"Er war wirklich nicht nett": 20 Jahre später hat der Regisseur von "Der Pakt der Wölfe" noch immer schlechte Erinnerungen an diese Kino-Legende
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Christophe Gans hat Genre-Hits wie „Der Pakt der Wölfe“ oder „Silent Hill“ gedreht. Man könnte meinen, dass er und sein großes Regie-Vorbild sich viel zu sagen hätten – doch beide Begegnungen verliefen eher ernüchternd...

Studiocanal

Christophe Gans hat nicht viele Filme gedreht, trotzdem zählt er zu den namhaftesten Genre-Filmern Frankreichs. Erst in diesem Jahr ist der 66-Jährige mit „Return To Silent Hill“, seiner zumindest in meinen Augen zu Unrecht gescholtenen zweiten Leinwand-Adaption der populären Videospielreihe, nach über zehn Jahren Pause auf den Regiestuhl zurückgekehrt. Seinen Langfilm-Einstand gab er 1995 mit der Manga-Verfilmung „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“, am bekanntesten ist er sicherlich für den Historien-Horror „Der Pakt der Wölfe“, der allein in Frankreich 5,2 Millionen Zuschauer*innen in die Lichtspielhäuser lockte.

Der Pakt der Wölfe
Der Pakt der Wölfe
Starttermin 14. Februar 2002 | 2 Std. 30 Min.
Von Christophe Gans
Mit Samuel Le Bihan, Mark Dacascos, Jérémie Renier
User-Wertung
3,7
Filmstarts
4,5

Wenn es um seine großen Regie-Vorbilder geht, nennt Gans vor allem einen Namen: Brian De Palma. Der US-Amerikaner hat zahlreiche Kultfilme wie „Carrie“, „Dressed To Kill“, „Scarface“ oder „The Untouchables“ gedreht – und auch den laut Quentin Tarantino besten Film über den Viertnamkrieg.

Gans hat aber vor allem eine frühe und eher unbekannte Regiearbeit von De Palma stark inspiriert: „Das Phantom im Paradies“ (1974) – eine an „Das Bildnis des Dorian Gray“, „Das Phantom der Oper“ und „Faust“ angelehnte Mischung aus Rock-Musical und Horror-Groteske. Als er den Film zum ersten Mal gesehen hat, dachte er nach eigenen Aussagen sofort: „Genau das will ich machen!“ Erst kürzlich schwärmte er in einem Gespräch mit La Tribune de Lyon (via AlloCiné): „Da war alles drin: Literatur, Popkultur und visuelles Genie.“

Das Phantom im Paradies
Das Phantom im Paradies
Starttermin 25. Juli 1975 | 1 Std. 32 Min.
Von Brian De Palma
Mit William Finley, Paul Williams, Jessica Harper
User-Wertung
2,9

Christophe Gans hat Brian De Palma zwei Mal getroffen – und beide Begegnungen verliefen schlecht

Zwei Mal hatte der „Die Schöne und das Biest“-Macher sogar die Gelegenheit, sein großes Idol persönlich zu treffen – zuerst in den frühen 1980er-Jahren, lange vor Beginn seiner eigenen Regie-Karriere, als er Chefredakteur des Filmmagazins Starfix war. In dieser Funktion ergriff er die Chance, ein Interview mit De Palma zu führen. Doch die Begegnung verlief eher ernüchternd – genau wie ein zweites Aufeinandertreffen vor rund 20 Jahren...

„Vielleicht war es nur Schüchternheit – ich habe bemerkt, dass er lispelt –, aber er war wirklich nicht nett“, erinnert sich Gans. „Weder, als ich ihn interviewt habe, noch später, als ich den ersten ‚Silent Hill‘ im Studio geschnitten habe. Wir haben ständig mit Guillermo del Toro gesprochen, der nebenan seinen Film ‚Pans Labyrinth‘ schnitt. Er war unglaublich herzlich und teilte gern seine Leidenschaft fürs Kino – wir sind oft zusammen essen gegangen. […] De Palma arbeitete damals am Schnitt von ‚The Black Dahlia‘ und hat uns die ganze Zeit über komplett ignoriert. Aber das nimmt nichts von seinem Können als Filmemacher – schon allein wegen ‚Blow Out‘.“

„Never meet your idols“ („Triff niemals deine Idole“) ist also eine Regel, die auch Gans besser hätte beherzigen sollen. Genau wie Eddie Murphy, für den die lang ersehnte Zusammenarbeit mit seinem großen Helden einen der Tiefpunkte seiner Karriere darstellte:

"Es ist seltsam, wenn du herausfindest, dass dein Idol dich hasst": Eddie Murphy spricht über die größte Enttäuschung seiner Karriere

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Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer französischen Schwesternseite AlloCiné erschienen.

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