Sydney Pollack („Tootsie“) drehte 1972 mit „Jeremiah Johnson“ einen Western für die Ewigkeit. Dabei hatte das produzierende Studio Warner zunächst wenig Hoffnung in das Projekt gesetzt – trotz Hollywood-Star Robert Redford („Zwei Banditen“) in der Hauptrolle. Warner steckte nur rund drei Millionen Dollar Budget in den Film über den titelgebenden, legendären Trapper und Pelzhändler. Pollack und Redford jedoch glaubten an den Film und holten das Maximum aus der schmalen Finanzspritze raus.
Am Ende schufen sie eine bildgewaltige, meditative Charakterstudie über einen Mann, der in der rauen Natur existenzielle Grenzerfahrungen macht. Mit Erfolg: „Jeremiah Johnson“ spülte allein in den USA über 20 Millionen Dollar in die Kassen und gilt heute als einer der wegweisenden Western der 70er-Jahre. Beinahe hätte der Film jedoch gänzlich anders ausgesehen. Denn der ursprünglich vorgesehene Regisseur geriet mit seinem Hauptdarsteller während der Drehvorbereitung so heftig aneinander, dass die Zusammenarbeit krachend scheiterte.
Aussteiger- und Natur-Abenteuer: Das ist "Jeremiah Johnson"
Warner schwebte statt eines elegisch anmutenden Natur-Abenteuers eigentlich ein pessimistischer, rauer Spätwestern vor. Und diesen sollten zwei absolute Western-Experten realisieren: „The Wild Bunch“-Macher Sam Peckinpah als Regisseur und Clint Eastwood als Hauptdarsteller. Für das Drehbuch engagierte Warner den damals noch unbekannten, erst 28-jährigen John Milius („Conan, der Barbar“). Doch der durch die Italo-Western eines Sergio Leone zum Star gewordene Eastwood („Zwei glorreiche Halunken“) und Peckinpah kamen dummerweise so gar nicht miteinander aus. Beide hatten zu unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Geschichte des „Mountain Man“ erzählt werden sollte.
Die Folge: Peckinpah verließ das Projekt. Eastwood verlor wenig später ebenfalls das Interesse und drehte stattdessen den Kultfilm „Dirty Harry“ mit Don Siegel. Der Rest ist Geschichte: Pollack und Redford feierten mit ihrer romantisierten Version einen gewaltigen Erfolg, rückten damit jedoch deutlich von Milius' ursprünglicher, düsterer Skriptfassung ab. Im Laufe der Jahre konnte sich der Autor mit Pollacks „Jeremiah Johnson“ jedoch anfreunden – ganz im Gegensatz zu Clint Eastwood. Milius erzählte später, dass die Hollywood-Ikone sogar die Idee einer Neuverfilmung im Kopf hatte (via Far Out Magazine).
„Sydney Pollack hat einen guten Film gemacht. Es war nur ein anderer Film als der, den ich gemacht hätte. Ich habe mit Clint Eastwood darüber gesprochen. Er hat das ursprüngliche Drehbuch gelesen und gesagt: ‚Lasst es uns noch einmal machen.‘“
Obwohl aus Eastwoods Vorschlag bekanntlich nichts wurde, stand eine Verfilmung des Originaldrehbruchs durch ihn und Milius zumindest zeitweise kurz bevor. Dass der Film heute auch der jüngeren Generation ein Begriff ist, liegt vor allem am Social-Media-Hype um das Robert-Redford-Meme, das einen friedvoll dreinblickenden, nickenden Jeremiah Johnson zeigt.
Wenn ihr wissen wollt, mit welchem Film Eastwood absolut nichts zu tun haben wollte, dann lest direkt im folgenden Artikel weiter:
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