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    James Gunn verrät uns: Ich habe für "The Suicide Squad" in einer Liste der "dümmsten DC-Figuren" nach Helden gesucht!
    08.08.2021 um 17:00
    Julius Vietzen
    Julius Vietzen
    -Redakteur
    Vom Arrowverse bis „Doom Patrol“ und von „The Dark Knight“ über das DCEU bis hin zu „Joker“ behält Julius auch im DC-Multiversum den Überblick.

    Damit hatte niemand gerechnet: Direkt zu Beginn kommt es bei „The Suicide Squad“ zu einem irren Gemetzel am Strand von Corto Maltese - und mit zwei Fragen zu dieser Szene beginnt auch unser Interview mit James Gunn...

    Warner Bros. / HDF Kino e.V.

    +++ Achtung: Spoiler für die ersten Szenen von "The Suicide Squad"!

    James Gunn hat uns bei „The Suicide Squad“ ganz schön clever in die Irre geführt: So sind wir natürlich davon ausgegangen, dass die 13 vorab vorgestellten Suicide-Squad-Mitglieder gemeinsam auf eine Mission geschickt werden. Aber dann beginnt der Film – und direkt bei der ersten großen Actionszene werden mal eben sieben potenzielle Hauptfiguren brutal niedergemetzelt: Weasel (Sean Gunn), T.D.K. (Nathan Fillion), Captain Boomerang (Jai Courtney), Mongal (Mayling Ng), Javelin (Flula Borg), Blackguard (Pete Davidson) und Savant (Michael Rooker) sind schon wieder hin, bevor wir sie überhaupt richtig kennengelernt haben.

    Als wir James Gunn zum Interview treffen, haben wir als also direkt mal zwei Fragen: Wie hat er entschieden, welche Figuren am Anfang sterben und welche überleben? Und wie viel Amanda Waller steckt eigentlich in ihm? Schließlich lässt er genauso wie die skrupellose Anführerin des Task-Force-X-Programms auch haufenweise Figuren – scheinbar ohne mit der Wimper zu zucken – über die Klinge springen...

    FILMSTARTS: Wie viel Amanda Waller steckt in dir?

    James Gunn: Ich habe mich ihr tatsächlich sehr verbunden gefühlt, weil ich die Geschichte schreibe und diese Figuren in gefährliche Situationen bringe. Und selbst wenn sie mir dabei mehr ans Herz wachsen als es bei Amanda Waller der Fall ist, lasse ich sie ja dann trotzdem sterben. Ich bin wirklich Amanda Waller, was ganz schön traurig ist, weil sie ja irgendwie wirklich die Bösewichtin ist. Meine Amanda ist ganz schön fies, wahrscheinlich sogar ein bisschen fieser als in den Comics, obwohl sie da auch ganz schön fies ist. Viola Davis ist so böse, wenn sie Amanda Waller ist, sie kriegt dann so einen Blick in den Augen – und ihr dann Regieanweisungen geben zu müssen, kann ganz schön furchteinflößend sein...

    FILMSTARTS: Wie hast du entschieden, welche Figuren als erstes sterben?

    James Gunn: Geschichte und Figuren sind organisch miteinander verbunden. Ich habe mir zuerst eine grundlegende Geschichte ausgedacht und dann habe ich die Figuren hinzugefügt – und manchmal entwickelt sich eine Figur wie Harley in eine Richtung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Aber alle Figuren, die sterben, wurden schon so geschrieben, bevor sie besetzt wurden, abgesehen natürlich von den Figuren aus dem ersten Film. Und Bloodsport habe ich speziell für Idris Elba geschrieben.

    Für die Geschichte waren alle Tode notwendig.

    FILMSTARTS: Bereust du den Tod einer Figur?

    James Gunn: Nein, denn für die Geschichte waren all diese Tode notwendig. Es wäre ja auch albern, wenn am Anfang so viele Figuren sterben und die anderen danach aber dann in Sicherheit sind. Das heißt aber nicht, dass mir nicht jedes Mal auch ein bisschen das Herz blutet...

    FILMSTARTS: „The Suicide Squad“ ist ein kompletter Neustart, der mit dem fünf Jahre alten „Suicide Squad“ offiziell nichts mehr zu tun haben soll. Trotzdem hast du einige Figuren und ihre Schauspieler*innen zurückgebracht. Wieso?

    James Gunn: Harley und Amanda sind zwei meiner absoluten Lieblingsfiguren. Aber ich schätze auch Joel Kinnaman und Rick Flagg sehr und war mir deshalb sicher, dass wir diese Figur auch anders darstellen und Joel etwas Neues zu tun geben können.

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    Polka-Dot Man, Peacemaker, King Shark, Bloodsport und Ratcatcher 2 (v.l.n.r.)

    FILMSTARTS: Was sind deine liebsten neuen Figuren?

    James Gunn: Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich mich sehr darüber amüsiert, dass ich Polka-Dot Man zu einer zentralen Figur machen würde. Ich habe damals extra im Internet nach den „dümmsten DC-Figuren“ gesucht. Polka-Dot Man stand fast überall an der Spitze. Und so einer Figur so viel Würde wie möglich zu verpassen, war für mich eine spannende Herausforderung. Ich musste mich fragen, wie ich ihn so glaubwürdig wie möglich machen kann, obwohl er Polka-Dot Man heißt und Polka-Punkte verschießt. Das war so ähnlich wie bei „Guardians Of The Galaxy“, da gibt es schließlich einen sprechenden Waschbären. Aber ich mag auch King Shark sehr, ich wusste schon von Anfang an, dass er dabei sein würde.

    FILMSTARTS: Und auf welche neue Figur bist zu am meisten stolz?

    James Gunn: Daniela Melchior als Ratcatcher 2, weil wir sie wirklich entdeckt haben. Wir haben auf der ganzen Welt gesucht, so wie bei Star-Lord und Mantis aus „Guardians Of The Galaxy“, und wir hatten viele sehr berühmte und viele komplett unbekannte Leute zum Vorsprechen.

    FILMSTARTS: Wie kam es dazu, dass Starro der Bösewicht ist?

    James Gunn: Ich habe mich für Starro entschieden, weil ich die Figur einfach mag und schon immer mochte. Er ist einer der größten und schrägsten Superschurken, die DC in petto hat. Ich wollte mir bis zu Starros Auftritt aber Zeit lassen, weil es nicht um ihn, sondern um die Figuren und deren Beziehungen zueinander geht. Er ist lustig und albern, aber auch ziemlich gruselig mit diesen kleinen Sternen, die aus ihm herauskommen und sich an die Gesichter von Menschen heften und sie kontrollieren. Das hat mir als Kind immer Angst eingejagt, ich trage das noch immer mit mir rum.

    FILMSTARTS: Gibt es irgendwelche anderen obskuren DC-Figuren, die du gerne mal in Angriff nehmen würdest?

    James Gunn: Es gibt so viel tolle Figuren. Ich liebe die Metal Men zum Beispiel, wenn ihr die kennt. Schon seit ich ein Kind war. Das heißt aber nicht, dass ich einen Film über sie machen will.

    So liefen die Dreharbeiten

    FILMSTARTS: John Ostrander, der Erfinder des Suicide Squad, tritt in „The Suicide Squad“ als Dr. Fitzgibbon auf – und du hast bereits verraten, dass seine Comics eine große Inspiration waren. Gab es noch andere Vorbilder?

    James Gunn: Adam Glass' „Suicide Squad“ aus den New 52. Diese Comics haben mich daran erinnert, wie sehr ich das Suicide Squad mag und ich habe schon damals gedacht, dass ich das gerne als Film machen würde. Das muss so 2010 gewesen sein. Und während ich noch darüber nachgedacht habe, wurde mir kurze Zeit später „Guardians Of The Galaxy“ angeboten. Und dann hat David Ayer „Suicide Squad“ bei DC gemacht, während ich bei Marvel war und ich dachte mir: „Ahh, verdammt, das hätte ich schon auch gerne gemacht.“ Bei „Shazam!“ ging es mir übrigens auch so.

    Foltersession als schönste Dreherinnerung

    FILMSTARTS: Wie war deine Erfahrung, diesmal nicht mit Disney und Marvel, sondern mit Warner Bros. zu arbeiten?

    James Gunn: Ich hatte eine Menge Spaß. Ich weiß, dass Warner aktuell keinen guten Ruf hat. Ob das verdient ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, weil ich damals nicht dabei war. Aber für mich kann ich sagen: Es gab noch kein Studio, dass mich so sehr unterstützt hat. Sie waren unglaublich.

    FILMSTARTS: Was ist deine schönste Erinnerung vom Set?

    James Gunn: Das hört sich jetzt komisch an, aber die Szene in der Harley gefoltert wird. [lacht] Weil es eine sehr einfache Szene ist. Nur Margot Robbie als Harley und Joaquín Cosío, der sie foltert. Drumherum waren halt viele anstrengende, aufwändige Szenen, aber hier konnten wir uns einen ganzen Tag lang nur auf diese Szene konzentrieren. Und wir hatten einfach so viel Spaß am Set. Die Kamera lief super, Margot war super. Übrigens: Die Szene, dieser Stunt, in der sie den Schlüssel mit ihren Zehen nimmt und sich dann zurücklehnt und mit den Füßen das Schloss aufschließt: das war Margot Robbie. Sie hat das wirklich selbst gemacht.

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    James Gunns Lieblingsszene vom Set: Harley Quinn wird gefoltert.

    FILMSTARTS: Gab es irgendetwas, das du nicht umsetzen konntest?

    James Gunn: Es gibt nichts, das ich nichts machen konnte. Ich wusste von Anfang an, dass ich eine Menge Freiheit haben würde. Und ich fühlte mich dem Film und den Fans und mir gegenüber verpflichtet, diese Freiheit auch auszunutzen und etwas zu machen, was anders ist. Und ich habe mein Bestes gegeben. Es gab bisher in der Geschichte des Kinos erst drei oder vier andere Leute, die die Chance hatten, einen Film mit so einem Budget und ohne irgendwelche Auflagen zu machen. Und bei einem existierenden Franchise war es wahrscheinlich sogar das erste Mal.

    FILMSTARTS: Wie war es, einen Superheldenfilm mit Altersfreigabe für Erwachsene zu machen?

    James Gunn: Das hat viel Spaß gemacht. Ich habe wirklich nicht erwartet, dass der Film so brutal wird. Es gab sogar eine Stelle, die noch brutaler war, aber ich dachte, dass das zu viel wird. Aber da habe ich mich selbst zensiert. Und ganz allgemein: Ich hasse es, wenn es bei einem Kriegsfilm wie diesem Leute gibt, die aufeinander schießen, aber man kein Blut sieht, und damit auch die Auswirkungen von Gewalt ausgeblendet werden. Wenn ich also keine Erwachsenenfreigabe gehabt hätte, hätte ich sie stattdessen eine Insel voller Roboter angreifen lassen, die man auseinanderreißen darf, ohne ein R-Rating zu bekommen.

    Die Zukunft von DC & Marvel

    FILMSTARTS: Das DC-Universum befindet sich aktuell im Umbruch. Was wünschst du dir für die Zukunft: Ein System wie bei Marvel mit seiner zusammenhängenden Kontinuität? Einzeln stehende Geschichten wie „Joker“ und „The Batman“? Oder etwas ganz Anderes?

    James Gunn: Etwas Anderes. Ich glaube, dass es eine Balance zwischen diesen Sachen gibt. Marvel macht das, was sie machen, außergewöhnlich gut. Erst recht, seit Kevin Feige da wirklich alle Zügel in der Hand hat und schalten und walten kann, wie er will. DC war schon immer auch in den Comics anders und es scheint ein bisschen so, dass beide Filmreihen so werden, wie es auch bei den Comics ist. Es gibt zwar ein zusammenhängendes DC-Comic-Universum, aber sie waren eben schon immer auch am besten bei One-Shots. „Watchmen“ ist DC. „The Dark Knight“, „The Killing Joke“, „The Long Halloween“ – alles DC und alles großartige Geschichten, die nicht teil des großen Universums sind. Dass es also bei DC die Freiheit gibt, „Joker“ und „Justice League“ zu machen, das ist toll.

    FILMSTARTS: Was glaubst du, kann jetzt in diesem Genre noch kommen?

    James Gunn: Ich hoffe, dass die Leute weiterhin Risiken eingehen. Auch Marvel macht das ja mit einigen von diesen MCU-Serien. Einige davon sind vielleicht besser gelungen als andere, aber sie sind auf jeden Fall riskant. Und „Peacemaker“ [James Gunns Spin-off-Serie zu „The Suicide Squad“] ist total verrückt. Ich freue mich schon sehr auf Matt Reeves' „The Batman“. Oder vielleicht sterben Superheldenfilme auch aus...

    „The Suicide Squad“ läuft seit dem 5. August 2021 in den deutschen Kinos – und wie gut der Film wirklich ist, diskutieren wir auch in der aktuellen Folge von Leinwandliebe, die ihr euch in eurer Podcast-App oder auch direkt hier im Artikel anhören könnt:

    Zur Wiedereröffnung der Kinos hat der Verband der deutschen Kinobetreiber HDF Kino e.V. die Kampagne #EndlichWiederKino gestartet. Wir schließen uns der Aktion gerne an, indem wir ihr u.a. durch die Einbettung des Logos in unsere Bilder bei News zu aktuellen Kinofilmen eine größtmögliche Sichtbarkeit verschaffen. Wenn ihr dann also endlich wieder in die Kinos dürft, dann postet gerne ein Foto von eurem ersten Besuch mit dem Hashtag #EndlichWiederKino in den sozialen Netzwerken – wir machen auch mit.

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