Dieser Historienfilm mit "Oppenheimer"-Star Cillian Murphy gewann einen der wichtigsten Kinopreise der Welt – doch heute ist er fast vergessen!
Dobrila Kontic
Dobrila Kontic
-Freie Autorin
Zu Dobrilas Lieblingsfilmen gehört Düster-Melancholisches ("Donnie Darko") bis Dystopisches ("Children Of Men"), aber schwarzhumorigen Komödien und Satiren kann sie auch viel abgewinnen.

Mit „The Wind That Shakes The Barley“ ist dem britischen Regisseur Ken Loach ein seinerzeit kritisch rezipiertes Historien- und Kriegsdrama gelungen, das man heute leider kaum noch zu Gesicht bekommt.

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist Cillian Murphy als Schauspieler aktiv und arbeitete mit so namhaften Regisseuren wie Danny Boyle („28 Days Later“), Wes Craven („Red Eye“) und Christopher Nolan zusammen. Doch erst seit wenigen Jahren ist sein Name wirklich in aller Munde: Seine Oscar-prämierte Darbietung in „Oppenheimer“ hat die Karriere des irischen Schauspielers in ungeahnte Höhen katapultiert und lässt inzwischen alle aufhorchen, wenn er auf der Besetzungsliste eines kommenden Films steht.

Zugleich steigt aber auch das Interesse an Cillian Murphys Performances in bislang vielleicht übersehenen Filmen – und siehe da: In seinem Back-Katalog findet sich ein Drama, das 2006 sogar die begehrte Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes gewonnen hat, aber heute fast vergessen scheint. Die Rede ist von Ken LoachsThe Wind That Shakes The Barley“.

Noch kämpfen sie gemeinsam: Tommy (Pádraic Delaney) und sein Bruder Damien (Cillian Murphy) Diaphana
Noch kämpfen sie gemeinsam: Tommy (Pádraic Delaney) und sein Bruder Damien (Cillian Murphy)

Vom gemeinsamen Kampf zum folgenreichen Zerwürfnis

Das Kriegs- und Historiendrama setzt in Irland im Jahr 1920 an: Damien O'Donovan (Cillian Murphy) will sein Dorf im County Cork verlassen, um in London als Arzt zu praktizieren. Zum Unmut seines Bruders Tommy (Pádraic Delaney): Dieser kämpft nämlich in der Irish Republican Army (IRA) für die Unabhängigkeit Irlands und gegen die verhasste britische Besetzung.

Als Damien jedoch wiederholt Zeuge wird, mit welcher Brutalität die aus Großbritannien entsandte paramilitärische Einheit der Black and Tans den irischen Aufstand niederschlägt, verwirft er seinen Plan von einer friedlichen Zukunft in England und schließt sich der Brigade seines Bruders an.

Mit bewaffneten Guerilla-Aktionen leisten Tommy und Damien fortan erbitterten Widerstand gegen die britischen Einheiten und erleben Gefangenschaft, Folter und Exekutionen aus nächster Nähe mit. Als der Krieg im Dezember 1921 mit dem anglo-irischen Vertrag enden soll, sind sich Damien und Tommy uneinig, ob hiermit ihre Ideale von einem freien und sozialen Irland erfüllt oder verraten werden. Der darüber entstehende Bruderzwist hat tragische Folgen…

Leider ist es hierzulande gar nicht so einfach, „The Wind That Shakes The Barley“ zu schauen. Keiner der hiesigen Streaminganbieter hat den Film aktuell im Programm, der sich aber zumindest als DVD erwerben lässt, etwa über MediaMarkt:

Zwischen Lob und Polemik

Obgleich „The Wind That Shakes The Barley“ zunächst Lob für die Darbietungen des Ensembles, allen voran Cillian Murphy, für die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen von Kameramann Barry Ackroyd und die Bearbeitung eines historisch brisanten Stoffes durch Loach und seinen langjährigen Kollaborateur und Drehbuchautor Paul Laverty erhielt, kam der Gewinn der Goldenen Palme von Cannes 2006 eher überraschend.

Loach, gemeinhin für seine kritischen Sozialdramen und eine unnachgiebige Haltung gegenüber der britischen Regierung bekannt, äußerte in seiner Dankesrede die Hoffnung, sein Film könne vielleicht einen „kleinen Schritt für die Briten im Umgang mit ihrer imperialen Vergangenheit“ darstellen, wie die New York Times berichtete.

Teile der britischen Presse waren dazu aber keineswegs bereit: Über „The Wind That Shakes The Barley“ ergoss sich mitunter harsche Polemik. So fragte sich die Daily Mail laut, warum dieser britische Regisseur sein Heimatland so sehr verabscheue, während die Times gar Parallelen zwischen Loach und Propaganda-Filmerin Leni Riefenstahl (!) zog. Zum Gück waren seriöse Filmrezensenten einer objektiveren Betrachtung des Films fähig, der viel Würdigung erhielt: Auf dem Review-Aggregator Metacritic kommt „The Wind That Shakes The Barley“ auf einen herausragenden Wert von 82 und trägt die Auszeichnung „Metacritic Must See“.

Übrigens hat Cillian Murphy auch in einem Biopic mitgespielt, das aber tatsächlich NIRGENDS zu sehen ist. Was dahintersteckt, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Vor "Oppenheimer" hatte Cillian Murphy die Hauptrolle in einem anderen Biopic: Aber der Film liegt bis heute ungezeigt im Giftschrank!

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