"Avatar" - aber mit Bibern!
Von Chantal NeumannEs gibt bereits mehr als genug Animationsfilme über Pinguine – ein Gedanke, den auch Pixar-Kreativchef Pete Docter hatte, als Regisseur Daniel Chong („We Bare Bears“) mit der Idee an ihn herantrat, einen weiteren Film über die Frackträger zu machen. Schließlich existierten bereits so verschiedene Titel wie „Die Pinguine aus Madagascar“, „Happy Feet“ oder „Könige der Wellen“. Chong erkannte selbst, dass das Thema schon zur Genüge ausgeschöpft war – und traf eine folgerichtige Entscheidung: Die flugunfähigen Vögel wurden im Skript zu „Hoppers“ kurzerhand durch Biber ersetzt.
Die unverbrauchte Tierwahl wirkt durchaus erfrischend – gleichzeitig täuscht das originelle Figurenkonzept nicht ganz darüber hinweg, dass die zum Disney-Konzern gehörende Animationsfilm-Schmiede Pixar („Toy Story“, „Oben“) früher mutiger und eigenständiger erzählt hat. Trotzdem besticht der Sci-Fi-Abenteuer-Spaß durch eine ebenso zugängliche wie unterhaltsame Erzählweise – und vermittelt auf wohltuend unaufdringliche Art eine wichtige Botschaft.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Mabel (im Original gesprochen von Piper Curda/deutsche Stimme von Magdalena Montasser) setzt sich seit ihrer Kindheit für den Schutz von Tieren ein. Nach dem Tod ihrer Großmutter bleibt sie als Einzige in ihrer Familie zurück, um für den Erhalt eines abgelegenen Biotops mit Teich, Bibern und angrenzendem Wald zu kämpfen. Während Bürgermeister Jerry (Jon Hamm/Markus Pfeiffer) das Gebiet bebauen lassen will und das Verschwinden der Tiere als Freibrief versteht, fehlen Mabel zunächst die handfesten Argumente, um das Projekt aufzuhalten.
Die entscheidende Wendung bringt eine wissenschaftliche Sensation: Mabels Professorin Dr. Sam (Kathy Najimy/Martina Treger) entwickelt eine Technologie, mit der menschliches Bewusstsein in robotische Tiermodelle übertragen werden kann. Sogar das Sprechen mit allerlei Arten wird so möglich. Die Naturliebhaberin nutzt diese Chance, um selbst als Biber Teil der Tierwelt zu werden – und so die Tiere womöglich zur Rückkehr in ihren Lebensraum zu bewegen …
Nachdem die Weltlogik und gesellschaftlichen Metaphern des Pixar-Hits „Elemental“ zuletzt auffällig an „Zoomania“ angelehnt waren, bedienen sich die Disney-Studios auch diesmal an ihrem eigenen Portfolio: Denn die Grundkonstellation des Films ist einem der erfolgreichsten Blockbuster aller Zeiten entlehnt – „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009). Darauf weist Mabel an einer Stelle sogar selbst hin. Wie im Science-Fiction-Epos von James Cameron verlässt die Heldin ihren menschlichen Körper, um in einer künstlichen Hülle für den Schutz eines bedrohten Ökosystems zu kämpfen.
„Hoppers“ variiert dieses Motiv: Anders als die Na’vi, die ihre Heimat kompromisslos verteidigen, begegnen die Tiere Mabels Anliegen zunächst mit erstaunlicher Distanz. So verschiebt der Film den Konflikt von einem epischen Kampf um Heimat hin zu einer Auseinandersetzung darüber, welche Bedeutung der Natur heute überhaupt noch beigemessen wird. Erzählerisch nimmt „Hoppers“ dabei schnell an Tempo auf und hält es konsequent aufrecht. Stellenweise kostet diese hohe Geschwindigkeit der Geschichte jedoch emotionale Tiefe, da ruhigere Momente zu wenig Zeit bekommen, um ihre Wirkung voll zu entfalten.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Zugleich verlässt sich der Film etwas zu stark auf die Motivation der Hauptfigur, um das Publikum für das Schicksal der Tiere zu sensibilisieren. Die tierischen Charaktere selbst bleiben überwiegend passiv und unternehmen kaum erkennbare Anstrengungen, aktiv für den Erhalt ihres Lebensraums einzutreten. Dadurch bleibt ihr individuelles Leid abstrakt. Mit einigen cleveren Twists weiß der Film aber auch immer wieder zu überraschen. So entwickelt sich die Handlung – ganz nach dem Motto „Die Natur holt sich alles zurück“ – einmal gar in Richtung Horror, wenn die Tiere eine Revolution anzetteln und die Menschen buchstäblich „zerquetschen“ wollen.
Kurz vor dem Höhepunkt wird mit der im Deutschen von Heidi Klum synchronisierten Hai-Di noch eine Figur eingeführt, die das Tier-Horror-Genre zwar repräsentiert wie keine andere, in einem Film über Teich-Tiere jedoch etwas fehl am Platz wirkt. Während der Film erzählerisch also nicht immer ganz die Balance hält, bleibt Pixar visuell weiterhin über alle Zweifel erhaben. Im Vergleich zu jüngeren Werken wie „Elio“ oder „Alles steht Kopf 2“ sind die Farbtöne deutlich gedeckter und weniger aufgeregt. Statt greller Kontraste dominieren natürliche Farben, weiche Übergänge und eine insgesamt erdige Palette, die eine starke Verbindung zur Natur herstellt. Diese visuelle Zurückhaltung sorgt dafür, dass die Bilder einen Gegenpol zur manchmal etwas hektischen Erzählweise bieten.
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Einen besonders cleveren Ansatz findet „Hoppers“ zudem in der Darstellung der Kommunikation zwischen Menschen und Tieren. Während viele Animationsfilme lediglich Tiergeräusche anstelle gesprochener Worte einsetzen, um Verständigungsprobleme zu verdeutlichen, geht „Hoppers“ einen Schritt weiter: Sobald Tiere aus der Perspektive eines Menschen gezeigt werden, verändern sich ihre Gesichter sichtbar. Augen und Mund werden kleiner, Mimik und Gestik stark reduziert – ein einfacher, aber wirkungsvoller Kniff, der die Perspektive ohne große Erklärungen deutlich macht.
Fazit: „Hoppers“ überzeugt als kurzweiliges Animations-Abenteuer mit ungewöhnlichem Tierfokus, gewohnt starker visueller Gestaltung und einer sympathisch-unaufdringlichen Naturschutzbotschaft. Trotz hohen Tempos, überraschender Genre-Abzweigungen sowie cleverer Ideen bleibt der Film erzählerisch allerdings eher auf vertrauten Pfaden und erreicht emotional nicht immer die Tiefe früherer Pixar-Studio-Highlights.