Mehr als nur ein einfacher Kriegsfilm: Gefeierter "Oscar-Film wie er im Buche steht" kehrt ins Heimkino zurück
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Das Historiendrama „The Imitation Game“ wurde für acht Academy Awards nominiert – und in der Sparte „Bestes adaptiertes Drehbuch“ gewann es den Oscar auch! Nun bekommt der Film mit Benedict Cumberbatch eine Heimkino-Neuauflage.

Ohne Alan Turing könntet ihr diesen Text gar nicht lesen – und womöglich wären euch auch alle anderen auf FILMSTARTS verwehrt geblieben: Das britische Mathematik-Ass nahm sich nach Beginn des Zweiten Weltkriegs vor, den Code der deutschen Enigma-Maschine zu knacken. Das gelang ihm letztlich dank eines handverlesenen Teams und einer gigantischen, von ihm erdachten Rechenmaschine – dem Vorläufer dessen, was wir heute als Computer kennen.

2014 wurde Turings Geschichte im preisgekrönten Drama „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ filmisch verewigt, doch lange Zeit war es praktisch nur noch gebraucht zu ergattern. Das hat sich nun geändert: Diese Woche bekam „The Imitation Game“ seine wohlverdiente Heimkino-Neuauflage!

Die Blu-ray und auch die DVD zum Film enthalten ein über 20 Minuten langes Making-of, fast eine Viertelstunde an Interviews mit Cast und Crew sowie einen Audiokommentar von Drehbuchautor Graham Moore und Regisseur Morten Tyldum.

Darum geht es in "The Imitation Game"

1939: Commander Alastair Denniston (Charles Dance) von der britischen Royal Navy erfährt vom Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch), dass er sich zutraut den deutschen Enigma-Code zu knacken. Das gilt zwar als unmöglich, trotzdem werden dem arrogant auftretenden Wissenschaftler Ressourcen zugeteilt – und ihm wird Schach-Champion Hugh Alexander (Matthew Goode) als Vorgesetzter vor den Latz geknallt.

Mit dem kommt der introvertierte Turing allerdings nicht klar, weshalb er bei Premierminister Winston Churchill um Sonderbehandlung bettelt. Zum Staunen von MI:6-Mann Stewart Menzies (Mark Strong) erhält Turing daraufhin die Leitung des Projekts. Prompt wirft er Leute raus, die er für unfähig hält, und stellt dafür Kreuzworträtsel-Fanatikerin Joan Clarke (Keira Knightley) ein, die alsbald Turings engste Vertraute wird...

Die Geburtsstunde eines Büffel-Soundtracks

Moore gewann nicht nur den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, sondern auch den Satellite Awards und eine Auszeichnung der Writers Guild Of America. Academy-Award-Nominierungen gab es darüber hinaus für Morten Tyldums Regie, Hauptdarsteller Cumberbatch, Nebendarstellerin Knightley, den Schnitt, das Szenenbild sowie in der Sparte „Bester Film“ und für die Filmmusik.

Die entwickelte seit der Kinoauswertung von „The Imitation Game“ ein Eigenleben: Alexandre Desplats distanziert-zärtliche, gedankenverloren wirkende Musik wurde im Zeitalter des Musikstreamings zu einer immens beliebten Begleitung fürs Lernen, Hausaufgaben machen und Schreiben von Facharbeiten. Viele Musikdienste packen den Score daher in thematisch passende Playlists, die seine Abrufe in die Höhe haben schnellen lassen.

Ein Eigenleben entwickelte im Fahrwasser des Kinostarts auch die Suche nach historischen Ungenauigkeiten: Während der Oscar-Saison wurde viel darüber gestritten, ob Turings Homosexualität im Film zu nebensächlich behandelt werden würde (obwohl sie der emotionale und thematische Dreh- und Angelpunkt vieler wichtiger Passagen ist) oder ob Knightleys Darstellung von Joan Clarke zu warmherzig sei.

Moore und Tyldum verteidigten ihren Film damit, keine Dokumentation darzustellen, sondern ein Drama, das einen Eindruck der realen Personen vermitteln möchte. Und die Balance zwischen persönlicher Ebene, historisch weitreichenden Momenten und kurzen, raren Augenblicken der Empathie, für die sie sich entschieden, sorgte definitiv für einen gefälligen, schönen Film.

So heißt es etwa in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik, „The Imitation Game“ sei „ein Oscar-Film wie er im Buche steht: groß angelegtes Schauspieler- und Heldenkino nach einer wahren Geschichte, perfekt produziert und klassisch in Szene gesetzt, aber ohne allzu provokante Ecken und Kanten.“ Deutlich kantiger geht es derweil in unserem nächsten Heimkino-Tipp zu:

Früher verhasst, heute abgekultet: Irres Fantasy-Abenteuer mit Michael Jackson jetzt neu im Heimkino

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren