Er gilt als einer der größten, einflussreichsten Filmemacher aller Zeiten, aber auch als absoluter Perfektionist, der es seinen Schauspieler*innen alles andere als leicht machte: Regie-Ikone Stanley Kubrick („2001 – Odyssee im Weltraum“). Nicht wenige Darsteller empfanden die Arbeit am Set mit dem 1999 verstorbenen Londoner als, mindestens, herausfordernd. So soll „Shining“-Hauptdarstellerin Shelley Duvall einen Nervenzusammenbruch während der Dreharbeiten erlitten haben. Der Grund: Kubrick ließ eine Szene mit ihr angeblich ganze 127-mal wiederholen.
Für andere erwies sich die stoische, introvertierte Art Kubricks als schwierig. So äußerte etwa Vincent D'Onofri („Full Metal Jacket“), dass Kubrick während des Drehs wenig sprach und sich kaum über die Handlung oder Charaktere äußerte. Ohne viel zu erklären, blieb (fast) alles den Schauspielern überlassen. Und trotz der Eigenheiten und des komplexen Charakters des Filmemachers gab es Darsteller, die so ziemlich alles für eine Hauptrolle in einem Kubrick-Film getan hätten. Dazu zählt der US-Schauspieler Anthony Michael Hall, der erschöpfend lang und hart mit Kubrick über die Hauptrolle im Anti-Kriegsklassiker „Full Metal Jacket“ verhandelte.
"Ich war fasziniert von ihm"
Hall war noch ein Teenager, als er 1983 in der Rolle des Russell Griswold neben Chevy Chase in der Kult-Komödie „Die schrillen Vier auf Achse“ berühmt wurde. Kurz darauf spielte er in den legendären Jugendfilmen „Das darf man nur als Erwachsener“ und „Breakfast Club“ mit.
Mitte der 1980er war er zudem Teil der Comedyshow „Saturday Night Live“ – als bis heute jüngstes Besetzungsmitglied. Hall war also bereits ein äußerst bekannter (Jung-)Darsteller, als man ihm 1985 die Hauptrolle in „Full Metal Jacket“ anbot. Der damals 17-Jährige wollte auch unbedingt in dem Kriegsfilm, der auf dem Roman „Höllenfeuer“ von Gustav Hasford beruht, mitwirken – und nahm dafür ein zähes Feilschen um die Konditionen in Kauf.
„In den acht Monaten während unserer Verhandlungen habe ich alles über Kubrick gelesen, was ich finden konnte. Ich war wirklich fasziniert von ihm. Ich wollte in diesem Film mitspielen“, sagte er dem Filmportal UGO. „Aber es hat nicht geklappt.“ Denn Hall und Kubrick konnten über einige wesentliche Punkte keine Übereinkunft finden – darunter das Thema Gage. „Wir konnten uns nicht auf den Deal und das Finanzielle einigen. Das war letztendlich der Grund, warum ich ausgestiegen bin“, so der Schauspieler, der darüber hinaus Schwierigkeiten mit der geplanten, langen Produktionszeit hatte (der Dreh zog sich am Ende tatsächlich über 54 Wochen).
Hall wurde durch schließlich durch Matthew Modine ersetzt, der in der Rolle des Private/Sergeant James T. „Joker“ Davis glänzte und zusammen mit Kubrick Filmgeschichte schrieb.
"Ich bedauere es bis heute"
Und Hall? Dessen Karriere geriet aufgrund halbgarer Flop-Komödien wie „Johnny Be Good“ (1988) und „Mein Kumpel, der Kobold“ (1990) erst einmal ins Stocken. Im Laufe der Jahre etablierte er sich aber als gefragter Serienschauspieler („Reacher“, „Dead Zone“) und Nebendarsteller für Film- und Kinoproduktionen. Man sah ihn in kleineren, nischigen Indie-Filmen („The Caveman’s Valentine“) und ebenso Box-Office-Hits und Blockbustern, darunter Christopher Nolans „The Dark Knight“. Und obwohl Hall seit 40 Jahren in der Traumfabrik fest etabliert ist, blickt er nach all der Zeit nach wie vor mit etwas Reue auf die nicht zu Stande gekommene Einigung mit Kubrick. Hall: „Wenn ich in meiner Karriere etwas bedauere dann, dass ich ‚Full Metal Jacket‘ nicht gedreht habe.“
Für „Full Metal Jacket“ war tatsächlich auch einer der größten Schauspieler aller Zeiten im Gespräch – und zwar für die Rolle des brutalen Ausbilders Gunnery Sergeant Hartman. Doch am Ende kam es ebenfalls nicht zu einer Zusammenarbeit. Lest hier, warum:
Stanley Kubrick wollte Robert De Niro nicht für eines seiner größten Meisterwerke haben – und das aus gutem Grund!*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.