Einer von Stephen Kings Lieblingsfilmen: Schauriger Horror-Klassiker erscheint zum ersten Mal auf Blu-ray
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Zwei Horror-Klassiker in einem Set: Der von Stephen King verehrte Sci-Fi-Grusel „Das Dorf der Verdammten“ und seine Fortsetzung „Die Kinder der Verdammten“ wurden endlich in Deutschland auf Blu-ray veröffentlicht!

Der deutsche Heimkinomarkt gab sich jahrelang die Blöße: Obwohl kein Geringerer als Horror-Erfolgsschriftsteller Stephen King den Horror-Klassiker „Das Dorf der Verdammten“ als einen seiner Lieblingsfilme bezeichnet, hat man es Filmbegeisterten hierzulande verflixt schwer gemacht, ihn physisch zu erwerben!

Auf Disc wurde er lediglich 2005 ausgewertet – und diese DVD-Auflage ist mittlerweile nur gebraucht zu erhalten. Oft auch noch zu einem Preis, den nunmehr bloß Sammelwütige für alte DVDs zu zahlen gewillt sind. Jetzt endlich gehört dies aber der Vergangenheit ein: Diese Woche ist „Das Dorf der Verdammten“ gemeinsam mit seiner Fortsetzung von 1964 auf Blu-ray erschienen – griffig betitelt als „Box der Verdammten“!

Die „Box der Verdammten“ umfasst neben „Das Dorf der Verdammten“ von 1960 und seinem Sequel „Die Kinder der Verdammten“, das einige Fans eher als tonal neu ausgerichtete Neuverfilmung ansehen („Tanz der Teufel 2“ lässt grüßen), ein 50-seitiges Booklet.

Das sind "Das Dorf der Verdammten" und "Die Kinder der Verdammten"

Das verschlafene, englische Dorf Midwich ist Schauplatz eines sonderbaren Phänomens: Innerhalb eines Tags bringen sämtliche Frauen der Gemeinde Kinder auf die Welt – und sie alle haben glühende Augen. In den Folgetagen setzt sich der Schrecken fort: Die ungewöhnliche Brut wächst schneller als normal heran! All diese Kinder haben platinblondes Haar! Sie sind völlig gefühlskalt! Und sie scheinen telepathisch miteinander verbunden zu sein! Das kann für die alte Bevölkerung doch nicht gut ausgehen?!

In „Die Kinder der Verdammten“ verkleinert sich die Riege an Kinderfiguren, dafür weitet sich der Schauplatz aus: Der verdammte Nachwuchs baut seinen Einfluss global aus. Das versetzt die Erwachsenen dieser Welt in Angst und Schrecken – doch ist das, was die unwissenden Alten als Terror betrachten, womöglich ein Segen für den Globus!?

Opfer der Isolation, Hitlerjugend-Parabel und verhasste Hoffnung auf Frieden: Diese verdammten Kinder ändern ständig ihre Bedeutung

Den Sci-Fi-Horror von 1960 inszenierte der in Berlin-Charlottenburg geborene Wolf Rilla, der mit seiner Familie 1934 aufgrund des aufkommenden Faschismus nach Großbritannien auswanderte. „Die Kinder der Verdammten“ ist die wohl prestigeträchtigste Arbeit des späteren „Paul Temple“-Regisseurs und basiert auf dem Roman „Kuckuckskinder“* des britischen Schriftstellers John Wyndham.

Während Wyndhams Buch unter anderem als Auseinandersetzung ungewollter Elternschaft, Isolation und soziale Ausgrenzung interpretiert wird, deuteten viele Filminteressierte Rillas Adaption als strafende Parabel auf Deutschlands NS-Vergangenheit. Rilla bestritt Zeit seines Lebens, es auf diese Deutung angelegt zu haben. Er räumte allerdings ein, „dass die Erinnerungen an den Krieg noch frisch waren“ und die Parallelen unbewusst entstanden sein könnten (via The Guardian).

Bei „Die Kinder der Verdammten“ legte sich diese Deutungsmöglichkeit wieder: Regisseur Anton Leader nahm von der Furcht vor eine nachwachsenden Generation des Schreckens Abstand. Er inszenierte stattdessen einen Film, in dem eine nach Zusammenarbeit und Wissen strebende, neue Generation auf eine alteingesessene, Konflikte begrüßende Welt trifft, die sich nicht aus gewohnten Bahnen bringen lässt.

Zumindest Stephen King zieht den Film, in dem die Kinder für Angst und Schrecken sorgen, dem Nachfolger, in dem sie eine boshafte Welt irritieren, eindeutig vor: Er bezeichnete „Das Dorf der Verdammten“ in einem Interview als einen seiner Lieblingsfilme. Weiter adelte er ihn: „Wenn es um britischen Horror geht, gibt es nicht viel Besseres.“ Obendrein geriet er beim Gedanken an Hauptdarsteller George Sanders ins Schwärmen (wir berichteten): Sanders habe in der Rolle eines pensionierten Physikers, der sich den garstigen Gören in den Weg zu stellen versucht, „hervorragende Arbeit“ geleistet.

Solltet ihr dennoch nach dem Schwarz-Weiß-Grusel von „Das Dorf der Verdammten“ auf der Suche nach härterem Horror sein, in dem die Grenzen dessen ausgelotet werden, was Anfang dieses Jahrtausends an Gewaltdarstellung geduldet wurde – dann folgt einfach unserer nächsten Empfehlung!

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