Bald weg von Netflix: Dieser blutige Sci-Fi-Horror hat einen abgefahrenen Twist, der die Gemüter spaltet!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Zwischen „Get Out“ und „Nope“ jagte Horror-Regisseur Jordan Peele seinem Publikum mit „Wir“ einen Schauer über den Rücken. Bald verschwindet der hintersinnige, atmosphärische Horror-Thriller von Netflix!

Der Horrorfilm „Get Out“ nahm bei einem Budget von nur 4,5 Millionen Dollar weltweit über 255 Millionen Dollar an den Kinokassen ein. Außerdem wurde er mit euphorischen Kritiken überschüttet und mischte ordentlich bei prestigeträchtigen Filmpreisen mit. Unter anderem winkten ein Oscar für das beste Original-Drehbuch sowie Academy-Award-Nominierungen für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller und sogar den besten Film.

Danach feierte „Get Out“-Regisseur Jordan Peele einen weiteren Erfolg: Seine zweite Regiearbeit „Wir“ konnte „Get Out“ ebenbürtige 255 Millionen Dollar einnehmen. Und falls ihr den hochspannenden und verkopften Sci-Fi-Horror nachholen oder wieder einmal schauen möchtet, ist Eile geboten: „Wir“ ist nur noch bis zum 15. September 2025 bei Netflix abrufbar! Und wer nicht nur den Film sehen möchte, sondern auch Einblicke darin gewinnen will, was sich Peele mit dem Horrorstoff gedacht hat, greift zur Blu-ray voller informativem Bonusmaterial:

Darum geht es in "Wir"

Adelaide Wilson (Lupita Nyong'o) plant mit ihrem Mann Gabe (Winston Duke) und ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) einen ruhigen Sommerausflug an der Küste Nordkaliforniens. Auch die mit Adelaide und Gabe befreundete Tyler-Familie, bestehend aus Kitty (Elisabeth Moss), Josh (Tim Heidecker) und den Zwillingstöchtern Becca (Cali Sheldon) und Lindsey (Noelle Sheldon), macht es sich dort am Strand bequem.

Die Ferienidylle wird allerdings schlagartig zum reinsten Albtraum, als furchteinflößende, sonderbare und gewaltbereite Gestalten im Ferienhaus der Wilsons aufkreuzen. Die aggressive Familie ähnelt den Wilsons frappierend und macht Jagd auf sie...

Peeles atmosphärischer Gesellschaftsspiegel

Viel wurde schon über Jordan Peeles Können als Spannung und komisch-bittere Gesellschaftskritik vereinender Drehbuchautor geschrieben, ebenso über sein Auge für stimmungsvolle Bilder. Allerdings hat Peele ein weiteres Talent, das für das Gelingen seiner Filme entscheidend ist, jedoch vergleichsweise selten in den Fokus gerückt wird: Der Ex-Comedian stützt seine Stoffe stets auf mitreißenden, vielschichtigen Performances.

Was in „Get Out“ Daniel Kaluuya war, ist in „Wir“ Lupita Nyong'o mit einer atemberaubenden Doppelrolle: Als verängstigte, aber durchsetzungswillige Adelaide und als ihre schmerzverzerrte, vor Wut brodelnde Doppelgängerin! Nyong'o tänzelt vor allem in ihrem Doppelgänger-Part mit einer heiseren, dennoch großen Druck machenden Stimmlage denkbar nah an dem Bereich, wo „beängstigend“ endet und „fremdschämig“ beginnt. Aber Nyong'o überschreitet zu keinem Zeitpunkt diese Grenze, weckt stattdessen Mitgefühl für diese verbissen-finstere Person, die Gerechtigkeit einfordert.

Nyong'os flammende Doppelperformance und Peeles mit Metaphorik, popkulturellen Querverweisen und sozialpolitischen Beobachtungen gespicktes Skript sorgen dafür, dass sich enorme Spannung vor allem aus einer Frage generiert: Wäre es nicht gerecht, wenn die Angreiferin ihr Ziel erreicht? Denn „Wir“ entwickelt sich sukzessive zu einem Generalumschlag gegen ausbeuterische Systeme und Wertvorstellungen.

Der finale Twist, auf dem „Wir“ endet, spaltete zwar die Gemüter, hat es aber verdient, nicht vorschnell als billige Überraschung abgehakt zu werden. Denn was an der Oberfläche eine kurze, genrekonforme Gemeinheit ist, hat im erzählerischen Unterbau viel mehr auszusagen. Allein schon, wenn man ins Grübeln kommt, ob man die Auflösung als traurig-ernüchterndes oder beißend-frohes Ende betrachten sollte, stolpert man in einen tiefen thematischen Kaninchenbau, den Peele clever hintersinnig für sein Publikum konstruiert hat...

Noch mehr Horror findet ihr im folgenden Streaming-Tipp:

Horror-Geheimtipp heute Abend streamen: Je weniger ihr über diesen Film wisst, desto besser

Dies ist eine überarbeitete Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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