Diesen Actionthriller hat Clint Eastwood bitter bereut: "Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es das wirklich wert war"
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Liebt es, wenn Filme in Bewegung sind – und bekommt von (guten!) Action-Filmen deshalb niemals genug. „Speed“ hat seine Leidenschaft für Action-Kino einst entfacht, und durch Filme wie „Ambulance“ oder „RRR“ lebt sie weiter.

Vor 50 Jahren übernahm Clint Eastwood sowohl Regie als auch Hauptrolle bei einem Actionthriller à la „Cliffhanger“. Die Dreharbeiten erwiesen sich dabei als deutlich schwieriger als gedacht...

Wer an Clint Eastwood denkt, hat wahrscheinlich zuallererst seine zahlreichen Western-Rollen im Kopf – von Sergio Leones berühmter Dollar-Trilogie bis hin zum von ihm selbst inszenierten, mit vier Oscars ausgezeichneten Genre-Abgesang „Erbarmungslos“.

Doch auf ihre Revolverhelden-Rollen reduzieren sollte man die lebende Hollywood-Legende, die erst kürzlich ihren 95. (!) Geburtstag gefeiert hat, auf keinen Fall. So hat Eastwood als Regisseur auch Psychothriller („Sadistico“), epische Biopics („Bird“), berührende Melodramen („Die Brücken am Fluss“), Sci-Fi-Komödien („Space Cowboys“) und Musicals („Jersey Boys“) verantwortet. 1975 wiederum drehte er einen Bergsteiger-Actionthriller, den man als eine Art Vorgänger zu dem rund zwei Jahrzehnte später entstandenen Sylvester-Stallone-Kracher „Cliffhanger“ betrachten kann: „Im Auftrag des Drachen“.

Im Auftrag des Drachen
Im Auftrag des Drachen
Starttermin 22. August 1975 | 2 Std. 00 Min.
Von Clint Eastwood
Mit Clint Eastwood, George Kennedy, Jack Cassidy
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
2,9
Filmstarts
3,5

Eastwood führte dabei nicht nur Regie, sondern übernahm auch die Hauptrolle des Kunstprofessors und ehemaligen Profikillers Dr. Jonathan Hemlock. Eines Tages holt ihn die geheime Regierungsorganisation, für die er einst gearbeitet hat, aus dem Ruhestand zurück: Hemlock soll den Mörder eines Kollegen zur Strecke bringen – und das ausgerechnet im gefährlichen Hochgebirge der Schweizer Alpen...

„The Eiger Sanction“ (so der englische Originaltitel) „[fasziniert] trotz Mängeln in der Story […] als harter Agenten-Thriller, der auf spektakuläre Schauwerte setzt“, heißt es in der offiziellen 3,5-Sterne-Kritik auf FILMSTARTS. Auch am Box Office erzielte er ein solides Ergebnis. Doch Eastwood hatte ursprünglich überhaupt keine Lust auf den Film, dessen Drehbuch er für bestenfalls durchwachsen hielt. Für ihn sollte „Im Auftrag des Drachen“ nicht mehr als eine unkomplizierte Möglichkeit sein, seinen Vertrag bei Universal Pictures zu erfüllen und zu Warner Bros. zu wechseln – jenem Studio, das bis heute seine Filme ins Kino bringt.

Doch unkompliziert war an dem Projekt rein gar nichts. Im Gegenteil: „Im Auftrag des Drachen“ sollte Eastwoods einzige Regiearbeit bleiben, die den „Juror #2“-Regisseur an einen Punkt brachte, an dem er ernsthaft darüber nachdachte, inmitten der laufenden Dreharbeiten das Handtuch zu werfen. „Es war ein sehr schwieriger Film“, gab Eastwood in einem Interview zu Protokoll (via Far Out Magazine). „Besonders die Bergsteigerszenen stellten enorme Herausforderungen dar.“

Die Dreharbeiten wurden von einer Tragödie überschattet

Der „Dirty Harry“-Darsteller bestand darauf, einen Großteil seiner Kletter- und Stuntszenen selbst zu drehen – und überwarf sich immer wieder mit seinen Geldgebern, die seinen Plänen skeptisch gegenüberstanden. Nicht ganz zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte. Denn Eastwood selbst ist beim Dreh zwar nichts passiert. Doch nach nur einer Woche kam Crew-Mitglied David Knowles ums Leben, der bei Aufnahmen in der Eigernordwand von einem herabstürzenden Felsbrocken erschlagen wurde.

„Am siebten Drehtag verloren wir einen unserer Bergsteiger“, erinnert sich Eastwood. „Und glauben Sie mir, ich habe mich immer wieder gefragt, ob es das wirklich wert war.“ Immer wieder dachte der zweifache Oscar-Preisträger (u.a. „Million Dollar Baby“) darüber nach, „Im Auftrag des Drachen“ abzubrechen – was ihm als Hauptdarsteller, Produzent und Regisseur auch ohne Weiteres möglich gewesen wäre.

Doch es waren schließlich die Kletterkollegen des verstorbenen Knowles, die Einspruch erhoben – schließlich wären sie mit den Risiken vertraut gewesen, und sein Tod wäre noch bedeutungsloser, wenn der Film, für den er gestorben war, nicht einmal fertiggestellt würde. Eastwood machte also weiter – auch wenn er sich womöglich von Vornherein gegen den Film entschieden hätte, wenn ihm klar gewesen wäre, welche Strapazen er damit tatsächlich auf sich nehmen würde...

Bei einem anderen Film wollte Eastwood ebenfalls vom Set flüchten. Um welchen Western es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Clint Eastwood hasst diesen Western so sehr, dass er fast vom Filmset geflüchtet wäre

*Bei diesem Link zu WOW handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Das könnte dich auch interessieren