Der Zweite Weltkrieg ist eines der schrecklichsten Kapitel der Menschheitsgeschichte – dementsprechend hat sich auch das Kino immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise mit dieser dunklen Ära auseinandergesetzt. So handelt allein die Hälfte der zehn besten Kriegsfilme aller Zeiten laut der FILMSTARTS-Community von (realen oder fiktiven) Ereignissen, die sich zwischen 1939 und 1945 abgespielt haben: „Der Soldat James Ryan“ (Platz 2), „Das Boot“ (Platz 4), „Der schmale Grat“ (Platz 6), „Die letzten Glühwürmchen“ (Platz 9) und „Inglourious Basterds“ (Platz 10).
Nicht auf der Liste ist allerdings ein Film enthalten, der vor rund 80 Jahren mehrere Oscars abräumen konnte – und bei dem es sich für Tom Hanks sogar um den besten Film handelt, der je über den Zweiten Weltkrieg gedreht worden ist. Die Rede ist von „Die besten Jahre unseres Lebens“ von William Wyler aus dem Jahr 1946.
Das auf dem Roman „Glory For Me“ von MacKinlay Kantor basierende 172-Minuten-Epos ist ein ungewöhnlicher Genrebeitrag – und auch eine ungewöhnliche Hollywood-Produktion. Denn der Film erzählt nicht etwa von heldenhaften Fronteinsätzen, sondern von der Zeit danach, die für die heimgekehrten Soldaten geprägt ist von Traumata und Entfremdung.
Konkret geht es um die Veteranen Al Stephenson (Fredric March), Fred Derry (Dana Andrews) und Homer Parrish (Harold Russell), die nach Ende des Zweiten Weltkriegs damit hadern, in die Gesellschaft zurückzufinden. Nicht einmal in Rückblenden werden dabei Kriegshandlungen gezeigt – im Fokus stehen ausschließlich die psychologischen und sozialen Folgen des Krieges, was gerade für die Entstehungszeit des Films ein erstaunlich moderner Ansatz war.
Der Regisseur und einer der Hauptdarsteller waren selbst Weltkriegs-Veteranen
Dass das im Ergebnis derart wahrhaftig geraten ist, liegt auch daran, dass Regisseur Wyler selbst drei Jahre lang als Kriegsberichterstatter gearbeitet und im Juni 1944 bei der Aufnahme eines Bombardements das Gehör auf dem rechten Ohr verloren hatte.
Mit Harold Russell besetzte der „Sturmhöhe“-Schöpfer zudem einen echten Veteranen, der während des Zweiten Weltkriegs beide Hände verlor und in dem Film im Grunde seine eigene Geschichte nachspielte. Warum ihm gleich zwei (!) Oscars verliehen wurden, obwohl er nicht einmal ein professioneller Schauspieler war, könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen:
Der einzige Schauspieler, der 2 (!) Oscars für dieselbe Rolle gewann: Er schrieb Filmgeschichte, doch heute kennt kaum jemand seinen NamenApropos Oscars: Die 19. Verleihung der Academy Awards stand ganz im Zeichen von „Die besten Jahre unseres Lebens“, der insgesamt sieben Mal ausgezeichnet wurde – unter anderem als Bester Film. William Wyler, der mit insgesamt zwölf Nominierungen für den Regie-Oscar übrigens bis heute einen Rekord hält, erhielt seine zweite Goldstatue nach seinem Gewinn für „Mrs. Miniver“ vier Jahre zuvor – einen dritten Oscar erhielt er 1960 für „Ben Hur“.
Trotz all dieser Triumphe stellte er noch im Jahr 1967 in einem Interview mit Curtis Hanson (dem späteren Regisseur von „L.A. Confidential“ und „8 Mile“) für dessen damalige Zeitschrift Cinema klar, welch großen und besonderen Stellenwert „Die besten Jahre unseres Lebens“ innerhalb seiner Filmografie hatte: „Dieser Film enthält einige der besten Dinge, die ich je gemacht habe, und seltsamerweise war er der einfachste“, so Wyler (via AlloCiné).
"Die besten Jahre unseres Lebens" traf vor 80 Jahren einen Nerv
„Der Film handelte von Menschen, die wie ich aus dem Krieg zurückkehrten“, führte der „Ein Herz und eine Krone“-Macher weiter aus. „Ich wusste genau, was diese Männer fühlten. Ich war wie [die Figur von] Fredric March. Ich war kein junger Mann mehr und hatte keine Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Aber ich hatte Probleme damit, mich wieder an das zivile Leben zu gewöhnen. Ich war nicht wie Russell, der seine Hände verloren hatte, aber auch ich war gezeichnet worden […]. Ich wusste, wie es ist, in einem schlechteren Zustand zurückzukehren, als man weggegangen ist. Das Ziel des Films war es, den sozialen Zustand unseres Landes zu zeigen – die Verfasstheit all jener Menschen, die den Krieg erlebt hatten.“
Das traf damals offensichtlich einen Nerv. Denn „Die besten Jahre unseres Lebens“ kam nicht nur bei der Kritik und der Academy gut an, er wurde mit einem Einspielergebnis von mehr als zehn Millionen US-Dollar allein auf dem amerikanischen Markt auch zum erfolgreichsten Film des Jahres. Trotzdem ist das Werk vielen heute nicht mehr sonderlich präsent. Leider ist es zurzeit auch bei keinem deutschen Streamingdienst erhältlich, und eine vor rund zehn Jahren erschienene DVD ist mittlerweile vergriffen. Falls sich an der Verfügbarkeit des Films etwas ändert, erfahrt ihr es natürlich bei uns.
Um einen weiteren zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Kriegsfilm dreht sich der nachfolgende Artikel:
Einer der realistischsten Kriegsfilme, die je gedreht wurden: Diese Perle mit Michael Caine wird von einem Militärexperten gelobtFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer französischen Schwesternseite AlloCiné erschienen.