"Er ist eben ein Kämpfer": Wir sprechen mit dem "The Smashing Machine"-Regisseur über seine Begeisterung für UFC und den neuen Look von Dwayne Johnson
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
Stefan liebt Film. Er vermisst die wöchentlichen Besuche in der Videothek, denn das ziellose Umherirren in den Gängen hat ihm Seherfahrungen wie "Donnie Darko" oder "Fear and Loathing in Las Vegas" beschert.

Am 2. Oktober 2025 ist mit „The Smashing Machine“ ein beeindruckendes Biopic in den deutschen Kinos gestartet. FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hatte die Chance in Berlin mit dem Filmemacher Benny Safdie zu sprechen.

LEONINE

Benny Safdie ist einer der aktuell spannendsten Regisseure. Gemeinsam mit seinem Bruder Josh hat er den gefeierten „Good Time“ mit Robert Pattinson und den Stress-Thriller „Der schwarze Diamant“ veröffentlicht. Mit „The Smashing Machine“ hat der Filmemacher nun seinen ersten Solo-Langspielfilm veröffentlicht, der bei den Filmfestspielen in Venedig auch gleich mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet wurde.

Anlässlich zur Deutschland-Premiere von „The Smashing Machine“ hat FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler den Regisseur getroffen. Natürlich wollten wir wissen, woher eigentlich seine Faszination für den Kampfsport entspringt und inwieweit der ehemalige Wrestling-Profi Mark Kerr (wird im Film verkörpert von Dwayne Johnson) am Film mitgewirkt hat.

Doch zuallererst wollten wir den Elefanten im Raum ansprechen: das ungewöhnliche Aussehen von Dwayne „The Rock“ Johnson. Es ist das erste Mal seit über 10 Jahren, dass er auf ein ganz bestimmtes Markenzeichen verzichtet...

Benny Safdie (rechts) im Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler Privat
Benny Safdie (rechts) im Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler

FILMSTARTS: „The Smashing Machine“ ist der erste Film seit elf Jahren, in dem Dwayne Johnson mit Haaren zu sehen ist. War es ungewöhnlich, ihn ohne sein Markenzeichen vor der Kamera zu haben?

Benny Safdie: Nun, das war etwas, worüber wir uns eine Menge Gedanken gemacht haben. Wir wollten, dass es sich natürlich anfühlt. Also haben wir viel Zeit damit verbracht, an den Haaren zu arbeiten. Mia Neal und ich waren diejenigen, die sich darum gekümmert haben. Kazu [Hiro] hat die Perücke hergestellt, und dann haben wir uns wirklich intensiv damit beschäftigt. Es gibt verschiedene Perücken, denn Marks Haar wird im Verlauf des Films dünner, und das war etwas, das ich unbedingt zum Ausdruck bringen wollte. Man muss das sehen können, wenn er die Haare nicht so gestylt hat, dass es die Stellen verdeckt, an denen das Haar dünner wird – beispielsweise nach dem Aufwachen oder im Krankenhaus. Also haben wir verschiedene Variationen mit unterschiedlichen Frisuren für verschiedene Momente hergestellt.

FILMSTARTS: War das auch eine Möglichkeit, Dwayne Johnson aus seiner schauspielerischen Komfortzone herauszuholen. Wie ein Kostüm, das er anlegt?

Benny Safdie: Nein, es war einfach so, dass Mark nun mal Haare hatte. (lacht) Aber gleichzeitig verlor er auch seine Haare. Das war etwas, das seinen Charakter mitbestimmte. Und so wollten wir dem auch eine Bedeutung beimessen. Letztlich stellt es ja auch eine Art Verwandlung dar. Und so konnte ich auch mit der Idee von Dwayne spielen. Er sieht vertraut aus, aber er ist aber doch nicht derselbe.

Dwayne Johnson mit Haaren: Ein Anblick, an den man sich erst gewöhnen muss. LEONINE
Dwayne Johnson mit Haaren: Ein Anblick, an den man sich erst gewöhnen muss.

FILMSTARTS: Was war deine Verbindung zur UFC? Wann bist du das erste Mal mit dieser Sportart in Berührung gekommen?

Benny Safdie: Das erste Mal ging ich mit meinem Stiefvater zu einem Kampf. Ich glaube, das war wahrscheinlich 2001, also zu einer Zeit, in der auch der Film spielt. Es war von Anfang an eine unglaubliche Stimmung – da habe ich auch zum ersten Mal Mark Kerr gesehen. Der Sport hat sich inzwischen stark verändert und ist nicht mehr das, was es einmal war. Es war wirklich diese Idee der Mixed Martial Art – der Versuch, herauszufinden, welche die beste Kampfkunst ist. Es gab Leute, die eher Boxer oder Ringer waren, dann Capoeira oder Judo, das mit brasilianischem Jiu-Jitsu gemischt wurde. Man sah also nicht nur, wer der beste Kämpfer war, sondern auch, welche die beste Kampfkunst ist. Das war wirklich experimentell.

Dieser Sport hatte wirklich dieses unglaubliche, verrückte Prestige. Aber ich liebe Kampfsportarten einfach. Ich mag Boxen und MMA wirklich sehr. Es hat etwas Besonderes – es ist fast so, als stünde so wirklich etwas auf dem Spiel. Es ist leicht, sich selbst darin zu verlieren.

FILMSTARTS: Was hat dich an Mark Kerr fasziniert?

Benny Safdie: Er war ein wandelnder Widerspruch. Da war dieser Typ, der scheinbar unbesiegbar war. Der stärkste Mann, der größte Kämpfer auf dem Planeten – und gleichzeitig sprach er so leise. Er war so bereit und bemüht, seine Gefühle zu verstehen. Er war also einerseits so stark und analysierte andererseits seine Gefühle psychoanalytisch. „Warum mache ich das? Was mache ich da eigentlich?“ Er hatte wirklich Mühe, sich selbst zu verstehen.

Normalerweise denkt man nicht über solche Dinge nach. Man fällt ein vorschnelles Urteil, wenn man jemanden wie ihn sieht, und erwartet nicht, dass er so klingt oder so spricht. Und ich dachte, ich weiß, dass Dwayne das verstehen und nachempfinden kann, weil die Leute ihn sehen und auch von ihm direkt ein bestimmtes Bild im Kopf haben. Marks Seele hat eine echte Tiefe, die er selbst erforschen wollte. Bis heute hat er diese Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken – und seine Sicht auf das Leben hat sich verändert. Er hat diesen Prozess wirklich durchlaufen. Es ist erstaunlich, mit ihm zu sprechen. Für mich ist er die ideale Figur für einen Film – ein Mensch, der sich mit dem abfindet, wer er ist. Und er ist eben ein Kämpfer.

Mark Kerr auf dem Weg in den Ring LEONINE
Mark Kerr auf dem Weg in den Ring

FILMSTARTS: Hatte Mark Kerr Einfluss auf den Film?

Benny Safdie: Wir standen uns sehr nahe und ich habe viel mit ihm gesprochen. Ich habe ihm von Anfang an gesagt, dass ich Dinge ändern und sie größer machen werde – und keine Rücksicht nehmen werde. Trotzdem wollte ich, dass es sich so anfühlt, wie er es erlebt hat. Für mich war es daher sehr wichtig, ihn als Menschen kennenzulernen. Denn ich erzähle hier seine Geschichte.

Es war für mich sehr hilfreich, ihn zu verstehen und ihm nahezukommen, weil ich wollte, dass er sich wohlfühlt – auch wenn es im Film um schwierige Dinge gehen würde. Das hat mich in keiner Weise eingeschränkt. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas ändern müsste.

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