"Der Film, auf den ich am meisten stolz bin": Denzel Washington bedauert seit 26 Jahren, dass dieses oscarnominierte Biopic im Kino untergegangen ist
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: vom obskuren 70er-Jahre-Horrorfilm über Kunstfilme von Chantal Akerman bis hin zum neuesten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Um die Jahrtausendwende erhielt Denzel Washington für ein biografisches Sport- und Gefängnisdrama seine vierte Oscar-Nominierung. An den Kinokassen ging der Film aber unter – sehr zum Leidwesen des „The Equalizer“-Stars.

Universal Pictures

Ein großer Name auf dem Plakat ist noch längst kein Garant dafür, dass ein Film beim großen Publikum Anklang findet. Das musste auch Denzel Washington schon mehrmals schmerzlich erfahren: Bis auf eine Ausnahme fielen so sämtliche seiner bisher vier Regiearbeiten an den Kinokassen durch (obendrein gab es für sein Regiedebüt einen bösen Verriss von Stephen King).

Und auch ein Film, der Washington ganz besonders am Herzen liegt, traf nicht auf die Resonanz, die sich der „Gladiator 2“-Star gewünscht hätte: Die Rede ist von „Hurricane“, der 1999 unter der Regie von Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“, „Mondsüchtig“) in die US-Kinos kam. Washington verkörpert in dem Biopic den Boxer Rubin Carter, der im Jahr 1966 zu Unrecht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

„Hurricane“ erhielt überwiegend positive Kritiken, doch rankten sich um ihn auch einige Kontroversen. Um die antirassistische Botschaft des Films in den Vordergrund zu rücken und Carter als möglichst unbescholten darzustellen, nahmen sich die Macher einige erzählerische Freiheiten. So wird in einer frühen Szene die Behauptung aufgestellt, Konkurrent Joey Giardello habe seinen Sieg im Titelkampf gegen Carter einer rassistischen Jury zu verdanken. Das wollte der Boxer nicht auf sich sitzen lassen – und er verklagte die Produzenten, wobei der Streit außergerichtlich beigelegt wurde.

Es wird allerdings gemunkelt, dass die Negativschlagzeilen Washington seinen Oscar gekostet haben könnten (was er der Academy bis heute übel nimmt). Zuvor gewann er bereits einen Silbernen Bären auf der Berlinale sowie einen Golden Globe – bei den Academy Awards unterlag er aber Kevin Spacey („American Beauty“). Zudem konnte „Hurricane“ am weltweiten Box Office nur magere 74 Millionen US-Dollar erwirtschaften – angesichts eines Budgets von 50 Millionen viel zu wenig.

"Hurricane": Einer der zwei Filme, auf die Denzel Washington besonders stolz ist

Washington bedauert bis heute, dass der Film vor mehr als 25 Jahren so untergegangen ist – und er hat auch einen Schuldigen gefunden: „Das Studio hat den Film nicht richtig veröffentlicht“, so der „The Equalizer“-Star im Interview mit Total Film. „Er wurde begraben. Sie haben zu sehr versucht, ihn für die Oscars zu positionieren, und das hat dem Film geschadet.“

Abgesehen von Washingtons unbestreitbar kraftvoller Performance wurde „Hurricane“ von der Academy ignoriert, während die Studio-Verantwortlichen davon ausgingen, sich im Hinblick auf die bevorstehende Award-Saison groß angelegte Werbemaßnahmen sparen zu können. Ein Plan, der wohl nicht nur zum Leidwesen des Hauptdarstellers nach hinten losging.

„[...] Ich denke, es ist einer dieser Filme, deren Ruf mit der Zeit zunehmen werden“, meint Washington. „Es ist der Film, auf den ich am meisten stolz bin, gleichauf mit ‚Malcolm X‘. Ich glaube, Regisseur Norman Jewison war noch viel frustrierter als alle anderen. Er war sehr stolz auf seine Arbeit, was er auch sein sollte, und er fühlte sich von den Marketing-Leuten betrogen.“

Übrigens: Denzel Washington ist längst nicht auf alle seine Filme stolz. Im Gegenteil: Laut eigenen Aussagen hat er sogar in „ein paar echten Schrottfilmen“ mitgespielt. Um welche es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Ich habe ein paar echte Schrottfilme gemacht": Denzel Washington spricht über die schlechteste Phase seiner Karriere

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren