Innerhalb des italienischen Exploitationkinos sprang Regisseur Sergio Martino von Genre zu Genre: Unter anderem drehte er Kannibalenschocker, Sci-Fi-Stoffe, Horrorfilme und Erotikspäßchen. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließen aber seine Beiträge zum Giallo, selbst wenn es mit der internationalen Auswertung besser laufen könnte. Schlecht getroffen hat es etwa „Suspected Death Of A Minor“, der im deutschsprachigen Raum nur ein Nischendasein fristet: Es gab von diesem rauen, stylischen Thriller bislang lediglich eine 2006 in Österreich veröffentlichte DVD ohne deutsche Synchro!
Jetzt aber rückt das Label Cinestrange Extreme den Film ins Rampenlicht: Diese Woche ist „Suspected Death Of A Minor“ zum ersten Mal in Deutschland auf Blu-ray erschienen – uncut und erstmals mit deutscher Sprachfassung!
Die Edition enthält neben der Blu-ray des Giallo-Geheimtipps eine Soundtrack-CD. Das 2-Disc-Mediabook umfasst obendrein ein 24-seitiges Booklet und ist auf 250 Exemplare limitiert.
Neben der oben verlinkten Edition gibt es noch drei weitere, inhaltlich identische Varianten mit alternativem Motiv: Cover B*, Cover C* und Cover D* sind ebenfalls auf 250 Stück begrenzt. Alle Mediabooks sind nummeriert.
Darum geht es in "Suspected Death Of A Minor"
Ein Sommertag in Mailand: Undercover-Polizist Paolo Germi (Claudio Cassinelli) begegnet in einem Tanzlokal der geheimnisvollen Marisa Pesce (Patrizia Castaldi). Sie tanzen miteinander – bis Marisa von einem der anderen Gäste verängstigt die Flucht ergreift. Germi sucht nach ihr, findet sie aber zu spät: Er entdeckt sie in einem Stundenhotel, brutal ermordet.
Der Polizist beginnt sofort mit der Untersuchung des Verbrechens. Daher muss er tief in einen amoralischen Morast aus Intrigen, Prostitution, Täuschungen und Korruption herabsteigen. Schnell wird deutlich, dass er dies nur überstehen wird, wenn er zu unkonventionellen Methoden am Rande der Legalität (und darüber hinaus) greift...
Verfolgungsjagden, Sarkasmus und mega Mucke!
Bevor uns puristische Giallo-Fans enttäuscht auf's Dach steigen: Ja, Regisseur/Drehbuchautor Sergio Martino und sein Schreibpartner Ernesto Gastaldi („Ein Toter hing am Glockenseil“) haben mit „Suspected Death Of A Minor“ keinen puren Giallo erschaffen! Sie haben stattdessen einen ersonnen, der erzählerische Stilelemente und Themen des in den 1970ern populären, italienischen Krimi-Genres Poliziottesco aufgreift.
Doch auch wenn dieses Thrillerkleinod durch seine einzelgängerische, nicht astrein vorgehende Polizisten-Hauptfigur und seinen schroffen Blick auf Machtgier sowie die desaströsen Auswirkungen der Rezession Nähe zum speziellen, von Lokal- und Zeitkolorit geprägten Polizeikino aufweist: Die Ästhetik ist Giallo pur!
Kameramann Giancarlo Ferrando („Die Säge des Teufels“) setzt seine Gerätschaften für dynamische Fahrten und markante, mitunter provokant-haarsträubende Blickwinkel ein – womit er die finsteren Gänge und desorientierenden, düsteren Treppenhäuser noch bedrohlicher aussehen lässt, als sie eh schon sind.
Des Weiteren ergießt sich ein basslastiger, verspielter, intensiven 70er-Vibe ausstrahlender Score von Luciano Michelini über das Geschehen, der massive Goblin-Anleihen mit manisch-verzerrten Einflüssen von klassischen US-Copserien vereint. Mit dieser Begleitmusik sind die wilden, wirren Verfolgungsjagden, die sarkastisch kommentierten Kloppereien und der gelegentliche, feiste Slapstick ein herrlich-eigensinniges, derbes Vergnügen! Einziger Wermutstropfen: Die grausige, für diese Veröffentlichung erstellte, seelenlos-gestelzte Synchro. Unser Tipp: Schaut euch den Film dringend im Original (mit Untertiteln) an!
Und wenn ihr nun im Giallo-Fieber seid: Im folgenden Artikel stellen wir euch einen packenden Film des Genremeisters Dario Argento näher vor!
Diesen stylischen, packenden Thriller-Meilenstein eines gefeierten Kult-Regisseurs gibt es jetzt neu in 4K im Heimkino*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.