"Er half ihnen dabei, zu lachen": Adam Sandler hat Steven Spielberg beim Dreh zu seinem schwersten Film aufgemuntert
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

Es mag im ersten Moment absurd klingen, „Schindlers Liste“ im gleichen Atemzug mit Adam Sandler zu nennen. Doch genau der half Steven Spielberg dabei, die belastenden Dreharbeiten an seinem Kriegsdrama zu verarbeiten.

Schindlers Liste“ ist wohl bis heute Steven Spielbergs größtes Herzensprojekt (dabei waren vor ihm noch eine ganze Reihe anderer namhafter Regisseure für die Roman-Verfilmung vorgesehen, darunter auch Martin Scorsese). Als jüdischer Filmemacher war es ihm besonders wichtig, der wahren Geschichte rund um Oskar Schindler gerecht zu werden, der mehr als 1200 Juden vor der Ermordung in Konzentrationslagern bewahrte – zumal Spielberg selbst Verwandte hatte, die auf diese Weise ihr Leben verloren haben.

Die Dreharbeiten an dem Film waren daher die schwierigsten, die Spielberg jemals durchstehen musste. Tagtäglich die Schrecken der Judenverfolgung historisch genau in Szene zu setzen, ging dem Meisterregisseur verständlicherweise an die Nieren. Leider kam es darüber hinaus auch zu antisemitischen Vorfällen - so wurden nahe des Sets beispielsweise judenfeindliche Symbole hinterlassen.

All das ließ Spielberg am Ende eines Drehtages entsprechend niedergeschlagen zurück. In diesen Momenten brauchte er etwas, das seine Stimmung wieder aufhellen konnte. Zum Glück schaffte es Comedy-Ikone Adam Sandler, den Filmemacher auch in dieser schweren Zeit zum Lachen zu bringen.

Adam Sandler brachte Spielberg mit einem Song zum Lachen

In den letzten Jahren hat Adam Sandler immer wieder unter Beweis gestellt, dass er durchaus auch in dramatischen Rollen glänzen kann. So war er vor einiger Zeit im nervenaufreibenden Thriller „Der schwarze Diamant“ zu sehen und erhält schon jetzt viel Lob für seine Rolle im bald kommenden „Jay Kelly“. Trotzdem wird der „Happy Gilmore“-Star in erster Linie für seine albernen Komödien gefeiert, in denen er meist schrille Kindsköpfe verkörpert.

Für derartige Charaktere war Sandler schon in seiner frühen Karriere bekannt, die bei der Comedy-Show „Saturday Night Live“ begann. Vor allem liebten ihn die Zuschauer dort für seine selbstgeschriebenen Songs, die er mit nicht mehr als einer Gitarre und seinen lustigen Akzenten vortrug. Wie Sandler in der Howard Stern Show verriet, hatte Spielberg insbesondere mit seinem „Hanukkah-Song“ eine riesen Freude:

In einer „Saturday Night Live“-Episode erzählte Sandler, dass er sich als jüdisches Kind zur Winterzeit immer etwas ausgeschlossen fühlte, wenn alle um ihn herum Weihnachtslieder trällerten. Deshalb hat er für das jüdische Lichterfest sein ganz eigenes Lied komponiert, in welchem er auf humorvolle Weise lauter berühmte Juden aus der Entertainment-Branche aufzählt: von Captain Kirk und Mr. Spock aus „Star Trek“ bis hin zu „Indiana Jones“-Darsteller Harrison Ford, der immerhin zu einem Viertel Jude ist. Zwischendurch nennt Sandler noch den kontroversen Sportler O.J. Simpson, dem ein Mord angelastet wird – nur um dann breit grinsend zu entwarnen, dass dieser glücklicherweise kein Jude ist.

Der „Hanukkah-Song“ (den ihr euch hier in ganzer Länge anschauen könnt) ist voll von Sandlers charmanten und zum Teil unter der Gürtellinie stattfindenden Albernheiten, zelebriert aber zugleich auch die jüdischen Künstler im Showgeschäft. Wahrscheinlich war es genau diese Mischung, die Spielberg damals gebraucht hat. So bedankte sich die Regie-Legende sogar persönlich bei Sandler: „[Spielberg] hinterließ mir eine Nachricht und erzählte, wie deprimierend die Dreharbeiten für ihn waren“, berichtet der Schauspieler. „Jemand spielte den Song ab [...] und er half ihnen dabei, zu lachen“.

Adam Sandler war übrigens nicht der einzige, der Spielberg in dieser aufwühlenden Zeit etwas Freude schenken konnte. Robin Williams, der gut mit dem Regisseur befreundet war, stand ihm während der Dreharbeiten zu „Schindlers Liste“ stets zur Seite. Welche besondere Methode das Comedy-Multitalent verwendete, um Spielberg aufzumuntern, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Steven Spielberg verzweifelte fast an seinem schwersten Film: Robin Williams hat ihm wieder auf die Beine geholfen
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