Al Pacino wollte seine Oscar-Rolle um jeden Preis perfekt verkörpern – und hätte dafür fast mit seinem Augenlicht bezahlt!
Chantal Neumann
Chantal Neumann
-Redakteurin
Chantal liebt das große Kino genauso wie das Binge-Watching auf dem heimischen Sofa – Hauptsache der Film oder die Serie ist gut.

1992 spielte Al Pacino in „Der Duft der Frauen“ einen blinden Veteranen. Seine Herangehensweise an die Rolle sorgte am Set dafür, dass er kurzzeitig sogar wirklich dasselbe Schicksal mit seiner Figur teilte.

Wenn Al Pacino einen Film dreht, dann tut er das mit Hingabe. Die Hollywood-Legende ist berühmt für ihre intensive Vorbereitung und ihr Streben nach Perfektion. Vor allem die Technik des Method Acting macht der „Der Pate“-Star sich dabei häufig zunutze – eine Schauspielmethode, bei der Darsteller*innen eine tiefe, oft körperlich wie emotional fordernde Verbindung zu ihrer Rolle aufbauen, um größtmögliche Authentizität zu erreichen. Doch einmal trieb Pacinos kompromisslose Herangehensweise ihn an die Grenzen des Zumutbaren, sodass er schließlich sogar dasselbe Schicksal teilte wie die Figur, die er verkörperte.

Anfang der 1990er-Jahre stand Pacino für Martin Brests Drama „Der Duft der Frauen“ vor der Kamera. Der Film handelt von einem jungen Stipendiaten (Chris O’Donnell), der als Betreuer des blinden, ehemaligen Oberstleutnants Frank Slade (Pacino) etwas Geld verdienen möchte.

Um Slade überzeugend darstellen zu können, bereitete sich Pacino intensiv vor: Er traf sich vor Drehbeginn mit einer Blindenorganisation, die ihm half, zu begreifen, wie es sich anfühlt, nach und nach das Augenlicht zu verlieren und mit dem damit verbundenen Trauma zu leben. Eine weitere Organisation zeigte ihm, wie blinde Menschen alltägliche Aufgaben bewältigen – vom Finden eines freien Stuhls über das Einschenken eines Getränks bis hin zum Anzünden einer Zigarre.

Al Pacino verletzte sich am Set von "Der Duft der Frauen" die Augen

Anstatt abgedunkelte Kontaktlinsen zu tragen, die ihm das Blindsein hätten simulieren können, entschied sich Pacino, während der gesamten Produktion vollständig in seiner Rolle zu bleiben. Er hielt seine Augen absichtlich unscharf, bewegte sich mit einem Stock und verhielt sich konsequent wie ein Mensch ohne Sehvermögen.

Diese extreme Form des Method Acting hatte jedoch einen gefährlichen Nebeneffekt: Pacino fiel während der Dreharbeiten in einen Busch, verletzte sich dabei die Hornhaut und erblindete tatsächlich kurzzeitig. Zum Glück heilte die Verletzung aber vollständig aus, sodass er keine bleibenden Schäden davon trug.

Der Duft der Frauen
Der Duft der Frauen
Starttermin 23. Dezember 1992 | 2 Std. 37 Min.
Von Martin Brest
Mit Al Pacino, Chris O'Donnell, James Rebhorn
Pressekritiken
4,3
User-Wertung
4,3
Filmstarts
4,0
Im Stream

Während der Arbeit am Set vermied Pacino übrigens auch jeden direkten Blickkontakt. Co-Star Chris O’Donnell verriet später, er habe zeitweise geglaubt, Pacino würde ihn ignorieren und absichtlich vermeiden, ihm Feedback zu geben. Erst nach Abschluss der Dreharbeiten erhielt O’Donnell einen Brief, in dem Pacino erklärte: „Ich kann dir nicht sagen, was du gemacht hast, weil ich dich irgendwie nie gesehen habe.“ (via FarOutMagazine)

Am Ende aber zahlte sich Pacinos enorme Anstrengung aus. Für „Der Duft der Frauen“ gewann er 1993 nach zuvor sieben Nominierungen endlich den heiß begehrten Oscar – und das trotz starker Konkurrenz. Warum Denzel Washington bei der Preisverleihung sogar gerne gegen Pacino verloren hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Denzel Washington wollte für einen seiner wichtigsten Filme auf keinen Fall einen Oscar gewinnen: "Ich hätte mich schlecht gefühlt"
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