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    Killer's Bodyguard 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Killer's Bodyguard 2

    Niemand flucht so schön wie Salma Hayek!

    Von Christoph Petersen
    Zwischen den Rekordmeldungen über Blockbuster-Megahits wie „Wonder Woman“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Star Wars – Episode 7“ ist 2017 fast ein wenig untergegangen, was für ein erstaunlicher Erfolg „Killer’s Bodyguard“ mit Samuel L. Jackson als Profikiller und Ryan Reynolds als sein unfreiwilliger Personenschützer eigentlich war. Nicht nur hat die gerade einmal 30 Millionen Dollar günstige, von Achtzigerjahre-Buddy-Movies inspirierte Action-Komödie an den weltweiten Kinokassen das Sechsfache ihres Budgets umgesetzt – ihr gelang dieses Kunststück auch noch, ohne auf einem Comic oder sonst irgendeiner bekannten Marke zu basieren. So etwas gibt es in der modernen Kinolandschaft kaum noch.

    Aber so ganz können sich die Produzent*innen doch nicht von den Gesetzen des Marktes lösen – und so kommt nun eben die finanziell logische Fortsetzung „Killer’s Bodyguard 2“ in die Kinos. Dabei stand „The Expendables 3“-Regisseur Patrick Hughes im zweiten Anlauf etwa doppelt so viel Geld zur Verfügung. Doch wirklich sinnvoll investiert wurde das zusätzliche Kapital nur an einer Stelle: Neuzugang Salma Hayek macht als leicht reizbare Hochstaplerin selbst dem unflätigsten Kesselflicker Konkurrenz – mehr Flüche derart weit unterhalb der Gürtellinie bekommt man in einem 2-Stunden-Film wohl nur schwer unter. Abseits des alles gebenden Star-Trios ist das Budget aber offenbar vor allem in austauschbare Action, überflüssige Nebenfiguren und ein ebenso hanebüchenes wie belanglos-generisches Skript geflossen.

    Sie selbst würden es nie zugeben, aber: Killer Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) und Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) sind einfach ein super Team!


    Seitdem ihm seine Bodyguard-Lizenz entzogen wurde, steckt Michael Bryce (Ryan Reynolds) in einer tiefen persönlichen Krise. Seine Psychiaterin empfiehlt ihm deshalb, eine Auszeit zu nehmen – am besten in Capri und mit dem strengen Verzicht auf Waffen. Aber während sich Michael am Strand sonnt, taucht plötzlich Sonia (Salma Hayek) auf und mäht zur Begrüßung erst mal die Hälfte aller anwesenden Touristen nieder. Sie braucht unbedingt Michaels Hilfe – denn ihr Profikiller-Ehemann Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) wurde offenbar von einer Gruppe Mafiosi entführt.

    Die anschließende Befreiungsaktion, bei der Michael versucht, möglichst gewaltfrei vorzugehen, während Sonia offensichtlich Gefallen am Gemetzel findet, ist zwar ein voller Erfolg – aber nur wenig später sitzt das Trio direkt wieder in der Patsche: Interpol-Agent Bobby O'Neill (Frank Grillo) zwingt das Ehepaar und ihren unfreiwilligen Begleiter, bei den Ermittlungen gegen den schwerreichen griechischen Unternehmer Aristotle Papdopolous (Antonio Banderas) zu helfen. Doch der hat nicht nur mit Sonia noch ein ganz besonderes Hühnchen zu rupfen, er verfügt auch über den besten Bodyguard der Welt, der zu Michael in einer ganz besonderen Beziehung steht…

    Ein Plot aus der Retorte


    Okay, es geht also um einen Killer und einen Bodyguard, die sich in bester Buddy-Movie-Manier zu gleichen Teilen hassen und lieben. Was wäre da wohl ein guter Plot für ein Sequel? Genau, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Griechenland und ein diabolischer Bösewicht, der doch allen Ernstes ein Datenkabel anbohren will, um sich an Europa für den unfairen Umgang mit seiner Nation zu rächen. Selten haben wir eine austauschbarere Prämisse erlebt, die zudem – und das ist eigentlich noch viel schlimmer – so absolut gar nicht zu den beiden Protagonisten passt. Auch die zumindest kompetent inszenierten Actionszenen sind kein bisschen weniger generisch und schnell wieder vergessen.

    Was der ganze Handlungsstrang um den von Frank Grillo („Boss Level“) gespielten Interpol-Agenten und seinen Versetzungswunsch soll, versteht auch kein Mensch – lustig oder gar spannend ist das alles jedenfalls nicht, bremst den zentralen Plot aber immer wieder aus. Antonio Banderas („Indiana Jones 5“) trägt als Seifenopern-Bösewicht zwar Klamotten, die aussehen, als „hätte er eine Gardine gefickt“, ist als Bond-Karikatur aber einfach nicht schmierig genug, um wirklich Spaß zu machen. Nur einer der Nebenrollen-Neuzugänge erweist sich als echter Besetzungs-Coup – da fällt in einer der besten (und sicherlich auch politisch inkorrektesten) Szenen des Films selbst Samuel L. Jackson die Kinnlade runter.

    Der wichtigste Neuzugang: Salma Hayek als dauerfluchende Trickbetrügerin Sonia!


    So bleibt auf der Habenseite eigentlich nur das zentrale Darsteller-Trio – aber zumindest das gibt wirklich alles: Ryan Reynolds spielt zwar logischerweise dieselbe Rolle wie im ersten Teil – aber der staubtrockene Gaga-Meta-Humor inklusive mit unpassend kitschigen Popsongs unterlegten Gewaltspitzen erinnert trotzdem viel mehr an seine „Deadpool“-Auftritte. So wurde Michaels Mutter einst von einem fetten Mann erschlagen, der auf der örtlichen Kirmes aus dem Kettenkarussell geflogen ist – und Sonia veranstaltet das Strandgemetzel zu Beginn nicht, weil es sich bei den Erschossenen um Mafiosi oder gar Terroristen handelt, sondern weil ihr einer von den Toten zuvor an den Hintern gegrapscht hat.

    Sowieso sind die filterlosen Flüche und das forsche sexuelle Auftreten von Sonia, die im englischen Originaltitel „The Hitman’s Wife’s Bodyguard“ auch verdientermaßen prominent ins Zentrum gerückt wird, noch das erfrischendste Element des Films – zumal Salma Hayek, für „Frida“ einst oscarnominiert, auch sichtlich Freude daran hat, jede einzelne Szene so weit wie möglich (und damit meinen wir: so weit unter die Gürtellinie wie möglich) zu treiben. Da kann man selbst im dunklen Kinosaal schon mal knallrot werden (wir haben den Film allerdings auch im Original gesehen und synchronisiertes Gefluche ist ja oft so eine Sache). Wenn einem für die Story schon nichts Anständiges einfällt, dann muss man sich eben irgendwie anders behelfen, um das Publikum (über die unnötig lange Laufzeit von zwei Stunden) bei der Stange zu halten…

    Fazit: Man spürt in jeder Sekunde die Verzweiflung der Macher*innen, irgendwie eine Fortsetzung zum Überraschungshit „Killer’s Bodyguard“ konstruieren zu müssen. Nur die drei gutaufgelegten Stars, die sich hier wirklich für gar nichts zu schade sind, um den einen oder anderen Lacher aus dem miesen Skript herauszupressen, hieven „Killer’s Bodyguard 2“ gerade so über die Ziellinie.

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