"Zoomania" trifft "Space Jam" im "Spider-Verse"
Von Julius Vietzen„Spider-Man: A New Universe“ war ein echter Gamechanger für Animationsfilme: Das kann man nicht nur daran sehen, dass der Sony-Titel 2019 den Oscar als Bester Animationsfilm gewann und damit sogar die vermeintlichen Über-Konkurrenten Pixar („Die Unglaublichen 2“) und Disney („Ralph reichts 2“) ausstechen konnte. In den Jahren danach haben sich auch die anderen großen Animations-Studios bei Filmen wie der Disney-Jubiläumsfeier „Wish“ und dem „Shrek“-Spin-off „Der gestiefelte Kater 2“ spürbar am comichaft-flächigen Look und den bewusst weniger flüssigen Animationen des „Spider-Verse“ orientiert.
Auch Sony selbst ist dem stilprägenden visuellen Flair – von „Die Mitchells gegen die Maschinen“ bis „Spider-Man: Across The Spider-Verse“ – treu geblieben. Und so kommt nun auch der Sport-Animationsfilm „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ wenig überraschend im „Spider-Verse“-Stil daher. Aber nicht nur optisch, auch thematisch gibt es klare Vorbilder: So gibt es Parallelen zur Tier-Metropole aus „Zoomania“ und der abgefahrenen Basketball-Variante aus „Space Jam“. Das ist allerdings kein Vorwurf, denn die Mischung geht auf: „G.O.A.T.“ ist visuell großartig, wunderbar überdreht und über weite Strecken äußerst unterhaltsam geraten!
Sony Pictures
Schon seit er kleines Zicklein war, träumt Ziegenbock Will Harris (Stimme im Original: Caleb McLaughlin) davon, einmal für die Vineland Thorns, das Roarball-Team seiner von Dschungel überwucherten Heimatstadt Vineland, zu spielen. Die von der erfahrenen Panther-Spielerin Jett Fillmore (Gabrielle Union) angeführte Truppe hat zwar noch nie die begehrte Roarball-Trophäe Claw gewonnen, aber das macht Will und den meisten anderen Tieren in Vineland überhaupt nichts aus.
Als Will den Superstar-Hengst Mane Attraction (Aaron Pierre) vom Konkurrenzteam Lava Court Magmas auf dem örtlichen Roarball-Trainingsplatz lächerlich macht, wird ein Video davon zum viralen Hit. In der Folge erhält er von der wegen der Niederlagenserie unter Druck stehenden Thorns-Teambesitzerin Florence Everson (Jenifer Lewis) einen Vertrag und wähnt sich schon am Ziel seiner Träume. Doch kann sich der talentierte, aber für den körperbetonten Sport eigentlich viel zu kleine Will tatsächlich als Profi behaupten? Und wird es gelingen, aus der entmutigten Thorns-Mannschaft um Jett, die von dem Neuzugang zunächst überhaupt nicht begeistert ist, wieder ein echtes Team zu formen?
Wer schon eine Handvoll oder mehr Sportfilme gesehen hat, wird sich sehr gut denken können, wie der Film ausgeht – inklusive der zwischendurch auftauchenden Hindernisse, die sich ein wenig zu einfach in Wohlgefallen auflösen. Doch eine gewisse Vorhersehbarkeit gehört zum Genre einfach dazu – und zum Glück ändert sie auch nichts am großen Unterhaltungswert von „G.O.A.T.“. Denn selbst wenn sich die Autoren Aaron Buchsbaum und Teddy Riley – ausgehend vom Kinderbuch „Funky Dunks“ – deutlich an die Vorbilder anlehnen, verpasst Regisseur Tyree Dillihay („Bob's Burgers“) dem Geschehen doch immer einen ganz eigenen, nicht einfach nur das „Spider-Verse“ kopierenden Dreh.
So erinnert das von anthropomorphen Tieren bevölkerte Vineland zwar grundsätzlich an „Zoomania“, jedoch sieht die überwuchert-heruntergekommene Dschungelmetropole eher wie die verlassenen Städte aus post-apokalyptischen Stoffen wie „The Last Of Us“ aus. Nur mit dem Unterschied eben, dass Vineland äußerst lebendig ist – eine wahrlich einzigartige Ästhetik! Und später sehen wir, dass bei den Teams in anderen Klimazonen etwa Stalaktiten von der Decke stürzen oder das Spielfeld in Eisschollen zerbricht. Auch bei den Roarball-Spielen ist also für jede Menge Abwechslung gesorgt.
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Dazu treiben Dillihay und Co. das aus „Zoomania“ bekannte Spiel mit den tierischen Größenunterschieden auf die Spitze. Ähnlich wie Hasenpolizistin Judy Hopps ist Will (vermeintlich) zu klein für seinen Traumberuf, was durch Kameraperspektiven, den ständigen Einsatz des verzerrenden Fischaugeneffekts sowie Zusammenstöße in Superzeitlupe noch einmal besonders betont wird. Der überdrehte visuelle Stil kommt auch dem Humor des Films zugute. So ist „G.O.A.T.“ größtenteils wirklich sehr witzig, wenn etwa Pantherin Jett zum Abschalten Popballaden hört, deren Text nur aus Miauen besteht …
… oder die Zwillinge von Wills Nashorn-Mitspieler Archie (David Harbour) dem Nasenaffen-Coach Dennis (Patton Oswalt) einen wirklich üblen Streich spielen. Und Komodowaran-Spieler Modo (Nick Kroll) stiehlt sowie jede Szene, egal, ob er seine frisch abgelegte Haut anstatt eines Trikots ins Publikum wirft – oder einen wahrhaft wahnwitzigen Tanz mit einem Fabergé-Ei hinlegt.
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Mit seinen omnipräsenten Tier-Wortspielen schießt der Film insgesamt aber doch deutlich übers Ziel hinaus – und kommt so, um im Ton zu bleiben, auch nicht ganz ungeschoren davon. Nach dem Vorbild des deutschen Untertitels „Bock auf große Sprünge“ werden dem Publikum ständig Sprüche von „im Hufumdrehen“ über „das hat Tatze und Fuß“ bis hin zu „ich schnabel doch nur, was alle denken“ um die Ohren gehauen, was sich aber ziemlich schnell abnutzt.
Und je weniger über das sehr offensive Product-Placement (und zwar nicht nur für Sony-Produkte) sowie die streckenweise peinlichen Versuche, die deutsche Jugendsprache abzubilden, gesagt wird, desto besser. (K)Eine gute Idee für ein Trinkspiel: Jedes Mal einen Shot, wenn jemand im Film das Jugendwort 2025 (nämlich „das crazy“) ausspricht.
Fazit: Lieber gut geklaut als schlecht selbst gemacht! Die Vorbilder von „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ sind klar zu erkennen, doch dank der hohen Gag-Trefferquote und seinem sehr eigenen visuellen Flair macht der Film trotzdem eine Menge Laune.
PS: Leider konnte ich meine Tochter nicht wie geplant mitnehmen, doch die anwesenden Kinder in der Pressevorführung zu „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ haben immer dann am lautesten gelacht, wenn es um Memes und Internetvideos ging – und am Schluss gab es Applaus.