Dean DeBlois ist nicht nur der Regisseur des „Drachenzähmen leicht gemacht“-Realfilms, er ist auch einer der beiden Regisseure des animierten Originals aus dem Jahr 2010. Als wir DeBlois anlässlich des Live-Action-Remakes zum Interview getroffen haben, wollten wir daher direkt wissen, wie es für ihn war, dieselbe Geschichte noch einmal zu erzählen – nur halt in einem anderen Medium.
Außerdem sprechen wir mit DeBlois über die fantastische Filmmusik von John Powell, die ebenso fantastischen Computereffekte – sowie über Ende und Abspannszene und was sie über den bereits angekündigten „Drachenzähmen leicht gemacht 2“-Realfilm verraten.
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FILMSTARTS: Der neue „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist dem animierten Original in Bezug auf Geschichte, Charaktere, Dialoge und alles andere ziemlich ähnlich. Trotzdem sind die einzelnen Szenen sehr unterschiedlich aufgebaut. Wie unterscheidet sich die Regie eines animierten Films und von der eines Live-Action-Films?
Dean DeBlois: Bei der Animation kontrollieren wir alles von Anfang bis Ende, und einschließlich der Darstellungen. Selbst nachdem wir unsere Schauspieler aufgenommen haben, schneiden wir die Zeilen oft auseinander und setzen unsere Lieblingsteile zusammen. Es wird also alles manipuliert, alles vollständig kontrolliert.
Aber was ich bei dere Entstehung dieses Films festgestallt habe: Du leistest die gleiche Menge an Vorarbeit, aber sobald die Kameras laufen, gibt es eine Art von Alchemie, eine Art von Magie, die entsteht, wenn du die Szene den Schauspielern überlässt. Und du hörst auf, alles zu kontrollieren, und du lässt die Schauspieler ihre Charaktere voll und ganz verkörpern und das Zusammenspiel und den Rhythmus der Szene herausfinden, und wo die Pausen sind, und ob Dialoge in manchen Fällen überhaupt notwendig sind, oder vielleicht entsteht spontan eine neue Dialogzeile. Viel nonverbale Kommunikation.
Es ist wunderbar, das zu beobachten, und wenn du ausreichend vorbereitet bist, bist du in der Lage, deinen Plan anzupassen und die Kameras an die richtige Stelle zu bringen, die Lichter zu verschieben, eine andere Inszenierung der Szene zu ermöglichen.
Man reagiert auf das, was die Schauspieler tun. Wenn du die Rollen gut besetzt hast und sie voll engagiert sind, entsteht einfach Magie. Und es war wunderbar für mich, weil ich erkannte, dass ich mich im Grunde einfach nur zurückzulehnen und versuchen muss, das Geschehen nicht zu stören. Aber dabei natürlich sicherzustellen, dass wir es einfangen.
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FILMSTARTS: Wo wir schon über deine Erfahrung am Set sprechen: Wie war es für dich persönlich, quasi denselben Film noch einmal zu drehen? War es für dich die Möglichkeit, etwas zu ändern, was du am Original schon immer ändern wolltest?
Dean DeBlois: Ja, absolut. Ich lebe mit einer Liste von Dingen, die ich bedauere, und zwar aus jedem Film, an dem ich gearbeitet habe. Dinge, die ich gerne korrigiert hätte. Oder bei denen ich im Nachhinein einen Moment der Klarheit hatte und dachte: Das wäre so viel besser gewesen!
Also ja, ich sah es als Gelegenheit, die Geschichte, die besten Teile der Geschichte, nicht nur in einem neuen Licht zu präsentieren, mit all der Reife und der geerdeteren Textur einer Realfilm-Umsetzung. Aber es gab auch Momente, in denen ich zurückgehen und ein bisschen mehr erforschen und ein bisschen mehr Charaktertiefe geben konnte. Zum Beispiel Astrid, die im animierten Film eher eine Skizze einer Figur ist. Hier konnten wir ihr einfach ein bisschen mehr geben, einen tieferen Sinn für Ehrgeiz und einen Handlungsbogen. Dasselbe gilt für die Vater-Sohn-Beziehung, hier konnten wir ebenfalls etwas tiefer gehen, sie resonanter machen.
Aber auch in Bezug auf die Mythologie erklären, warum dieser Kriegerstamm überhaupt auf dieser Insel ist. Was hat sie dorthin gebracht? Warum sind sie nicht gegangen? Es erlaubte uns also, uns dieser Idee zu öffnen: Da Wikinger weit gereist sind, haben sie vielleicht die allerbesten Drachenjäger aus allen Regionen gesammelt, in die sie gingen. Vielleicht waren Drachen überall ein Problem.
Es ist also eine gemeinsame Anstrengung, diese Eingreiftruppe zusammenzustellen, die sich auf einer Insel wiederfindet, von der sie wissen, dass sie nur einen Steinwurf von einem wichtigen Drachennest entfernt ist. Nur haben sie es mehrere Generationen später nicht gefunden und jeder ist bereit, das Handtuch zu werfen und nach Hause zu gehen. Das macht das Ganze spannender und sorgt dafür, dass sich die Welt größer anfühlt, die ich sowieso liebe.
Das sind alles subtile Ergänzungen, aber für mich fühlen sie sich einfach ein bisschen gründlicher und durchdachter an. Ich habe also die Gelegenheit begrüßt, diese in diese Version einfließen zu lassen und noch alles zu steigern. Jede Gelegenheit, die wir für aufregende Action hatten oder bei der wir tiefer in Szenen eintauchen konnten, die wir im Animationsfilm nur angedeutet hatten. Oder auch mal Szenen aus dem Animationsfilm zu streichen, die wir nicht mehr brauchen.
Die Filmmusik und die Dracheneffekte
FILMSTARTS: Eine meiner größten Sorgen vor dem neuen „Drachenzähmen leicht gemacht“ war, ob John Powells Musik aus dem Original wiederverwendet würde. Und ich bin sehr froh, dass das der Fall ist. Wie läuft der Prozess der Wiederverwendung, Anpassung und Erweiterung einer existierenden Filmmusik ab?
Dean DeBlois: Nun, John Powell hatte die gleiche Herausforderung wie ich. Er war der erste, den ich anrief, nachdem Studio Universal mit mir darüber gesprochen hatte. Ich wollte keine Version von „Drachenzähmen leicht gemacht“ von jemand Anderem sehen. Wenn sie es schon machen, wollte ich derjenige sein, der den Film schreibt und inszeniert, weil ich bewahren konnte, was daran funktioniert, und ich weiß, wo das Herz des Films schlägt.
Und ganz ähnlich wollte ich den Film nicht ohne John Powell machen, weil er mit seiner Musik so viel zur Erzählung beisteuert. Er orientiert sich als Komponist sehr an der Geschichte. Als ich mit ihm sprach, sah er dasselbe Potenzial in einem Realfilm-Remake: Wenn wir es richtig machen und mit Liebe und Respekt machen, können wir bestehenden Fans die Nostalgie bieten, aber vor allem können wir die Geschichte einer ganz neuen Generation von Fans eröffnen, die sich vielleicht nicht für den Animationsfilm interessiert haben, oder ihn aus welchen Gründen auch immer verpasst haben.
Und er erkannte, dass auch er etwas neu machen muss, das von seinem Publikum sehr geliebt wird, aber es mit etwas mehr Reife und etwas mehr Umfang und auch einigen neuen musikalischen Motiven tun muss. Es gab also für ihn die Möglichkeit, erfinderisch zu sein und doch etwas zu überarbeiten, quasi seine größten Hits.
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FILMSTARTS: Ich war sehr beeindruckt von den visuellen Effekten im Film, denn mir ist kaum eine Szene mit ausgereiften oder nicht überzeugenden Effekten aufgefallen. Wie habt ihr das geschafft? Hat das animierte Original dabei eine Rolle gespielt, quasi als eine Art Pre-Visualization?
Dean DeBlois: Zum ersten Teil deiner Frage: Am ersten Tag, als wir uns mit [VFX-Studio] Framestore, unserem Visual Effects Supervisor Christian Mänz und unserem Animations-Supervisor Glen McIntosh von ILM getroffen habe, habe ich gesagt: Was auch immer wir tun, egal wie weit wir ins Hintertreffen geraten, wir können diesen Film nicht mit einer einzigen Aufnahme veröffentlichen, die das Publikum herausreißt, denn dann haben wir die Illusion verdorben. Das war unser Mantra.
Und dann zum zweiten Teil: Ja, wir hatten in vielerlei Hinsicht eine Ausgangsbasis mit dem Animationsfilm, da wir ihn wie eine sehr raffinierte Pre-Visualization behandeln konnten. Doch weil die Insel Berk so einzigartig ist, sie basiert tatsächlich auf einer echten Insel aus den Färöer-Inseln namens Tindhólmur, unterscheiden sich unsere digitalten Umgebungen vom Animationsfilm. Wir mussten also alles neu überarbeiten, mit neuen Kamerapositionen und neuer Choreografie.
Aber unsere Absicht war von Anfang an, etwas abzuliefern, das nahtlos wirkt. Man soll also nicht wissen, ob wir es vor Ort gedreht haben oder ob es digital ist, aber die Drachen mussten immer überzeugend sein.
"Drachenzähmen leicht gemacht 2" und die Post-Credit-Szene
FILMSTARTS: Ein zweiter „Drachenzähmen leicht gemacht“-Realfilm wurde bereits angekündigt und du wirst auch diesen inszenieren. Können wir einen ähnlichen Ansatz erwarten? Wird er sich so eng an dem zweiten Animationsfilm orientieren, wie dieser an dem ersten Animationsfilm?
Dean DeBlois: Das Einzige, worauf ich wirklich gespannt bin, ist, wie die Treue zum Original vom Publikum aufgenommen wird. Während ich noch ganz am Anfang bin und am Drehbuch zur Fortsetzung arbeite, versuche ich, mich an die besten Teile des zweiten Animationsfilms zu halten und auch Dinge zu korrigieren, die mir nicht so gut gefallen haben oder die ich besser hätte machen können. Aber wenn die Reaktion der Fans ist: Wir wünschen uns wirklich, dass es in eine neue Richtung geht oder die Fortsetzung einen Teil der Geschichte erforscht, der in den Animationsfilmen nicht vorkam, kann ich immer noch darauf umschwenken.
Es geht eher darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die Leute die Werktreue mögen, also dass wir die Geschichte im neuen Medium Realfilm mit Erweiterungen und Ergänzungen erzählt haben, oder nicht. Und ich versuche, so offen und flexibel wie möglich zu bleiben, solange ich noch die Finger auf der Tastatur habe.
FILMSTARTS: Es gibt eine Post-Credit-Szene im Film, die aber nicht allzu viel über die Pläne für die Fortsetzung verrät. Was war die Idee hinter diesem sehr kurzen Moment ganz am Ende? Gab es jemals einen Plan, eine längere Post-Credit-Szene zu machen? Ich habe zum Beispiel bemerkt, dass Hicks' Mutter Valka im Film namentlich erwähnt wird, die im zweiten Teil eine wichtige Rolle spielt...
Dean DeBlois: Sprichst du vom Herumfliegen am Ende des Films?
FILMSTARTS: Ganz am Schluss gibt es eine Aufnahme des Notizbuches mit einer Skizze von Ohnezahn...
Dean DeBlois: Oh, ja, ja. Okay. Das war ehrlich gesagt nur ein Punkt am Ende des „Buch der Drachen“-Segments. Viel wichtiger ist der erste Teil der Credits, wo du ein Gefühl für Hicks' weitere Erkundungen bekommst. Er sitzt jetzt auf dem Rücken eines Drachens, und die Welt steht ihm offen. Damit bereiten wir den zweiten Film ein bisschen vor. Da sich die Karte in alle Himmelsrichtungen ausdehnt, wird er zwangsläufig auf irgendeine Art von Konflikt stoßen. In diese Richtung geht das, aber mehr steckt nicht dahinter. Es ist nur ein kleiner Vorgeschmack.
„Drachenzähmen leicht gemacht“ läuft ab dem 12. Juni 2025 in den deutschen Kinos.