Der Netflix-Algorithmus kann ein launisches Biest sein: Einmal zu spät einen filmischen Fehlgriff oder eine automatisch gestartete Fließbandproduktion abgebrochen, schon sind die Vorschläge auf der Startseite nicht mehr zu gebrauchen. Da verliert man gerne Mal wertvolle Freizeit, wenn es wieder heißt: „Nur schnell durch Netflix scrollen, dann wird was geguckt!“
Damit ihr gar nicht in die Versuchung kommt, diesen Fehler zu begehen, stellen wir von FILMSTARTS euch Woche für Woche sehenswerte Filme vor, die Netflix im Portfolio hat. Und da sich der Thriller „The Housemaid“ mit Amanda Seyfried und Sydney Sweeney in den deutschen Kinos anhaltender Beliebtheit freut, präsentieren wir euch dieses Mal Titel, die auf die eine oder andere Weise zum Kassenschlager passen!
"Panic Room" (2002)
Die frisch geschiedene Mutter Meg Altman (Jodie Foster) zieht mit ihrer elfjährigen, an Hypoglykämie leidenden Tochter Sarah (Kristen Stewart) in die New Yorker Upper East Side. Ihr neues, weitläufiges Domizil umfasst sogar einen „Panic Room“ voller modernster Technik. Und erschreckend schnell müssen Mutter und Tochter von diesem Schutzraum Gebrauch machen, denn eine unberechenbare Gangsterbande (Forest Whitaker, Jared Leto und Dwight Yoakam) dringt in das Anwesen ein – und scheint sich dort beängstigend gut auszukennen...
Ein Haus, das für die Hauptfiguren einen sicheren Hafen darstellen soll, aber letztlich zum Schauplatz haarsträubender, nervenaufreibender Ereignisse wird: In „Panic Room“ wie auch in „The Housemaid“ sitzen die zentralen Figuren zwischenzeitlich gehörig in der Klemme. Und manche Kamerafahrten in Paul Feigs Bestselleradaption lassen mutmaßen, dass sich der „Brautalarm“-Regisseur zur Vorbereitung auf „The Housemaid“ noch einmal diesen David-Fincher-Reißer angeschaut hat – selbst wenn der „Fight Club“-Regisseur seinen kühl-angespannten Stil (wenig überraschend) deutlich konsequenter durchzieht.
Oft wird „Panic Room“ als einer der geradlinigeren Filme in Finchers Vita bezeichnet – doch es gibt auch in die Tiefe gehende Deutungen dieses Reißers. So wird „Panic Room“ als komplexe Auseinandersetzung damit interpretiert, wie ein Eigenheim ebenso Schutzraum wie bedrohlicher Hort der Isolation darstellen kann – eine Lesart, die sich ebenso auf „The Housemaid“ anwenden lässt!
"Mank" (2020)
1940: Der alkoholsüchtige Ex-Journalist und Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz (Gary Oldman) verschanzt sich auf einer abgelegenen Ranch in der Mojave-Wüste. Dort soll er innerhalb von 60 Tagen das Skript für das Regie-Debüt des neuen Hollywood-Wunderkinds Orson Welles (Tom Burke) verfassen. Unterstützt wird der auf Krücken angewiesene Knurrhahn von der britischen Schreibkraft Rita (Lily Collins) und der deutschen Krankenschwester Freda (Monika Gossmann).
Da der Film von einem reichen Zeitungsmagnaten mit fragwürdiger Moral handelt, nutzt Mankiewicz die Gelegenheit, um mit dem streitbaren Medienmogul William Randolph Hearst (Charles Dance) und dem seine Seele verlierenden Hollywood abzurechnen – selbst wenn er dabei die von Hearst geliebte Schauspielerin Marion Davies (Amanda Seyfried) vor den sprichwörtlichen Bus schubsen muss. Dabei hegte Mankiewicz eine Freundschaft zu ihr...
Viele Fans würden diesen fiktionalisierten Einblick in die Entstehungsgeschichte des umjubelten Klassikers „Citizen Kane“ als den untypischsten Film von David Fincher bezeichnen. Dennoch hat diese bittersüße Verneigung vor Mankiewicz, die zugleich eine emotionalisierte, erschreckend oft ans Heute erinnernde Bestandsaufnahme der Medienlandschaft in den 1930ern darstellt, für Fincher eine persönliche Bindung: Das Drehbuch wurde vom bereits 2003 verstorbenen Jack Fincher verfasst, dem Vater des Regisseurs, der in ihm einst die Liebe zum Kino entfacht hat.
Außerdem dürfte es nicht schwerfallen, sich vorzustellen, weshalb der für seine Perfektion, seinen nicht immer leicht durchschaubaren Sinn für Humor und seine kommunikative Direktheit berühmte David Fincher diese Interpretation von Herman J. Mankiewicz als spannende Hauptfigur erachtet.
Wer sich bisher von der Bezugnahme auf vergangene Hollywood-Tage und der Schwarz-Weiß-Ästhetik hat abschrecken lassen, sollte unbedingt den Sprung ins kalte Wasser wagen: Die Parallelen, die in „Mank“ zwischen dem von Mankiewicz und Welles kritisierten Medienzirkus und der Gegenwart gezogen werden, sind deutlich, bissig und saukomisch. Und „The Housemaid“-Star Seyfried, die für „Mank“ eine Oscar-Nominierung erhalten hat, ist hier eine ähnliche Wucht wie der seine Rolle auskostende Oldman. Björn Becher zückte unter anderem daher in seiner FILMSTARTS-Kritik die Höchstwertung!
"Blue Velvet" (1986)
Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) findet auf einer Wiese ein abgeschnittenes Ohr und beschließt, der mysteriösen Sache nachzugehen. Angestachelt durch Hinweise der Polizistentochter Sandy Williams (Laura Dern), recherchiert er in die Richtung der Nachtclubsängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini), mit der er bald darauf eine SM-Beziehung eingeht. Dorothy wird allerdings von einem Schlägertypen (Dennis Hopper) missbraucht und erpresst – und Jeffrey steckt zu tief in diesem ihm zuvor unbekannten Sündenpfuhl, um sich einfach aus dem Staub zu machen...
Allen, denen „The Housemaid“ nicht tief genug in die abscheulichsten Winkel der Vorstadtseele blickt, denen sei „Blue Velvet“ ans Herz gelegt: David Lynchs bahnbrechender Meilenstein stellt die klinisch-saubere Fassade solcher Gemeinden dem Sumpf aus Sünden, Perversion und Gewalt gegenüber, der dort blubbert, während kaum wer hinschaut.
Zum Kinostart spaltete der erotisch aufgeladene, gewaltsame Mystery-Thriller noch das Publikum – eine Oscar-Nominierung in der Sparte „Beste Regie“ sprang für Lynch dennoch heraus. Mittlerweile gilt „Blue Velvet“ als einflussreicher Klassiker, der nichts von seiner Sogwirkung verloren hat. Und wenn ihr leichtere Unterhaltung sucht, gebt doch unserem folgenden Streaming-Tipp eine Chance:
Streaming-Tipp: Einer der größten Kultfilme der 1980er-Jahre