In Lewis Gilberts' Swinging-Sixties-Komödien-Klassiker „Der Verführer läßt schön grüßen“ (besser bekannt als „Alfie“) von 1966 gab Michael Caine den Alfie Elkins, der das Leben und vor allem die Frauen liebt. Caine erwies sich als Idealbesetzung: Mit spitzbübischem Witz, Charisma aber auch einer gewissen Tragik verkörperte er eine getriebene Figur, hin- und hergerissen zwischen Vergnügungssucht und Bindungsängsten. 38 Jahre später wagte sich Regisseur Charles Shyer („Jumpin‘ Jack Flash“) mit „Alfie“ an eine Neuverfilmung.
Diesmal ging die Hauptrolle an Jude Law, der zu jener Zeit – es waren die mittleren 2000er – zu den absoluten Megastars und begehrtesten Darstellern zählte. Seine meisterhaften Darbietungen als Gigolo Joe in Steven Spielbergs „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001) und als zwielichtiger Auftragsmörder im Thriller-Drama „Road To Perdition“ (2002) waren noch in bester Erinnerung. Zudem heimste Law für seine Leistung im Kriegs-Drama „Unterwegs nach Cold Mountain“, das ein Jahr vor „Alfie“ in den Kinos lief, seine zweite Oscar-Nominierung ein. Die erste gab's für „Der talentierte Mr. Ripley“ (1997).
Ein gefeierter Hauptdarsteller, ein erfahrener Regisseur, eine legendären 60er-Jahre-Kult-Komödie als Vorlage. Die Vorzeichen standen gut – doch „Alfie“ entwickelte sich zum Megaflop. Der Film kam bei Presse und Kritik – und im Übrigen auch bei der FILMSTARTS-Redaktion – extrem schlecht an. Wenig begeistert zeigt sich ebenso Law, der seine Beteiligung an dem Projekt bis heute sogar bitter bereut!
"Zu leicht und zu kitschig“
So bemängelte er in einem Interview mit der britischen GQ (via FarOutMagazine) unter anderem Shyers veränderten Ansatz. Denn der Filmemacher setzte im Vergleich zum Original weniger auf Zynismus und bissigen Witz als vielmehr auf Emotionalität und Romantik. „Ich hatte das Gefühl, dass diese Entscheidung nicht zur Aufwertung [des Ursprungsmaterials] beitrug und stattdessen alles ein bisschen zu leicht, ein bisschen zu kitschig wirkte“, so Law.
Laws Ansicht nach sei zudem zu viel Geld geflossen. In die Produktion des Films („Alfie“ kostete stattliche 60 Millionen Dollar, spielte aber nur 35 Millionen ein) – aber auch an ihn selbst. „Ich habe wahrscheinlich auch zu viel Geld für die Rolle bekommen, was ich damals unterschätzt habe“, sagte er selbstkritisch. Er betonte allerdings gleichermaßen die starke Verhandlungsposition, in der er sich damals, kurz nach seiner zweiten Oscar-Nominierung, befand – und kommt zu einem klaren Fazit: „Dass ich nach ‚Cold Mountain‘ als nächsten Film ‚Alfie‘ gemacht habe, war, denke ich, ein Fehler“.
Doch Laws Karriere geriet nach „Alfie“ nicht ins Stocken. Wenige Monate, nachdem „Alfie“ in den Kinos lief, war er im von der Kritik gefeierten Drama „Hautnah“, inszeniert von Regie-Legende Mike Nichols („Die Reifeprüfung“), zu sehen. Damit gelang ihm nach ziemlich kurzer Zeit bereits die Rehabilitation nach dem „Alfie“-Desaster.
Im Jahr von „Alfie“ erschien ein aufwändig inszenierter Historien-Blockbuster, der sich an den Kinokassen, im Vergleich zum Komödien-Remake über den New Yorker Frauenliebling, zu einem großen Hit entwickelte – den die beiden Hauptdarsteller allerdings bitter bereuten. Um welchen Film es geht, lest ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich wollte den Film nicht machen": 2000er-Superstar bereut seine Rolle in starbesetztem Historien-Blockbuster, der vor 21 Jahren ins Kino kam