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    Guglhupfgeschwader
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Guglhupfgeschwader

    Die Eberhofer-Krimis haben den Jackpot längst geknackt!

    Von Christoph Petersen
    17 Millionen Euro sind im Jackpot. In Niederkaltenkirchen grassiert das Lotto-Fieber. Dabei hat Regisseur und Drehbuchautor Ed Herzog inzwischen nicht nur sechs, sondern gleich acht Richtige gelandet: Seine Eberhofer-Krimis nach den Romanen von Bestsellerautorin Rita Falk sind und bleiben ein Kinophänomen! Als bayerischer Lokal-Hit gestartet, ziehen die mit reichlich lakonischem Humor gewürzten Ermittlungen in der freistaatlichen Provinz inzwischen deutschlandweit zuverlässig ein Millionenpublikum in die Lichtspielhäuser – von den traumhaften Einschaltquoten bei den späteren TV-Ausstrahlungen mal ganz zu schweigen. Aber es trifft halt auch nicht die Falschen. Schließlich haben Herzog und seine Schauspieler*innen nicht einfach nur einen Nerv getroffen, sie liefern seit dem Auftakt mit „Dampfnudelblues“ aus dem Jahr 2012 auch zuverlässig ab – und der achte Fall „Guglhupfgeschwader“ bildet da zum Glück keine Ausnahme.

    Als Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) gemeinsam mit Oma Eberhofer (Enzi Fuchs) einen Lottoschein abgeben will, schlägt plötzlich ein Projektil im örtlichen Kiosk ein – und bei einer genaueren Untersuchung des Besitzers Lotto-Otto (Johannes Berzl) stellt sich heraus, dass diesem kürzlich offenbar ein Finger abgeschnitten wurde. Die Ermittlungen führen Eberhofer und seinen inzwischen als Kaufhausdetektiv arbeitenden Ex-Partner Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) bis zu einem Casino nach Tschechien, von wo aus die Glücksspielmafia ihre Tentakel offenbar bis Niederkaltenkirchen ausstreckt. Dort feiern unterdessen Franz‘ Bruder Leopold (Gerhard Wittmann) und der örtliche Sanitärexperte Ignaz Flötzinger (Daniel Christensen) jeweils einen Millionengewinn im Lotto. Na, wenn sie da mal nicht zu früh den Schampus ausgepackt haben…

    Der Haussegen hängt diesmal besonders schief: Franz (Sebastian Bezzel) und Suso (Lisa Maria Potthoff) versuchen es mit einem Paartherapeuten…


    Nachdem der Fall eines ermordeten Webcam-Girls in „Kaiserschmarrndrama“ zuletzt tatsächlich nur noch so nebenbei mit aufgelöst wurde, nehmen die Ermittlungen in „Guglhupfgeschwader“ wieder erheblich mehr Raum ein – und münden schließlich in einen Shootout, in dem so viele Patronen auf den Boden prasseln wie sonst nur in Sam Peckinpahs Western-Meisterwerk „The Wild Bunch“: High Noon in Niederkaltenkirchen! Was einem dabei diesmal ganz besonders bewusst wird: In den bisherigen sieben Filmen haben sich derart viele liebgewonnene Nebenfiguren und skurrile Eigenheiten (wie der besonderen Bedeutung eines inzwischen bundesweit berühmten Kreisverkehrs) angesammelt, dass in der typischen Krimi-Länge von 90 bis maximal 99 Minuten einfach nicht mehr genug Zeit bleibt, um allen und allem die verdiente Bühne zu bieten.

    So haben etwa Metzger Simmerl (Stephan Zinner) und Papa Eberhofer (Eisi Gulp) diesmal besonders wenig zu tun – und die dreibeinige Hündin Hinkelotta bekommt auch nicht den nötigen Raum, um es mit ihrem von seinen Fans geradezu kultisch verehrten Vorgänger aufzunehmen. Aber der in „Kaiserschmarrndrama“ verstorbene Ludwig ist mit seiner tiefenentspannten Ausstrahlung und seinem wunderbar-bekifften Marihuana-Blick wahrscheinlich auch einfach nicht zu ersetzen. Und am Ende bleibt das natürlich ein absolutes Luxusproblem: Denn wenn man sich beim Rollen des Abspanns wünscht, dass es von allem irgendwie noch ein bisschen mehr gegeben hätte, dann ist das ja sicherlich auch nicht die ungünstigste Publikumsreaktion, um ein Erfolgs-Franchise wie die Eberhofer-Krimis weiter am Laufen zu halten …

    Für einen anständigen Guglhupf kommt ganz Niederkaltenkirchen zusammen!


    … vor allem da es auch diesmal wieder reichlich komödiantische Höhepunkte gibt (selbst wenn die ganz lauten Lacher etwas rarer gesät sind als in den Teilen zuvor): So gibt es eine ganz wunderbar schräge Konfrontation von Flötzinger, der im Eminem-Gedächtnisoutfit samt Gangsta-Rap-Attitüde auf seine Millionen wartet, und zwei bemitleidenswerten Zeugen Jehovas, denen man nach dieser Begegnung nur noch alles Gute wünschen möchte. Und die titelgebenden Gugelhupfe von Oma Eberhofer sehen einfach saulecker aus – gerade deshalb ist es auch so schade, was die mit so viel Liebe gebackenen Küchlein im bleihaltigen Finale alles aushalten müssen…

    Fazit: Nach acht Filmen kann man sich wirklich langsam zu der These hinreißen lassen: Egal wie lange es mit den Eberhofer-Krimis noch weitergeht, und zumindest „Rehragout-Rendezvous“ steht ja für einen Kinostart im August 2023 bereits in den Startlöchern, einen schlechten Film wird es in dieser Reihe wahrscheinlich nicht mehr geben!

     

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