Opulente Sets, modernste Technologien und jede Menge Profis, die alle ihre eigene Aufgabe haben – und dabei wie die Zahnräder eines Schweizer Uhrwerks perfekt ineinandergreifen: Ja, Filmstudios sind der Ort, an dem Kinomagie entsteht. Doch auch fernab der künstlich geschaffenen Realität der großen Hollywood-Produktionsschmieden gibt es Wunder auf unserer Erde, die erlebt und bestaunt werden wollen. Für „Predator: Badlands“ bringen Regisseur Dan Trachtenberg und sein Team nun gewissermaßen das Beste aus beiden Welten zusammen.
Bevor wir uns unter anderem dem Mix aus digitalen und praktischen Effekten widmen, mit dem der Film ein Stück weit in die Fußstapfen der „Planet der Affen“-Saga treten soll, wollen wir zunächst einmal auf seinen spektakulären Drehort eingehen. Denn der neue „Predator“ wurde in Neuseeland gedreht – und wir sind einmal um die Welt gereist, um buchstäblich in die „Badlands“ abzutauchen...
Neuseeland: Mehr als nur ein Drehort
Geysire und Kiwis, Mittelerde und Pandora: Ja, in Neuseeland leben nicht nur knapp fünfmal so viele Schafe wie Menschen, der Inselstaat am anderen Ende der Welt hat auch darüber hinaus jede Menge exotische Attraktionen zu bieten – und ist mit seinen malerischen, naturbelassenen Landschaften längst auch in Hollywood ein hoch angesehenes Ziel. Vor „Predator: Badlands“ wurde hier auch schon „Avatar“ gedreht, und für die „Herr der Ringe“-Trilogie Mittelerde zum Leben erweckt – wo FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian bei dieser Gelegenheit auch gleich mal vorbeigeschaut hat (siehe weiter unten).
Doch nicht nur Flora und Fauna drängen sich hier geradezu auf, in mystischen, fast schon außerweltlichen Bildern eingefangen zu werden. Wie uns Produzent Ben Rosenblatt kurz nach unserer Ankunft im Studio verrät, seien auch die Menschen vor Ort ausschlaggebend für die Wahl dieses so besonderen Drehorts gewesen. Man habe bereits vorab von dem Zusammenhalt in der neuseeländischen Film-Community gewusst, in der stets gemeinsam an einem Strang gezogen wird. So habe sich nicht nur die imposante Natur geradezu aufgedrängt, zum Schauplatz eines Alien-Planeten zu werden. „Die neuseeländische Kultur, mit ihrer Offenheit und Gutmütigkeit„ passe ebenfalls zu „Badlands“, wie die Faust aufs Auge.
2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Nachdem Trachtenberg mit seinem ersten Predator-Film „Prey“ ein Komantschen-Abenteuer im 17. Jahrhundert erzählte und in „Predator: Killer Of Killers“ gleich mehrere historische Epochen und Krieger*innen unter einen Hut brachte, verschlägt es ihn mit „Badlands“ nun in die ferne Zukunft – in der es ausnahmsweise mal NICHT zum Duell zwischen dem Kult-Alien und den Menschen kommt. Stattdessen steht mit Dek ein Predator im Zentrum des Geschehens, der von seinem Vater als Schwächling und von seinem Clan als Außenseiter gesehen wird. Auf einer waghalsigen Odyssee, auf der ihm (die ebenfalls nicht menschliche) Thia begleitet, will er sich nun jedoch endlich als würdig erweisen – und nicht nur seinem Volk, sondern auch sich selbst beweisen, dass er ein echter Predator ist.
In den Hauptrollen erwarten uns dabei Dimitrius Schuster-Koloamatangi als Dek sowie Elle Fanning, die neben Thia auch noch deren Counterpart Tessa spielt...
Wenn eine Hollywood-Legende einem die Tür aufhält…
Von allen Menschen, mit denen wir am Set von „Predator: Badlands“ zu tun hatten, brannte sich das vielleicht ikonischste Crewmitglied von allen ganz besonders in unser Gedächtnis: Alec Gillis gilt als Spezialeffekt-Koryphäe, prägte nicht nur von „Aliens - Die Rückkehr“ bis einschließlich „Alien: Romulus“ den Look des von H.R. Giger entworfenen, titelgebenden Xenomorphen, sondern trug auch maßgeblich zur Entwicklung und Umsetzung der Raketenwürmer aus „Tremors - Im Land der Raketenwürmer“ sowie der Bugs aus „Starship Troopers“ bei. Kurzum: Jeder Science-Fiction-Fan hat wohl schon in der einen oder anderen Form mit Gillis' Arbeit Bekanntschaft gemacht.
Er eroberte uns sowie die anderen Journalist*innen vor Ort mit seinen schrulligen, trocken erzählten Anekdoten im Sturm – angefangen von dem Besuch bei seinem Kollegen John Harvey im neuseeländischen Wellington, der ihm einfach eine riesige Waffe aus „Avatar“ reichte. Mit dieser, also quasi schwerbewaffent, führen dann die beiden über den Highway vom Flughafen dann in Richtung Set. Auch zu den teils katastrophalen, chaotischen Dreharbeiten des allerersten „Predator“-Films mit Arnold Schwarzenegger hat Gillis einige Erzählungen auf Lager. Denn er gehörte bereits zu einem Team, das zunächst noch an „Pumpkinhead“ arbeitete, bevor sein damaliger Chef – Effekt- und Make-up-Ikone Stan Winston – den Auftrag annahm, den „Ugly Motherfucker“ zu entwerfen, der es letztlich mit der steirischen Eiche zu tun bekam. Der erste Ansatz, dem Alien Gestalt zu verleihen, war bekanntlich für die Tonne – und damit auch die Verpflichtung von Jean-Claude Van Damme, der den außerirdischen Jäger zunächst spielen sollte.
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Vor allem aber hinterließ Alec Gillis Eindruck, weil er uns Journalist*innen praktisch den ganzen Tag begleitete. Der für zwei Oscars nominierte Meister seiner Zunft fuhr mit uns im Bus vom Hotel zum Set und war bereits auf dem Fahrt offen für jedes Gespräch, sodass er fast zu einem von uns wurde, noch bevor wir überhaupt das Studiogelände erreichten. Dort hielt er uns regelmäßig die Türen auf – und davon gibt es an einem Set eines Blockbusters ganz schön viele! – und folgte uns schließlich auf Schritt und Tritt. Die Begeisterung, die er dabei für die Arbeit der Produktions-, Kostüm- und Make-up-Designer zeigte, sprang spürbar auf alle Anwesenden über und gab einem immer wieder das Gefühl, dass hier gerade etwas ganz Besonderes am Entstehen ist.
Ein Predator, wie wir ihn noch nie gesehen haben
Gillis hat großen Anteil daran, wie der von Dimitrius Schuster-Koloamatangi gespielte Protagonist Dek und seine Artgenossen im Film aussehen – und ist sich dessen bewusst, dass er dabei auch ein gewisses Risiko einging. Denn er tüftelte mit Masken, Make-up und Animatronics herum und kam trotz „gutem Ergebnis“ zu dem Schluss, dass es eben „noch besser“ ginge. „Am Ende war ich es, der es aussprach und sagte: ‚Ich glaube, wir machen es besser, wenn wir es zusätzlich digital bearbeiten‘“, so der Amerikaner, der einst unter Roger Corman seine ersten Erfahrungen in der Filmbranche sammelte.
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„Als Künstler muss ich hinter meiner Kunst stehen. Aber ich muss meinem Regisseur auch ehrlich sagen, wenn ich der Meinung bin, dass es besser ist, ein anderes Werkzeug zu nutzen“, räumt Gillis ehrlich ein.
Dies sei nichts, das man auf die leichte Schulter nehmen würde. Doch letztlich habe man sich dafür entschieden, auf eine symbiotische Mischung aus praktischen und digitalen Effekten zu setzen – und damit „in die Richtung der neuen ‚Planet der Affen‘-Filme“ zu gehen. Nur so sei es am Ende möglich, vor allem Dek mehr Persönlichkeit zu verleihen.
Da wir es nun mal mit dem ersten Protagonisten der Yautja-Spezies in der Geschichte der „Predator“-Reihe zu tun haben, seien jene Hilfsmittel schlichtweg notwendig, um Emotionen darzustellen, wie wir sie bislang nicht von dem Kult-Alien kennen. Erstmals ist es an ihm, das Publikum nämlich auch emotional abzuholen – und das gehe eben bloß mit komplexer Mimik, die nur auf diesem Wege realisierbar sei.
Während die (bisherigen!) Hauptfiguren der Reihe eher hofften, einem Predator bloß nicht über den Weg zu laufen, hatten wir nicht nur das Glück, eine Begegnung mit einem Yautja zu überleben. Wir durften obendrein wohl auch den charmantesten Vertreter seiner Spezies kennenlernen.
Zugegeben: Wenn der hünenhafte Dimitrius Schuster-Koloamatangi voll kostümiert vor einem steht und einem mit bedrohlich-weißen Kontaktlinsen in die Augen (und man könnte meinen, auch in die Seele) blickt, ist das schon eine Erscheinung. Doch sobald der gebürtige Neuseeländer den Mund aufmachte, füllte er den Raum mit einer Aura, die ihresgleichen sucht.
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Ob er nun über sein Lieblingswaffe sprach (das Plasmaschwert – „weil es einfach so cool aussieht, nicht, weil es so verdammt schwer ist“), von seinem Vorsprechen erzählte, bei dem er noch nicht einmal wusste, für welchen Film er sich bewarb (und spontan in einer erfundenen Sprache reden musste) oder seine Bewunderung für seine Schauspielkollegin Elle Fanning kundtat, die jedes Wort im Skript hinterfragte und so am Ende einen entscheidenden Beitrag zum Feinschliff am Drehbuch leistete – der Hauptdarsteller schien trotz herausfordernder Dreharbeiten, als könnte ihm nichts und niemand etwas anhaben. Gut, vor den Dreharbeiten habe er mit Regisseur Dan Trachtenberg noch reichlich Jackie-Chan-Filme geschaut, um „dessen Lockerheit als Inspiration für die Actionszenen“ zu nutzen. Vielleicht machte er sich jene Unbeschwertheit aber auch gleich für allerhand Gelegenheiten abseits von blutrünstigen Metzelorgien und Plasma-Ballereien zunutze …
… und als er dann aus dem Stegreif auch noch etwas in der Sprache der Yautja zum Besten gab, hätte man ohnehin meinen können, tatsächlich einen Alien vor sich stehen zu haben – wäre da bloß nicht das Gesicht von Schuster-Koloamatangi, das zwischen all dem Latex und Make-up hervorragt. Mittels CGI wird darauf nämlich erst später die ikonische Fratze des legendären Aliens gesetzt.
Und was die Sprache der Yautja angeht: Von der werden wir auch im Film zu hören bekommen – denn auch ihr wird in „Predator: Badlands“ eine größere Rolle als je zuvor zuteil.
World-Building durch Sprache
Die kommunikative Bandbreite der Predatoren beschränkte sich bis dato auf einige wenige Laute sowie Schriftzeichen, die vor allem fies klingen und cool aussehen. Über Paul Farmer, den Kopf hinter der Sprache der Na'vi, kam schließlich Britton Watkins ins Spiel – um auch den Yautja eine Stimme zu verleihen. Basierend auf den bereits vorhandenen Fragmenten entwickelte er schließlich ein vollwertiges Konzept zur Kommunikation und Artikulation der Aliens.
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Das wirkt sich nicht nur auf die Dialoge der Yautja aus, sondern auch auf die Emotionen, die diese somit erstmals sowohl mimisch als auch sprachlich darstellen können. Wie uns Prop-Master Matt Cornelius erklärte, wirke sich das letztlich auch auf die allgegenwärtigen Runen der Spezies aus.
Auf den verschiedenen Waffen, die er uns präsentiert – von der legendären Schulterkanone über Granaten bis hin zu modularen Knarren und Schwertern, die sich je nach Bedarf mal so und mal so zusammensetzen lassen –, finden sich die unterschiedlichsten Schriftzeichen.Und auch wenn er selbst zugibt, keine Ahnung zu haben, was diese alle zu bedeuten haben, so seien sie doch nie zufällig und stets mit einer klaren Bestimmung versehen. Auf diese Weise soll ein Verständnis für die Kultur der Predator-Spezies entstehen, über die wir in „Badlands“ viel erfahren werden.
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"Das hier nennen wir den Trophäenraum"
Bevor es für uns dann wieder zurück auf die Erde... bzw. nach Hause ging – und zwar auf einen Heimweg, der letztlich über 70 Stunden dauern sollte und sich am Ende so anfühlte, als hätte man in dieser Zeit tatsächlich einen anderen Planeten besuchen können –, durften wir gemeinsam mit Produzent Ben Rosenblatt dann noch das Raumschiff betreten, dessen Bruchlandung quasi als Ausgangspunkt der Odyssee von Dek, Thia und Tessa (beide gespielt von Elle Fanning) dient.
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Während allerhand Crewmitglieder aus den verschiedensten Abteilungen kreuz und quer durch das gigantische Set laufen – alle mit einer exakten Vorstellung davon, was sie wie zu tun haben –, führt uns der Produzent durch das Raumschiffwrack. Bis wir schließlich an der Pforte zu einer Wand haltmachen, die uns direkt an „Predator 2“ erinnert. „Das hier nennen wir den Trophäenraum“, lässt uns Rosenblatt wissen.
Wir scannen den Bereich sorgfältig, kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus – und fragen schließlich vorsichtig: „Soll das alles schon vorab enthüllt werden? Oder gehört das zu den Überraschungen, die ihr für das Kinopublikum bereithaltet?“
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„Ja, dieser Ort ist perfekt, um Easter Eggs zu verstecken“, ließ er uns mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht wissen. Wie viel man davon aber schon im Trailer zeigen will, wisse man noch nicht. Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten: Die eine oder andere spannende Überraschung sowie Anspielung findet ihr bereits in der obigen Vorschau…
Welche Enthüllungen uns dann sonst noch so erwarten und wie diese am Ende zusammenlaufen, sehen wir dann ab dem 6. November im Kino. Abschließend hier noch der versprochene Schnappschuss unseres Abstechers ins Auenland:
Webedia GmbH / Daniel Fabian