Ein kleiner Diebstahl veränderte die Filmgeschichte. Obwohl: Er veränderte wohl doch nur die Geschichte des obskuren, haarsträubenden Nischenkinos: Ein Stuckateur verlor Anfang der 1960er-Jahre seinen Job, weil ihm eine Werkzeugtasche gestohlen wurde – was er in Printmedien und dem Radio beklagte. Bei diesem Unglücksvogel handelte es sich um Neil Connery, den Bruder des Schauspielsuperstars Sean Connery.
Das brachte den Produzenten Dario Sabatello auf eine abstruse Idee: Er plante, Neil Connerys Medienpräsenz auszubauen und einen Agenten-Actioner mit ihm zu drehen, in dem er als der kleine Bruder eines ungenannten, fähigen, britischen Spitzenagenten eine eigene Mission übernimmt. Und so entstand der wohl dreisteste und seltsamste filmische 007-Trittbrettfahrer überhaupt – den ihr jetzt im Heimkino erleben könnt: Diese Woche ist „Operation 'Kleiner Bruder'“ auf DVD und Blu-ray erschienen!
Darum geht es in "Operation 'Kleiner Bruder'"
Der Schönheitschirurg, Hypnotiseur und Lippenleser Dr. Neil Connery (Neil Connery) ist die zweite Wahl Ihrer Majestät: Weil Neils älterer Bruder, der beste Geheimagent Großbritanniens, beschäftigt ist, wird halt er damit beauftragt, die vom unbarmherzigen Beta angeführte Verbrecherorganisation Thanatos zu stoppen. Denn die will mit einer elektromagnetischen Superwaffe die Weltherrschaft sowie die Goldvorräte der Welt übernehmen!
Mit Klebstoff und Toupet wird aus dem Stuckateur ein Filmagent
In einem Meer aus ironischen Bond-Trittbrettfahrern ist „Operation 'Kleiner Bruder'“ allein schon aufgrund der Beteiligung von Neil Connery ein herausstechendes Exempel. Dass auf konfuse Weise solche Storyelemente vorkommen wie unfassbar effektive Hypnose und eine Gruppe an weiblichen Bodyguards, die in engen Outfits einen Militärkonvoi überraschen, ist derweil nicht weiter die Rede wert: Bond-Persiflagen, insbesondere aus den 1960ern, sind für alberne Ansammlungen an Schundhefteinfällen bekannt!
Alberto De Martinos Inszenierung und das Skript steuern „Operation 'Kleiner Bruder'“ dabei in ein tiefes Tal zwischen „So schlecht, dass es unfreiwillig toll ist“ und „Absichtlich lustig“, allerdings stammt die Musik von Ennio Morricone & Bruno Nicolai, die zwischen ihren eigenen Kompositionen auf erstaunlich-dreiste Weise bei echten Bond-Melodien klauen.
Hinzu kommt die Absurdität, mit der Neil Connery auf Starqualität gebracht werden sollte: Mit einem suboptimalen Toupet, einer Zahnprothese sowie mit Klebstoff an den Schläfen, um ihm einem wacheren Blick zu verpassen, ist in dieser Agenten-Action wenig vom wahren Connery übrig. Und dann wurde er auch noch selbst in der Originalversion nachsynchronisiert!
Dafür sind neben ihm mehrere echte 007-Stars im Film zu sehen (und im Original zu hören): Bernard Lee, der gegenüber Sean Connery als Bonds Vorgesetzter M zu sehen war, spielt auch hier einen ranghohen Schreibtischtäter, und Miss-Moneypenny-Darstellerin Lois Maxwell tritt in einer direkten Kopie ihrer berühmten Rolle aus dem 007-Kosmos auf. Außerdem sind die „James Bond jagt Dr. No“- und „Feuerball“-Fieslinge Anthony Dawson und Adolfo Celi sowie „Liebesgrüße aus Moskau“-Bondgirl Daniela Bianchi Teil der Besetzung von „Operation 'Kleiner Bruder'“.
Bond-Komplettist*innen, die auch an Wahnwitz interessiert sind, der das Franchise tangiert, kommen daher über kurz oder lang kaum an diesem Film vorbei. Und sei es bloß, um mal ungläubig zu lachen. Und wer aufwändigeres Bombastkino sucht, wird wiederum im folgenden Heimkino-Tipp fündig:
Dieses gewaltige Hollywood-Epos kennen selbst viele Cineasten gar nicht – jetzt erscheint es zum ersten Mal auf Blu-ray*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.