Gedankenkontrolle, mentale Beeinflussung, das scheinbare Übertragen fremder Emotionen – die Vorstellung von Telepathie verleiht Figuren in Geschichten eine unheimliche Macht über andere Menschen. Ein Schreckensszenario, das viele Horrorfilme seit jeher nutzen, um bei den Zuschauer*innen Unbehagen und Ängste hervorzurufen. Der vom König des Bodyhorrors, David Cronenberg, realisierte Sci-Fi-Horror-Klassiker „Scanners“ (1981) brachte es im Untertitel auf den Punkt: „Ihre Gedanken können töten“.
Weitere bekannte Beispiele von Horrorfilmen rund um die Themen „Telepathie“ und „Telekinese“ sind „The Inncocents“, Stanley Kubricks „Shining“, „Der Feuerteufel“ und „Dreamcatcher“. Die drei letztgenannten Filme beruhen dabei auf Romanen von Horror-Meister Stephen King. Dieser befasste sich in seinen Werken so intensiv mit den Auswüchsen und Gefahren telepathischer Kräfte wie wenige andere. Da ist es kaum überraschend, dass King mit „Das Dorf der Verdammten“ einen britischen Horrorfilm zu seinen absoluten Favoriten zählt, der sich als einer der ersten überhaupt mit Telepathie befasste. Genauer: Mit übernatürlich begabten Kindern, die anderen Menschen ihren Willen aufzwingen.
Ein Ort in Angst und Schrecken: "Das Dorf der Verdammten"
„Wenn es um britischen Horror geht, gibt es nicht viel Besseres als ‚Das Dorf der Verdammten‘“, sagte King dem British Film Institute 2017. In dem Interview wurde er nach seinen Lieblingsfilmen befragt und der von Wolf Rilla 1960 inszenierte Mix aus Fantasy, Horror und Science-Fiction landete dabei mit auf der Liste.
Der Film spielt in dem kleinen Küstendorf Midwich, das von mysteriösen Ereignissen heimgesucht wird. Eines Tages fallen alle Bewohner*innen in Ohnmacht. Als sie wieder aufwachen, scheint alles normal. Doch einige Woche später merken die Frauen, dass sie schwanger sind. Neun Monate später kommen die Kinder – alle am selben Tag – zur Welt.
Doch etwas stimmt mit dem Nachwuchs nicht: Die Kinder wachsen unnatürlich schnell, sehen gleich aus und haben glühende Augen mit einem regelrecht durchdringenden Blick. Schon bald kommt es zu tödlichen Vorfällen in Midwich. Es zeigt sich, dass die Kinder untereinander mittels Telepathie kommunizieren und die Gedanken der Bewohner*innen kontrollieren können.
Ein Großteil seiner verstörenden Wirkung bezieht „Das Dorf der Verdammten“ aus seiner visuellen Kraft und Ästhetik. Denn die düster dreinblickenden, stets adrett gekleideten und akkurat frisierten Kinder wirken in Schwarz-Weiß nochmals bedrohlicher. Auch King zeigte sich von der schwarz-weißen Optik angetan und bezeichnete diese als „wunderschön“. Zudem hob er die schauspielerische Leistung von Hauptdarsteller George Sanders hervor. Er leiste in der Rolle als pensionierter Physiker, der es mit den Kindern aufnimmt, „hervorragende Arbeit“, lobte King.
35 Jahre später entstand übrigens ein weniger unheilvolles, dafür ziemlich atmosphärisches Remake mit Ex-Superman-Darsteller Christopher Reeve in der Hauptrolle. Trotzdem erwies sich die von John Carpenter gedrehte Neuinterpretation als ziemlicher Flop an den Kassen.
Neben kultigen (Schwarz-Weiß-)Horrorstreifen hat King durchaus auch ein Faible für gut gemachte, stimmungsvolle Grusel-Serien. Darunter eine Serie, der bislang der große Erfolg verwehrt bliebt – die King allerdings aufgrund des „wundervollen Konzepts“ wärmstens empfiehlt. Lest hier, welches Format gemeint ist:
Auch Stephen King ist Fan: Gefeierte Horror-Serie der "Lost"- und "Avengers"-Macher geht bei Prime Video heute in die 2. Staffel