Dieser bildgewaltige Klassiker hat Filmgeschichte geschrieben: Jetzt kehrt er in HD ins Heimkino zurück!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Eine der meistgelobten Schauspielleistungen eines Kino-Hauptdarstellers, gespenstische Bilder und ein seit Jahrhunderten beliebter Stoff: „Hamlet“ von und mit Laurence Olivier feiert im deutschen Heimkino ein Comeback auf Blu-ray.

Es ist eines der berühmtesten Theaterstücke der westlichen Kultur: „Hamlet“ wurde lose als „Der König der Löwen“ adaptiert, in aller Ausführlichkeit von „Thor“-Regisseur Kenneth Branagh auf Zelluloid gebannt und wird immer noch auf unzähligen Bühnen aufgeführt. Mal minimal, mal überbordend – hier ohne Exzentrik, dort mit Lars Eidinger.

Eine der meistbesungenen Annäherungen an William Shakespeares „Hamlet“ stammt aus dem Jahr 1948: Die „Hamlet“-Verfilmung von und mit Laurence Olivier erlaubt sich im Umgang mit dem Urtext allerlei künstlerische Freiheiten, über die Shakespeare-Begeisterte seit Jahrzehnten debattierten. Zugleich bietet sie eine der umjubelsten Darbietungen der Kinogeschichte. Diese Woche ist Laurence Oliviers „Hamlet“ auf Blu-ray erschienen!

Somit ist es endlich wieder denkbar einfach, sich diesen Kino-Meilenstein in HD-Qualität auf Disc zu besorgen. Die Blu-ray-Erstauflage aus dem Jahr 2011 ist nämlich seit einiger Zeit bloß noch auf dem Gebrauchtmarkt zu ergattern.

Darum geht es in "Hamlet"

Es ist was faul im Staate Dänemark: Claudius (Basil Sydney) ermordet eiskalt den König und heiratet dessen Witwe Gertrude (Eileen Herlie). Prinz Hamlet (Laurence Olivier) durchschaut dieses miese Spiel – auch, weil ihm nachts der Geist seines Vaters erscheint und erklärt, was vorgefallen ist. Hamlet schwört Rache. Und für die benötigt er eine Schauspielgruppe und ein auf Claudius zugeschnittenes Stück...

Eine Annäherung an den vollständigen "Hamlet"

Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent Laurence Olivier setzte gemeinsam mit Drehbuchautor Alan Dent großzügig die Schere an: Mit einer Laufzeit von rund zweieinhalb Stunden ist sein „Hamlet“ zwar immer noch eine Tragödie von epischem Ausmaß – allerdings ist diese Adaption zugleich rund eineinhalb Stunden kürzer als etwa Kenneth Branaghs vorlagengetreue Verfilmung aus dem Jahr 1996.

Vor allem die leichteren Subplots, humorvollen Szenen und unterhaltsameren Figuren warf Olivier raus. Das mag puristisch veranlagte Gemüter verärgern, zumindest aber schuf Olivier eine in sich stimmige Interpretation des Stoffes – statt etwa völlig unwillkürlich Szenen zu opfern. Dieser verlagerte, erzählerische Schwerpunkt spiegelt sich auch auf thematischer Ebene wider – die Frage der Sterblichkeit gewinnt in dieser Interpretation enorm an Gewicht und unter den Kino-Hamlets hat Oliviers Prinz von Dänemark einen besonders ausgeprägten Ödipus-Komplex.

Die daraus resultierende Schwermut wird inszenatorisch konsequent unterstrichen: Obschon monumental in den Ausmaßen seiner Szenerien, ist der Film gespenstisch-beklemmend in seiner Bildsprache – die Schwarzflächen, die „Stadt der Toten“-Kameramann Desmond Dickinson kreiert, sind überwältigend, und wie er Nebel durch den Raum wabern lässt, ist einfach nicht von dieser Welt.

Nicht nur Olivier bleibt in Erinnerung

Zwar ist es Oliviers ungeheuerlich echt wirkende Performance, die den Film legendär gemacht hat – dennoch ist dieser hypnotisierende „Hamlet“ keine Egonummer: Der Regisseur und Hauptdarsteller lässt neben sich nicht nur die atmosphärisch dichte, wunderliche Ästhetik Bande sprechen, sondern überlässt wiederholt das Rampenlicht der restlichen Besetzung.

Vor allem Jean Simmons gibt als Ophelia eine begnadete, herzzerreißende Darbietung. Aber auch Herlie und Sydney erhalten die Gelegenheit, einfühlsame, profilstarke Versionen ihrer Rollen zu geben – und Felix Aylmer darf sich als Polonius gekonnt den Großteil der verbliebenen, humorvollen Passagen unter den Nagel reißen.

Für Simmons reichte es bei der 21. Oscar-Verleihung für eine Academy-Award-Nominierung als beste Nebendarstellerin, auch Oliviers Regieleistung und die Filmmusik von William Walton wurden nominiert. Siegreich war „Hamlet“ derweil in den Oscar-Sparten „Bestes Kostümdesign eines Schwarz-Weiß-Films“, „Bestes Szenenbild eines Schwarz-Weiß-Films“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Bester Film“.

Mit dem Oscar-Sieg in der Hauptkategorie wurde „Hamlet“ zum Präzedenzfall: Nie zuvor gewann eine nicht-amerikanische Produktion den Academy Award für den besten Film. Nachdem die Shakespeare-Adaption diesen Damm gebrochen hatte, sollten britische Produktionen noch häufiger die begehrte Trophäe abräumen. Außerdem war „Hamlet“ der erste gemeinsame Film von Christopher Lee und Peter Cushing, die hier in kleineren Rollen auftreten.

Und wenn ihr von der britischen Interpretation eines faulen Staates Dänemarks zurück nach Hollywood springen, aber intensiven Schwarz-Weiß-Bildern die Treue halten wollt: Lasst euch keinesfalls den nachfolgenden, lustig-schaurigen, tragisch-bissigen Heimkino-Tipp entgehen!

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