzen Geld mehr im deutschen Film.

Wenn ihr derweil eine ganz aktuelle Netflix-Empfehlung sucht, werdet ihr im folgenden Artikel fündig. Einen deutschen Film empfiehlt unser Autor Sidney Schering aber dieses Mal nicht...

Die 3 besten Filme, die ihr dieses Wochenende auf Netflix schauen müsst – 6. bis 8. Februar 2026

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