Das Ende von "The Long Walk – Todesmarsch" erklärt: So krass unterscheidet sich der Schocker von der Stephen-King-Vorlage
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
"Tanz der Teufel 2" und ein manisch-lachender Bruce Campbell haben Stefans Horror-Herz gestohlen. Seitdem kann er nicht mehr ohne: "Der Babadook", "Halloween" und "The Lords of Salem" - Horrorfilme gehören für Stefan einfach zu einem guten Filmabend.

Seit dem 11. September 2025 könnt ihr mit „The Long Walk“ eine neue Stephen-King-Verfilmung im Kino sehen, die sich jedoch gerde im Ende krass von seiner Vorlage unterscheidet. Die größten Unterschiede erklären wir euch in diesem Artikel.

Eine Sache voran – natürlich gibt es in diesem Artikel Spoiler zu „The Long Walk – Todesmarsch“. Falls ihr den Film also noch nicht gesehen habt, holt dies schleunigst nach und kommt dann zurück.

„The Long Walk“ basiert auf dem Roman „Todesmarsch“ von Stephen King, den dieser unter seinem Pseudonym Richard Bachman im Jahr 1979 veröffentlichte. Lange galt die Geschichte als unverfilmbar – auch weil sie grausame Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in den Fokus rückte. „Tribute von Panem“-Regisseur Francis Lawrence hat das harte Ausgangsmaterial jetzt doch für die große Leinwand adaptiert – und dabei ein paar einschneidende Änderungen vorgenommen. Die gravierendste dürfte dabei sein, dass er das Alter aller Protagonisten angehoben hat. Während diese in den Büchern zwischen 14 und 17 Jahre als sind, haben sie im Film fast alle das 18. Lebensjahr beendet.

Doch auch das Ende dürfte Kenner*innen der Vorlage überraschen, denn dieses unterscheidet sich maßgeblich vom Stephen-King-Roman.

Das Ende im Film

In der Kino-Adaption sind Raymond „Ray“ Garraty (Cooper Hoffman) und Peter McVries (David Jonsson) die letzten beiden Läufer. Als Peter aufgeben will und sich – wie zuvor bereits angekündigt – einfach auf den Boden setzt, überredet ihn Ray dazu, doch noch ein paar Meter zu gehen. Beide handeln sich bei der Aktion zwei Verwarnungen ein – die dritte Verwarnung bedeutet den Tod. Ray wendet sich daraufhin an Peter und sagt ihm, dass er seinen Wunsch umsetzen soll. Denn während Peter während des Todesmarschs versuchte, weiterhin einen positiven Blick auf die Welt zu bewahren und etwas Gutes bewirken wollte, war er dazu nicht mehr in der Lage. Der Zustand der Gesellschaft und der Tod seines Vaters haben ihn verbittern lassen. Und so opfert sich Ray, indem er erneut stehen bleibt – und daraufhin von den Soldaten erschossen wird.

Peter wird zum Sieger des grausamen Wettbewerbs gekürt. Doch die Freude über den Sieg hält sich bei dem erschöpften Teilnehmer in Grenzen, denn er ist vollkommen fassungslos und am Rande der Verzweiflung über den Tod seines Wegbegleiters. Als ihm der Major (Mark Hamill) entgegentritt, erinnert er sich an Rays Wunsch. Dieser wollte sich von den umstehenden Soldaten einen Karabiner erbitten, und damit den teuflischen Machthaber erschießen. Und genau diesen Wunsch äußert nun Peter. Als ihm die Waffe ausgehändigt wird, zögert er nur kurz – und drückt dann ab. Nach dieser Tat läuft er in das Dunkel der regnerischen Nacht – einer ungewissen Zukunft entgegen.

Das Ende im Buch

In der Vorlage gibt es einen Dreikampf zwischen Ray, Stebbins, und Peter. Letzterer wählt den Freitod und setzt sich – vor Erschöpfung am Ende – einfach auf die Straße. Stebbins scheint übermächtig – eine Erkenntnis, die Ray dazu bringt, das Handtuch zu werfen. Doch gerade als er versucht, Stebbins davon zu erzählen, krallt sich dieser entsetzt an ihm fest und fällt einfach tot um. Ray wird hier zum Gewinner des grausamen Rituals. Doch Erlösung gibt es für ihn nicht, denn er hat während des Laufs seinen Verstand eingebüßt. Als der Major ihm zum Sieg gratulieren will, reißt sich dieser von ihm los – und läuft einfach weiter. Mit letzter Kraft bewegt er sich in Richtung einer schwarzen Gestalt, die ihm am Ende der Straße zuwinkt.

Falls ihr das Buch jetzt selber einmal lesen wollt, findet ihr dies bei Online-Händlern wie Amazon:

Beide Enden sind unterschiedlich – aber dennoch gleichermaßen niederschmetternd. Während King einen radikal nihilistischen Ausgang der Erzählung wählt und zeigt, dass es bei diesem Todesmarsch nur Verlierer gibt – die schwarze Gestalt, die ihm zuwinkt, kann dabei definitiv als nahender Todesbote gelesen werden – erstickt Francis Lawrence im Finalakt alle Hoffnung auf Verbesserung.

Denn während Ray hier stets seine Rache vor Augen hat, versucht sein Freund Peter immer das Positive zu sehen. Sein Wunsch sollte keinen niederen Motiven dienen, sondern echte Veränderung im kaputten System bewirken. Dass er diese Möglichkeit jetzt aufgibt und den von Ray gewählten Pfad der mörderischen Selbstjustiz beschreitet, ist keine Erlösung. Es ist die tragische Gewissheit, dass selbst der herzensgute Peter alle Hoffnung verloren hat und ebenfalls von Hass und Trauer vergiftet worden ist.

Noch mehr über unsere Meinung zum Film könnt ihr übrigens auch in der aktuellen Folge des FILMSTARTS-Podcasts „Leinwandliebe“ erfahren. Hier sprechen in dieser Woche Moderator Sebastian Gerdshikow und FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler über die Stephen-King-Adaption. Hört doch mal rein:

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