Kein Scherz! Diese Szenen mussten aus "Superman" geschnitten werden, um den DC-Hit in die indischen Kinos bringen zu können
Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Kino aus aller Welt ist wie reisen, ohne vom Sofa aufzustehen. Fremde Kulturen und neue Sichtweisen – davon kann man nie genug haben.

Mit einer Laufzeit von ungefähr zwei Stunden ist „Superman“ bereits deutlich kürzer als das Gros der Blockbuster aus Indien. Im Zuge der Auswertung im bevölkerungsreichsten Land der Welt wurde der DC-Blockbuster jetzt aber sogar noch kürzer gemacht…

Filme aus Indien gehen gut und gerne mal drei Stunden oder länger, das ist nichts Ungewöhnliches. Doch während auch Hollywood-Blockbuster immer häufiger an der Überlänge kratzen, fällt „Superman“ mit einer Laufzeit von 129 Minuten noch vergleichsweise kurz aus. Und ausgerechnet in Indien wurde vor Kinostart nun sogar noch einmal extra die Schere angesetzt. Falls ihr für „Superman“ schon im Kino wart: Habt ihr eine Idee, welche Szenen der indischen Zensurbehörde ein Dorn im Auge gewesen sein könnten?

James Gunn kann und will seine Herkunft als Filmemacher mit Troma-Herkunft gar nicht leugnen und zelebriert diese nicht nur in seinen frech-fiesen, abgefahrenen Frühwerken „Super - Shut Up, Crime!“ und „Slither“, sondern nimmt auch in seinen großen Hollywoodfilmen – für das breite Mainstream-Publikum ein wenig abgeschwächt – immer wieder Bezug auf seine Exploitation-Vergangenheit. In Indien wurde ihm nun unter anderem das zum Verhängnis…

Keine Mittelfinger für Indien

Eine ausufernde Gewaltorgie lässt Gunn in seinem von der FSK ab 12 Jahren freigegebenen Superhelden-Kracher freilich nicht von der Leine, doch die Szene, in der der von Nathan Fillion gespielte Guy Gardner mit seinem mächtigen Ring einen Mittelfinger formt, stieß in Indien auf wenig Begeisterung.

Also wurde sie kurzerhand angepasst: Grünes Licht erteilte man erst, als man daraus einen Fist Bump machte. Wie unter anderem Bollywood Hungama berichtet, sei jene obszöne Geste eine von mehreren gewesen, die es in den indischen Kinos nicht zu sehen gibt.

Auch Küsse sind nicht gern gesehen

Zudem ist hinlänglich bekannt, dass Küsse bei den indischen Freigabebehörden einen besonders schweren Stand haben. In Filmen drücken Figuren so gerne anderweitig ihre Gefühle füreinander aus, beispielsweise durch Tänze.

So überrascht es am Ende nicht, dass es auch gleich zwei Küsse zwischen dem von David Corenswet gespielten Titelhelden und Lois Lane (Rachel Brosnahan) erwischt hat, sodass das indische Central Board Of Film Certification (CBFC) in Summe gut 41 Sekunden aus dem Film entfernte. Das bedeutet, dass das indische Publikum unter anderem auch besonders schönen, weil emotionalen Momenten beraubt wird.

Nicht zuletzt auch im Vergleich mit Filmen wie etwa „Animal“, der aufgrund verachtenswerter misogyner Inhalte in der Kritik stand, am Ende aber dennoch die nötigen Kriterien erfüllte, um mitsamt fragwürdiger Elemente erscheinen zu können, werden derartige Einschnitte wie nun bei „Superman“ skeptisch gesehen. Das zeigt sich auch in zahlreichen Beiträgen in den sozialen Medien:

Vielerorts im Netz wird kritisiert, dass dahingehend, was dem Publikum zugemutet werden kann, mit zweierlei Maß gemessen wird. Gerade in Anbetracht der Macht, die Social Media mittlerweile genießt, darf man wohl gespannt darauf sein, ob dies auf lange Sicht vielleicht tatsächliche Auswirkungen auf künftige Altersfreigaben in Indien haben könnte.

Was sich James Gunn dabei dachte, im ersten Kinofilm des neuen DC Universe auch so schrullige Außenseiter Figuren wie den erwähnten Guy Gardner ins Rampenlicht zu rücken, der gemeinsam mit Hawkgirl (Isabela Merced) und Mr. Terrific (Edi Gathegi) die Justice Gang bildet, hat uns der Regisseur und Autor – neben jeder Menge weiterer spannender Hintergründe zum Film – im Interview verraten:

"Auf einmal taucht dieser Typ auf, der seine Unterhose außen trägt": "Superman"-Regisseur James Gunn im FILMSTARTS-Interview

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