"Er schmeißt Säure auf den amerikanischen Lebensstil": John Wayne hat nie überwunden, dass er gegen diesen Film bei den Oscars verloren hat
Jaroslav Sebov
Jaroslav Sebov
-Freier Autor
Erholt sich immer noch von der 8. Staffel "Game Of Thrones" und vertreibt sich die Zeit mit allerhand Fandoms wie "Star Wars", "The Witcher" und "Der Herr der Ringe". Findet, kein anderer Film verdient einen zweiten Teil mehr als "Master And Commander".

John Wayne war Amerikas Leinwandheld und Symbol des Patriotismus. Doch als er 1949 bei den Oscars gegen einen Film verlor, der seiner Meinung nach alles verhöhnte, wofür er stand, verwandelte sich sein Stolz in Bitterkeit.

In der goldenen Ära Hollywoods galt John Wayne als Inbegriff des amerikanischen Helden. Mit rauer Stimme, markanter Präsenz und dem Charisma eines geborenen Anführers eroberte er seit den späten 1930ern die Leinwand, vor allem in Western wie „Ringo“, aber auch Kriegsfilmen wie „Der längste Tag“.

1949 jedoch erlebte der Schauspieler, was man wohl einen bitteren Wendepunkt nennen könnte. Für seine eindrucksvolle Darstellung des Marine-Sergeants John Stryker im Kriegsfilm „Du warst unser Kamerad“ erhielt er seine erste Oscar-Nominierung. Zwar brachte ihm und dem Regisseur Allan Dwan die Geschichte eines strengen, aber tapferen Ausbilders, der seine Männer durch den Pazifikkrieg führt, große Anerkennung, doch am Abend der Verleihung ging die begehrte Trophäe an einen völlig anderen Film: Broderick Crawford gewann für seine Rolle im Politdrama „Der Mann, der herrschen wollte“ von Regisseur Robert Rossen den Goldjungen.

Der Mann, der herrschen wollte
Der Mann, der herrschen wollte
Starttermin 23. Juli 1951 | 1 Std. 49 Min.
Von Robert Rossen
Mit Broderick Crawford, John Ireland, Mercedes McCambridge
User-Wertung
3,0

Was für viele, damals sowie aus heutiger Perspektive, wie ein verdienter Sieg für „Der Mann, der herrschen wollte“ aussah, empfand Wayne als persönliche Demütigung. Später sagte er verbittert: „Ich schätze, ich werde nie gewählt, weil die Art meines Schauspiels für niemanden als Schauspiel gilt. Sie sagen nur: ‚Das ist eben John Wayne, der John Wayne ist‘.“ (laut FarOutMagazin)

Die Niederlage ließ Wayne zeitlebens nicht los. In späteren Interviews mit der Presse machte er kein Geheimnis daraus, wie sehr ihn die Entscheidung der Academy verletzte, auch wenn „Der Mann, der herrschen wollte“ bei Kritikern und dem Publikum gut ankam. Denn Rossens Film, der vom Aufstieg und Fall des politischen Demagogen und Gouverneurs Willie Stark handelt, war für Wayne weit mehr als eine persönliche Kränkung. Er empfand ihn auch einen Schlag ins Gesicht all dessen, was für den DukeAmerika – vor allem das von ihm so geschätzte gute alte patriotische Amerika – verkörpern sollte.

"Der Film schmeißt Säure auf den amerikanischen Lebensstil"

„Es hätte mir nichts ausgemacht, so viel zu verlieren, wenn jemand anderes gewonnen hätte“, sagte er einmal. „Er beschmutzt das Regierungssystem ohne jeden Sinn für Humor oder Erkenntnis, entwertet menschliche Beziehungen und schmeißt Säure auf den amerikanischen Lebensstil.“ (laut FarOutMagazine)

Waynes harsche Worte richteten sich dabei nicht nur gegen den Film selbst, sondern gegen ein sich wandelndes Hollywood. Er, der konservative Patriot, verstand die neue Welle von Filmen und Regisseuren, die Kritik an Politik, Gesellschaft und Moral übten, als Angriff auf das Herz der Nation. Dass „Der Mann, der herrschen wollte“ auf dem Pulitzer-preisgekrönten Roman von Robert Penn Warren basierte und als politische Parabel über Macht und Korruption gefeiert wurde, sah Wayne schlicht nicht als Kunst – sondern als Provokation. In den folgenden Jahren blieb Wayne seiner Haltung treu und wetterte etwa gegen „12 Uhr mittags“, weil er darin kommunistische Tendenzen sah, und gegen „Asphalt-Cowboy“, weil der Film Homosexualität thematisierte.

Bei welchem Film es John Wayne dagegen hasste, selbst dabei zu sein, lest ihr hier:

"Lass uns diesen Dreck einfach hinter uns bringen": John Wayne hat es regelrecht gehasst, diesen Film zu machen!
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