Wenn man Clint Eastwood gedanklich einfach mal kurz in Rente schickt – mit Mitte 90 genießen schließlich die meisten Menschen längst ihren wohlverdienten Ruhestand! –, kann wohl nur Kevin Costner das Gesicht des modernen Western-Kinos sein. Sein fast vierstündiges Epos „Der mit dem Wolf tanzt“ wurde mit sage und schreibe sieben Oscars prämiert, darüber hinaus bescherte er uns „Silverado“, „Open Range“ und „Wyatt Earp“. Ganz nebenbei war er zuletzt auch jahrelang der Hauptdarsteller von „Yellowstone“ – DER (Neo-)Western-Serie der Stunde.
Dennoch, mit einem ganz besonderen Projekt wollte er all dem noch die Krone aufsetzen: „Horizon“ ist als insgesamt vier Kinofilme umfassendes Mega-Projekt angelegt, mit dem die Eroberung des Wilden Westens durch weiße Siedler erzählt werden sollte. Aber wie aufmerksamen Leser*innen gerade aufgefallen dürfte, schwingt in den letzten Zeilen ganz schön viel Konjunktiv mit. Und das hat seine Gründe. Denn nachdem Teil 1 nicht gerade einen Hype und eine damit zusammenhängende Lust auf mehr nach sich zog und der große Erfolg an den Kassen ausblieb, ist die Fertigstellung der „American Saga“ noch lange nicht gesichert. Ganz im Gegenteil.
Das Publikum entscheidet über die "Horizon"-Zukunft
Das Eröffnungskapitel kostete in der Produktion an die 100 Millionen Dollar und konnte weltweit nicht mehr als 38,7 Millionen Dollar einspielen – ein Box-Office-Fiasko, das bereits spürbare Konsequenzen nach sich zieht: der schon fertiggestellte „Horizon 2“ sollte ursprünglich bereits im November 2024 in die Kinos kommen, doch nachdem der Start auf dieses Jahr verschoben wurde, wurde der Film kürzlich gar ganz aus dem Release-Kalender gestrichen. Wie es nun weitergeht, scheint unklar.
Nachdem sich Regisseur und Hauptdarsteller Costner lange Zeit zuversichtlich gab und bestätigte, „Horizon 3“ und „Horizon 4“ um jeden Preis drehen zu wollen, scheint die Zuversicht nun nach und nach zu schwinden. Wir konnten Teil 2 bereits 2024 im Zuge des Filmfestival Venedig sehen – in der FILMSTARTS-Kritik gab es gute 3,5 von 5 möglichen Sternen –, doch wann der Rest der Welt in den Genuss des 190-Minüters kommt, ist fraglich. Ob das gewaltige Unterfangen am Ende vielleicht sogar mittendrin abgebrochen werden muss?
„Es kommt ganz darauf an, wie das Publikum darauf anspringt“, äußerte sich nun Darsteller Sam Worthington („Avatar“) gegenüber Variety zur Zukunft der Reihe. Er habe alle vier von Costner verfassten Drehbücher gelesen und die Leidenschaft für das Projekt sei nach wie vor da, manchmal aber gehe es auch darum, die passenden Filme zur richtigen Zeit zu drehen. Und genau hier könnte das Historien-Abenteuer nun durchs Raster fallen.
Es liege nun am Publikum, Interesse an „Horizon“ zu zeigen, um eine Finanzierung der noch ausstehenden zwei Filme zu bewerkstelligen. Netflix brachte sich in der Vergangenheit bereits als Investor ins Spiel, ist als Streaming-Anbieter aber wahrlich nicht der ideale Partner bzw. Heimatort, wenn es darum geht, eine große, epische, für die Leinwand gemachte Saga auf den Weg zu bringen. In Anbetracht der Umstände dürfte sich Costner früher oder später jedoch die Frage stellen, ob er sein Vorhaben in Zusammenarbeit mit einem Streaming-Anbieter beenden will – oder gar nicht...
Nicht gerade einfacher macht all das ein Rechtsstreit, der Costner zusätzlich Geld kosten dürfte. Was es damit auf sich hat, haben wir bereits an anderer Stelle näher ausgeführt:
Kevin Costners Western-Epos endgültig vor dem Aus? Nach Kino-Flop gibt‛s nun den nächsten Rückschlag für "Horizon"*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.